Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 604

Musikbogen, primitives Saiteninstrument, aus dem wahrscheinlich manche der höheren Saiteninstrumente hervorgegangen sind. Die Saite ist, wie beim Schießbogen, zwischen den Enden eines gebogenen Stabes ausgespannt und wird mit einem Stäbchen geschlagen. Die Tonhöhe wird durch Verkürzung der Saite in der Nähe des Bogenendes mit den Fingern oder einem Stäbchen variiert. Meist ist die Saite durch eine um den Bogen laufende Schlinge in zwei ungleiche Teile geteilt. Der Südsee-M. (Neupommern) hat zwei Saiten, eine davon mit Stimmschlinge. Der einfache M. wird oft gegen die Zähne gestemmt [(s. Tafel 145/46), die spätere Form erhält als Resonanzkörper einen Kürbis, auf den die Mitte des Bogens gelegt wird (Togo); endlich wird der Kürbis an den Bogen angebunden (Deutsch-Ostafrika). In Westafrika (Togo, Kamerun) wird der M. nach Art der Maultrommel (s.d.) gehandhabt, indem man die Saite zwischen den Zähnen durchschwirren läßt. Bei der Gora der Buschmänner ist das eine Saitenende nicht direkt, sondern durch eine dazwischen geschaltete Federpose, gegen die geblasen wird, am Bogen befestigt (s. Tafel 145/46).

v. Hornbostel.