| Neger. Die dunkelhäutige Rasse, die Afrika bewohnt, ist,
abgesehen
von der Hautfarbe, durch Langköpfigkeit, Prognathie, krauses Kopfhaar
gekennzeichnet. Im einzelnen ergeben sich Unterschiede nach Gebieten,
doch ist es nicht möglich gewesen, fest begrenzte Unterabteilungen der
N. zu definieren oder den beiden Sprachgruppen, den Sudansprachen
(s.d.) und Bantusprachen (s.d.)
entsprechende anthropologische aufzustellen. Die Ergebnisse der
Sprachforschung
deuten dagegen die Wahrscheinlichkeit an, daß die beobachteten
Unterschiede
auf größere oder geringere Beimischung fremder Elemente zu beziehen
sind,
unter denen die hellhäutigen (z.B. Hamiten
[s.d.]) besonders in Frage kommen. Anthropologisch gelten die Damara (s.d.) als verhältnismäßig reine N.
Wirtschaftlich
sind die N. Bauern, die zur Bestellung des Landes die Hacke verwenden; die Viehzucht (s.d.) spielt keine besondere Rolle,
mit Ausnahme Südafrikas und einzelner Gebiete im Sudan, doch gehört das Großvieh, zumal das langhörnige Rind, schwerlich
zu dem alten Besitz der N. Auf sozialem Gebiet bestehen Unterschiede
zwischen
dem Osten und Süden mit der Ausbildung des Häuptlingswesens und dem
Westen,
wo die Familie die Grundlage der kleinen Gemeinschaften bildet; dieser
Gegensatz zwischen dem Osten und Süden gegenüber dem Westen spricht sich
auch in dem materiellen und geistigen Kulturbesitz aus. Bestimmte Formen
von Waffen und Geräten, die Verwendung von pflanzlichem Rohmaterial für
die Anfertigung von Stoffen, die Ausbildung von Geheimbünden und
Maskenwesen
kennzeichnen den westafrikanischen Kulturkreis. Trotz der hier besonders
hervortretenden Eigenart ist auch der Westafrikaner stark von Fremden
beeinflußt worden, noch ehe der Islam (s.d.) die kulturellen Elemente veränderte, und
die Geschichte des westlichen Sudans läßt neben orientalischen auch
mittelländische
Beziehungen erkennen.
Thilenius. |