| Netzfischerei, der Fang von Fischen
mit Netzen, aus Hanf- oder Baumwollefäden durch regelmäßige Verknotung
hergestellten Geräten. Die Hanfnetze werden ausschließlich durch
Handarbeit,
die aus Baumwolle heute überwiegend mit
Netzstrickmaschinen
hergestellt. Je nach Größe der zu fangenden Fische haben die Netze engere oder weitere Maschen.
Die in der N. Anwendung findenden Netze lassen sich in vier Arten
einteilen:
Treibnetze, Stellnetze, Zugnetze,
Schleppnetze.
Treibnetze sind Netzwände, die über den Steven des Fahrzeugs - oder von
kleineren Booten aus querschiffs - ausgesetzt, mit diesem vor Wind und Strom treiben. Die Fische schwimmen gegen die
Treibnetze an und bleiben, in der Regel mit den Kiemen, in den Maschen
hängen. Treibnetze dienen im Meere hauptsächlich zum Fang des Herings
und der Makrele, in den Flüssen zum Fang der Wanderfische. - Stel1netze
werden, als senkrechte Wände im Wasser stehend, am Boden des Gewässers
verankert. Die Fische fangen sich ebenso wie in den Treibnetzen. Die
gleichen
Netze werden häufig abwechselnd als Treib- und Stellnetze verwendet.
Stellnetze
werden in der Seefischerei zum Fang von Dorsch, Flunder u.a.
in der Binnenfischerei zum Fang
der mannigfaltigsten Fische verwendet. Zugnetze bestehen meistens aus
zwei langen Flügeln mit einem zwischen diesen befindlichen,
verhältnismäßig
kurzen Sack, der aber auch fehlen kann. Sie werden im Halbkreis so
ausgesetzt,
daß sie die zu fangenden Fische umspannen, und dann an zwei Leinen vom
Strand aus oder von einem vor Anker liegenden Fahrzeug oder Boot
eingezogen.
In der See- und Küstenfischerei dient das Zugnetz vorwiegend zum Fang von Plattfischen
(Snurre-Wadenfischerei)
und Aalen. In der Binnenfischerei können fast alle Fischarten damit
gefangen
werden. Es ist das wichtigste Gerät zur Befischung der Binnenseen. Zu
den Zugnetzen gehört auch das Wurfnetz, ein kleineres, oben häufig durch
einen Bügel gehaltenes, unten offenes Netz, das, von einem Menschen
geworfen,
so ins Wasser fällt, daß es geöffnet auf den Boden sinkt. Dort wird
durch
Schnüre die untere Öffnung zusammengezogen und das Netz dann mit den
darin
befindlichen Fischen eingeholt. - Schleppnetze haben die Form eines
Sacks
mit oder ohne Flügel. Sie werden von dem segelnden oder dampfenden
Fischerfahrzeug
an Leinen über den Meeresboden geschleppt und nehmen dabei die Fische
auf, die sich vor der Netzöffnung befinden. Zu den Schleppnetzen zu
rechnen
ist der Hamen oder das Ankerkuil, ein Netzsack, der in den Flüssen im
scharfen Strom unter oder neben dem verankerten Fahrzeug ausgesetzt wird
und die mit dem Strom in ihn hineintreibenden Fische aufnimmt. Der Hamen
dient zum Fang von Aal, Neunauge, Stint. Das Schleppnetz, niederdeutsch
Kurre, englisch Trawl genannt, wird in der Binnenfischerei kaum
angewandt,
ist aber für die Seefischerei heute das wichtigste Gerät. Es dient zum
Fang fast aller wirtschaftlich wichtigen Nutzfische des Meeres und
bildet
das fast ausschließlich von den Fischdampfern gebrauchte Gerät. Nur für
den Fang des Herings überwiegt heute noch das Treibnetz. Von den Fischdampfern wird heute nur
noch die neueste und wirksamste Form eines Schleppnetzes angewendet, das
Scherbrettnetz oder besser Schernetz
genannt wird, weil es durch Bretter offengehalten wird, die, nach dem
Prinzip des Drachens arbeitend, unter der doppelten Kraftwirkung des
Zuges
der Netzleinen und des Wasserwiderstandes das Netz auseinander-"scheren"
lassen. In der nordeuropäischen Hochseefischerei
benutzen heute etwa 2800 Fischdampfer
dieses Gerät, davon etwa 2000 großbritannische, 300 deutsche, 150 von
Holland und 100 von Frankreich; den Rest senden die übrigen Nationen
aus.
Die Voraussetzung für die Anwendung des Schleppnetzes ist ein
einigermaßen
reiner Sand- oder Schlickgrund. Schleppnetzfischerei wird an der
afrikanischen
Westküste heute nur von Deutschen, Engländern, Franzosen, Portugiesen
vor Marokko und von den Kapländern an der Südspitze Afrikas betrieben.
Es ist aber sicher, daß sich für die Schleppnetzfischerei geeignete
Gründe
auch an den Küsten der deutschen afrikanischen Kolonien, insbesondere
vor Kamerun und Deutsch-Südwestafrika befinden. Eine baldige
Ausnutzung
dieser Fischgründe durch Schlepp-N. ist im Interesse der Versorgung
unserer
Kolonien mit Fischfleisch dringend
erwünscht.
Lübbert. |