Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 599

Müller, Friedrich, geb. 5. März 1834 zu Jemnik (Böhmen), gest. 24. Mai 1898 zu Wien, wo er seine gesamte wissenschaftliche Laufbahn durchmachte, zuerst als Privatdozent, dann als Professor für vergleichende Sprachwissenschaft und Sanskrit an der dortigen Universität. Zuerst Indogermanist, wandte er sich mehr und mehr auch den illiteraten Sprachen zu, seitdem er 1860 die wissenschaftliche Bearbeitung der linguistischen und ethnographischen Ergebnisse der Weltumsegelungsreise der österreichischen Fregatte "Novara" (1857-1859) übernommen hatte, deren Linguistischer Teil 1867, der Ethnographische Teil 1868 erschien. Diesen folgte 1873 seine Allgemeine Ethnographie und 1876 bis 1888 sein großes Werk in 6 Abteilungen: Grundriß der Sprachwissenschaft, in welchem er nach einer Einleitung über Sprachwissenschaft im allgemeinen Knappe Darstellungen über sämtliche damals bekannten Sprachen und Sprachfamilien der Welt gab. Es ist ein Monumentalwerk, aus einer Unmenge sorgfältiger Einzelarbeiten hervorgegangen, das trotz der seitdem gemachten Fortschritte seinen Wert nicht verlieren wird. Sowohl für die afrikanischen wie für die ozeanischen Sprachen sind seine Lehren von der größten Bedeutung geworden. Von manchen trefflichen Einzeldarstellungen abgesehen, hat er 1885 für Afrika als erster eine vortreffliche vergleichende Darstellung der hamitischen Sprachen und ihres Zusammenhanges mit den semitischen Sprachen gegeben; er entdeckte die "Äquatoriale Sprachfamilie", und wenn er auch in der Aufstellung der Fulbe-Nubagruppe weniger glücklich war, so brachte er damit doch die mannigfachen Beziehungen dieser Sprachen wieder lebhafter zum Bewußtsein. Im ozeanischen Gebiet ist seine knappe vorzügliche Darstellung der polynesischen Sprachen hervorzuheben; in der Auffassung der melanesischen und der Papuasprachen (s.d. 1) hatte er zuerst irrige Auffassungen, denen aber ein gutes Stück Wahrheit inne wohnte und die er zum Teil selbst noch korrigierte. In seiner Behandlung der Sprachen legte er den Hauptnachdruck auf die innere Form, den grammatischen Aufbau, eine Reaktion, die nach den dilettantischen Ausschweifungen in bloßer Wortvergleichung, wie sie bis dahin gerade auf dem Gebiete der illiteraten Sprachen geübt worden war, wohl erklärlich und bis zu einem gewissen Grade notwendig war, die aber eine Zeitlang die Aufmerksamkeit von der auch bei diesen Sprachen möglichen und notwendigen Herausarbeitung fester Lautgesetze für die Vergleichung der einzelnen Wörter ablenkte.

Literatur: Die genauere bibliographische Angabe der hierhin gehörigen Werke Müllers s. bei der Literatur der Artikel: Afrikan. Spr., Hamit. Spr., Melanes. Spr., Papua-Spr-, Sudan-Spr.

Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 598

Mueller, Franz Ludwig Wilhelm, Generalmajor z. D., geb. den 7. Sept. 1850 zu Friedrichsthal, Reg.-Bez. Stettin; 1868 Eintritt in das Jägerbataillon Nr. 1; 1870 Leutnant; 1878 unter Beförderung zum Oberleutnant in das Jägerbataillon Nr. 2; 1884 in das Jägerbataillon Nr. 1; 1886 Hauptmann; 1894 Major, aggregiert dem Infanterieregiment Nr. 46; 1895 der Schutztruppe für Deutsch-Südwestafrika zugeteilt; 1900 Oberstleutnant; 1902 als aggregiert in das Infanterieregiment Nr. 48; 1903 Oberst und bald darauf als Kommandeur in die Schutztruppe für Kamerun versetzt; 1907 Generalmajor; 1908 mit der Erlaubnis zum Tragen seiner bisherigen Uniform zur Disposition gestellt, machte als Leutnant den deutsch-französischen Krieg mit und erhielt das Eiserne Kreuz 2. Klasse. Bei seiner Versetzung in die Schutztruppe für Deutsch-Südwestafrika wurde er gleichzeitig mit der Stellvertretung des Majors Leutwein (s.d.) in der Wahrnehmung der Funktionen des Kommandeurs der Schutztruppe beauftragt; 1897/98 leitete er den Feldzug gegen die vereinigten Stämme der Swartboi- Topnar-Hottentotten und. Nordwesthereros. Als Kommandeur der Schutztruppe für Kamerun führte Generalmajor M. 1904 die Anjangexpedition und 1905 die Manengubaexpedition, vertrat 1906 den beurlaubten Gouverneur und führte 1907 mehrere Expeditionen zur Befriedung des Südbezirks. Seit seiner Verabschiedung widmet er sich der Förderung der kolonialen Interessen, insbesondere auch als Vorsitzender des Aufsichtsrates des Kolonialkriegerdankes (s.d.).