Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 617 f.

Namib, die westlichste Landschaft von Deutsch-Südwestafrika. Die eigentliche Strandlandschaft wird von den Eingeborenen ursprünglich nicht als N. bezeichnet. - Diese und auch die Europäer verstanden eigentlich darunter hauptsächlich das Gebiet der nach dem Innern stärker ansteigenden Ebenen. Einheitlichkeit im orographischen Bau der N. wird aber dadurch verdeckt, daß, namentlich im Süden des 23° s. Br., die Sandregion ungeheure Flächen erfüllt und das ursprüngliche Bild verwirrt. Nach dem Sprachgebrauch, der sich allmählich herausgebildet hat, tun wir am besten, unter der N. einfach das gesamte Wüstengebiet der Westzone zusammenzufassen. Auf diese Weise läßt sich die Ausdehnung des N.gebiets im Norden zu rund 50, im Süden zu mindestens 70 km durchschnittlicher Breite ansetzen. Die gesamte, völlig wüste Region des Schutzgebietes würde somit eine zusammenhängende Fläche von nicht viel unter 100000 qkm bilden, denn das nicht sehr häufige Grundwasservorkommen in den Flußrinnen unterbricht die N. nur in schmalen, durch eine anders geartete Pflanzenwelt bezeichneten Bändern. Die niedrigen, fast durchweg dem Urgestein angehörenden Hügel und Kuppen vermögen den Eindruck der endlosen Flächen nirgends vollständig aufzuheben. In viel höherem Grade gelingt dies den Dünen, die wir in endloser Aufeinanderfolge südlich vom Swakoplaufe die Einöde erfüllen sehen. Die Flußtäler dagegen unterbrechen das Bild der ansteigenden Ebene selbst dort nur wenig, wo sie tiefer in das Gestein der Küstenregion eingeschnitten sind, da ihre Täler steilwandig nach Art der Kannons in das Umland eingesenkt sind und deshalb keine breite Unterbrechung der ebeneren Landschaft bedeuten. Klimatisch ist die Namib weniger durch ihre Temperaturen als durch die außerordentliche Regenarmut gekennzeichnet. Die Temperaturgegensätze sind auch hier außerhalb der eigentlichen Strandlandschaft groß, und die Erhitzung des Bodens ist namentlich in den Sommermonaten außergewöhnlich stark. Die Niederschläge dagegen sind so gering, daß die N. zu den trockensten Gegenden der Welt gezählt werden muß; selbst der Nordrand der algerischen Sahara ist viel feuchter als dies Gebiet und die Unregelmäßigkeit der wenigen Regen eine so große, daß man besser tut, von einer mittleren Regenmenge in dieser Landschaft überhaupt nicht zu sprechen. Sicher ist, daß im Westen der N. Jahre verstreichen können, ohne daß es überhaupt zu einem meßbaren Niederschlag kommt. - So entspricht denn auch die Pflanzenwelt dieser Wüste außerhalb der Grundwassergebiete völlig diesem Charakter. Von einigen niederen Gewächsen abgesehen, verdient in freier Fläche nur die merkwürdige Welwitschia mirabilis (s.d.) eine besondere Erwähnung, die in der Wüste westlich vom Hererolande an mehreren Stellen vorkommt. Wenige Sukkulenten, ferner der zu den Euphorbien gehörende Milchbusch, Aloe dichotoma und einzelne Dornsträucher bilden den in die Augen fallenden Bestand der inneren Namibzone, bis allmählich Grasflecken und andre Gewächse ihren Übergang in die Wüstensteppen anzeigen, die sie von den reicher bewachsenen Hochsteppen des Innern trennen. - Die höhere Tierwelt beschränkt sich, von der Strandzone abgesehen, auf wenige, besonders ausdauernde und genügsame Arten von Steppenwild, darunter Strauße, Zebras und Springböcke. Alle andern sind außerhalb der den Flußrinnen benachbarten Gegenden nur selten oder überhaupt nicht anzutreffen, und nur die Küste bildet mit ihren Robben und Wasservögeln eine Tierprovinz für sich. - Die Bevölkerung der N. besteht, da man die Bewohner der Flußoasen ihr kaum zurechnen kann, ursprünglich aus wenigen umherstreifenden Hottentotten (s.d.) und im Süden aus mit Hottentotten vermischten Buschmännern (s.d.). Wirtschaftlich galt sie so gut wie wertlos, da das vereinzelte Vorkommen von Kupfererzen nicht lohnend erschien, bis die Entdeckung der Diamanten (s.d.) gerade in der ödesten Westzone ihr eine Menge von Menschen zuführte, nachdem ehemals außerhalb der Schiffsanlegeplätze höchstens der Fischfang, der Robbenschlag und die Guanogewinnung zur vorübergehenden Bildung von Siedlungen beigetragen hatte.

Literatur: F. Stapff, Karte des unteren Khuisebtales, Peterm. Mitt. Gotha 1887. - L. Schultze, Am Namaland und Kalahari. Jena 1907.

Dove.