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Nashornvögel, Bucerotidae, größere oder sehr große Vögel, die durch
ihren unförmigen, an der Stirn meistens noch mit einem horn-, helm- oder
leistenförmigen Aufsatz versehenen Schnabel auffallen. Läufe und Zehen
sind meistens kurz; der Hals ist verhältnismäßig lang. Trotz seines
Umfanges
ist der Schnabel sehr leicht, da er nicht aus fester Knochenmasse,
sondern
aus hohlen, lufthaltigen Zellen besteht. Die N. bewohnen den Urwald
ebensowohl
wie freieres Gelände, halten sich, mit Ausnahme der Hornraben
(Bucorvus),
die auf dem Erdboden ihren Unterhalt suchen, ausschließlich auf Bäumen
auf und nähren sich von Früchten, Beeren, Insekten und kleineren
Wirbeltieren.
- Höchst eigentümlich ist die Nistweise. Zur Niststätte wird eine weite
Baumhöhle gewählt und das Zugangsloch vom brütenden Weibchen mit seinem
Kote derartig vermauert, daß nur ein schmaler Spalt übrig bleibt, wo
hindurch
das Weibchen vom Männchen gefüttert wird. Das Weibchen mausert während
des Brütens vollständig und verläßt erst, wenn die Jungen flugfähig
sind,
mit diesen zusammen seinen freiwilligen Kerker. Die Eier haben eine
matte,
reinweiße Schale und meistens längliche Form. Der Flug der N. ist
schwerfällig,
bei den kleineren Arten wechselt er mit schnellen Flügelschlägen und
Schweben.
Die Stimme besteht in einzelnen schrillen Tönen, die bei vielen Arten
im Verhältnis zur Größe der Vögel auffallend schwach sind. - Die N. sind
in etwa 70 Arten über Afrika, Indien, Sundainseln, Philippinen und Neuguinea
bis zu den Salomoninseln verbreitet. Das
Verbreitungszentrum
liegt in Afrika. Die größte Art der Gruppe ist der in Afrika in zwei
Arten
vorkommende Hornrabe, Bucorvus
abyssinicus,
in Nordost- und Westafrika, B. cafer in Ost- und Südafrika, beide durch
die Form des Hornes und die Färbung der nackten Kopfseiten und Kehle
unterschieden.
Der Hornrabe hat längere Läufe als seine Verwandten und kurzen Schwanz.
Er hält sich meistens auf der Erde auf und nährt sich von
Pflanzenstoffen
und Insekten, auch kleinen
Wirbeltieren.
Durch Vertilgen von Schlangen und
dadurch,
daß er sich auch beim Aas einfindet, wo er sich selbst größeren Geiern
gegenüber zu behaupten weiß, wird er nützlich. Das Gefieder ist schwarz,
nur die Handschwingen sind weiß, nackte Augengegend und Kehle blau oder
rot. - Der Keulenhornvogel Westafrikas, Ceratogymna atrata, hat die
Körpergröße
eines Raben, ist aber viel länger. Das
Männchen
hat ein keulenförmiges Horn auf dem Schnabel, nackte Kopfseiten und
Kehle
mit Kehlsack und schwarzes Gefieder mit weißer Schwanzspitze. Das
Weibchen
hat schwächeres, leistenförmiges Horn und rotbraunen Kopf und Hals. -
Die kleineren Tokos, Lophoceros, von Krähen- oder Dohlengröße mit
leistenförmigem
Schnabelaufsatz, sind in Afrika durch einige 20 Arten vertreten. Häufig
in Ostafrika ist der braune Toko, L. melanoleucus, braun, Unterkörper weiß,
Schnabel
rot. - In Kamerun ist der gewöhnlichste
L. fasciatus, schwarz mit weißem Bauch, zwei weißen Federn jederseits
im Schwanz und kalkweißem Schnabel. Er wird in Togo
durch L.semifaseiatus vertreten, bei dem die zweite und dritte
Schwanzfeder
nicht im ganzen, sondern nur an der Endhälfte weiß sind. - Auf Neuguinea
und den Bismarckinseln kommt nur ein Hornvogel vor, der Jahrvogel, Rhytidoceros plicatus. Er ist stärker
als ein Fasan. Das flache Horn ist durch Querfurchen geteilt; auf die
irrtümliche Annahme, daß sich jedes Jahr eine neue Wulst bilde und
danach
das Alter des Vogels zu bestimmen sei, gründet sich der Name
"Jahrvogel".
Kopf und Hals sind goldbraun, der Vorderhals blasser, Schwanz weiß,
übriges
Gefieder schwarz, der Schnabel kalkweiß. Beim Weibchen sind Kopf und
Hals
schwarz. Den Eingeborenen auf Neumecklenburg
gilt der Jahrvogel als heilig. Er soll die Seelen der Verstorbenen ins
Jenseits bringen und ist deshalb an allen Schiffsschnäbeln,
Hüttengiebeln
und auf Masken nachgebildet.
Reichenow. |