Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 629 f.

Neuguinea-Kompagnie. Die N.-K. ist eine Kolonialgesellschaft, die ihren Sitz in Berlin hat und zurzeit über ein Aktienkapital von 71/2 Mill. M verfügt. Sie ist hervorgegangen aus einem Konsortium, das in den Jahren 1884-1885 Entdeckungsfahrten in Neuguinea machen ließ. An der Spitze des ganzen Unternehmens stand der Geheime Kommerzienrat Adolf v. Hansemann (s.d.), der der Gesellschaft bis zu seinem im Dezember 1903 erfolgten Tode, und zwar zunächst als Leiter des Direktoriums und später als Vorsitzender des Verwaltungsrates, angehörte. Die von dem Konsortium angeordneten Erkundungsfahrten ergaben gute Häfen, bedeutende Flüsse und hinreichend fruchtbares Land, um größere Plantagenunternehmungen ins Leben rufen zu können. Nachdem zahlreiche Landerwerbungen für das Konsortium gemacht worden waren, hißte am 1. Nov. 1884 das Kriegsschiff "Elisabeth" in dem betreffenden Gebiete die deutsche Flagge. Am 16. Mai 1885 wurde der N.-K., die sich inzwischen aus dem Konsortium gebildet hatte, ein Kaiserlicher Schutzbrief (s.d.) erteilt, durch den ihr gegen Übernahme bestimmter Verpflichtungen die Landeshoheit über das Schutzgebiet Deutsch-Neuguinea übertragen wurde. Dieser Zustand bestand bis zum Jahre 1898. In diesem Zeitraum richtete die N.-K. durch Einführung einer Gerichtsbarkeit, Regelung der Grundeigentumsverhältnisse, Organisation der Polizeitruppe usw. eine geordnete Verwaltung ein. Es stellte sich indessen heraus, daß die Gesellschaft den ihr durch Übernahme der Landeshoheit erwachsenen Lasten und Verantwortlichkeiten auf die Dauer nicht gewachsen war, und das Direktorium der Gesellschaft trat deshalb mit der Reichsregierung wegen Übernahme der Schutzherrschaft in eigene Verwaltung in Unterhandlungen. Das Ergebnis dieser Verhandlungen war der Vertrag vom 7. Okt. 1898, durch den die N.-K. gegen eine Entschädigung von 4 Mill. M, zahlbar in 10 Jahresraten à 400000 M und Überlassung von 150000 ha Land zu Eigentum, die landeshoheitlichen Rechte unter Löschung des Schutzbriefes vom 1. Mai 1898 an das Reich zurückgab. Die N.-K., die durch diesen Vertrag eine rein private Erwerbsgesellschaft geworden war, wurde sodann in eine deutsche Kolonialgesellschaft umgewandelt, die unter dem 2. März 1900 die Genehmigung des Bundesrats erhielt. Die Leitung des gesamten Unternehmens wurde hierbei an Stelle des bis dahin bestandenen Direktoriums einer besonderen Direktion und einem Verwaltungsrat übertragen. Als Zweck der Gesellschaft wurde "die Kolonisation von Kaiser-Wilhelmsland und des Bismarckarchipels, insbesondere der Betrieb von Land- und Plantagenwirtschaft und gewerbliche Unternehmungen und von Handelsgeschäften" angegeben. - Das Geschäftsjahr der Gesellschaft läuft vom 1. April bis 31. März. - Die Handels- und Pflanzungsunternehmungen der N.-K. verteilen sich auf die verschiedensten Teile des Bismarckarchipels und von Kaiser-Wilhelmsland. Der Sitz für den Gesamthandel der Gesellschaft ist Rabaul; dort befindet sich auch das Hauptlager und die Zentralverwaltung des kaufmännischen Betriebes. Die Pflanzungen im Bismarckarchipel werden von der Administration zu Herbertshöhe geleitet. Die Leitung der Unternehmungen in Kaiser-Wilhelmsland liegt in den Händen der Administrationen zu Friedrich-Wilhelmshafen und zu Stephansort. Die Handelszentrale für Kaiser- Wilhelmsland befindet sich in Friedrich-Wilhelmshafen, woselbst die Gesellschaft auch ein größeres Warengeschäft unterhält. Die Unternehmungen auf den Französischen Inseln (s. d.) stehen unter der Administration von Peterhafen. Zur Aufrechterhaltung des Verkehrs und zur Anwerbung der Arbeiter betreibt die N.-K. eigene Schiffahrt. Sie unterhält zwei Dampfer, "Siar" und "Madang", sowie 2 Motor- und 1 Dampfpinasse. Daneben sind den einzelnen Stationen für den Handelsverkehr Kutter, Ruder- und Segelboote, Leichterfahrzeuge u. dgl. in größerer Anzahl beigegeben. - Der gegenwärtige Stand des gesamten Unternehmens (nach der Aufstellung vom 31. März 1913) ist folgender: Das Gesamtareal der Pflanzungen beträgt 8288 ha. Von diesen sind 6922 ha mit Kokospalmen, 1020 ha mit Kautschuk, 285 ha mit Kakao und 61 ha mit Sisalagaven bestanden. Die Zahl der Kokospalmen beläuft sich auf 727777, von diesen waren 331824 noch nicht tragend, 215376 schwach tragend und 218387 mittel- bis voll tragend. Der Gesamtexport an Kopra betrug 1912/13 3486 t, von denen 2278 auf Pflanzungs- und 1190 t auf Handelskopra entfallen. Die Ausbeute an Kautschuk betrug 1912/13 19675 kg. Hiervon entfallen 1878 kg auf Hevea, 13 800 kg auf Ficus und 3997 kg auf Kastiloa. Die Ernte aus Kakao belief sich 1912/13 auf 83500 kg. Die Aufbereitung von Sisalhanf belief sich auf 27992 kg. Von sonstigen Erzeugnissen des Landes brachte die N.-K. 543 l Ätherische Öle, 24204 kg Steinnüsse, 980 kg Guttapercha, 1730 kg Massoirinde, 5087 kg Kawawurzel, 8006 kg Muscheln und 2419 kg Trepang zur Ausfuhr. Der Bestand an Pferden und Vieh belief sich am 31. März 1913 auf 79 Pferde, 4 Maultiere, 1140 Rinder, 88 Schafe, 362 Schweine. Das weiße Personal der Gesellschaft beläuft sich auf 83 Angestellte. Daneben sind 19 Amboinesen als Schreiber, Lagergehilfen u. dgl. verwendet. Die Zahl der farbigen Arbeiter der Gesellschaft betrug im Durchschnitt 4176, darunter 62 Chinesen und 40 Javanen. Die Gesellschaft hat für das abgelaufene Geschäftsjahr 1912/13 erstmals eine Dividende von 5 % verteilt. In der letzten Generalversammlung wurde beschlossen, das Aktienkapital um 3 1/2 Millionen auf 11 Millionen M zu erhöhen.

Krauß.