Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 602

Musgu, heidnischer Sudanstamm, zu beiden Seiten des unteren Logone. Durch das Abkommen vom November 1911 (s. Erwerbung der deutschen Kolonien 3), das den Logone zur Grenze zwischen Deutsch-Kamerun und dem französischen Tsadseeterritorium macht, wird das M.gebiet mitten entzwei geschnitten. Sie stehen sprachlich den Völkern des Tsadseebeckens nahe, ebenso den Tuburi (s.d.) und werden mit den Kotoko (s.d.) zu den Massastämmen gestellt. Infolge der außerordentlichen Fruchtbarkeit des Logonebeckens ist das Land dicht besiedelt, und der Ackerbau hat einen erstaunlichen Aufschwung erreicht. Die Felder werden sogar gedüngt. Die M. bauen Hirse, daneben Tabak und Baumwolle. Sie sind auch Viehzüchter, haben Rinder und Pferde. Ihre Hütten aus Lehm in der Form von Bienenkörben sind oft kunstvoll verziert. 4-5 Hütten bilden ein kleines Gehöft (s. Tafel 142), als Vorratsspeicher dienen riesige Tonurnen. Das Handwerk steht auf relativ hoher Stufe. Wahrhaft barbarisch berührt dagegen die Lippendurchbohrung mit gewaltigen Scheiben bei den Frauen (s. Tafel 142), der Mangel an Bekleidung und Zahnverstümmelung. Unter den einzelnen ziemlich großen Dörfern fehlt jeglicher staatlicher Zusammenhang. Die M. wurden daher von Bornu und Bagirmi aus oft durch Sklavenjagden heimgesucht und fanden dann nur Schutz hinter Inseln und Sümpfen des Logone. Die bestbevölkerten Landesteile sind die beiden befestigten Städte Musgum und Mala auf dem rechten Logoneufer und nicht mehr auf deutschem Gebiet.

Passarge-Rathjens.