Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 631 f.

Neukamerun nennt man das durch den deutsch-französischen Vertrag vom 4. Nov. 1911 (s. Erwerbung der deutschen Kolonien 3) an Altkamerun angegliederte Gebiet. In diesem Vertrag wurde ein Streifen im Süden und Osten (s. Kamerun, 1. Lage n. Grenzen) erworben und dafür der sog. Entenschnabel, d.h. das Gebiet, das östlich des unteren Logone lag, abgetreten. Auf Grund einer Juni/Juli 1912 in Bern erfolgten Vorbesprechung der französischen und deutschen Regierungsvertreter wurde in den Jahren 1912/13 eine in vier Unterabteilungen gegliederte Grenzexpedition (je 2 für die Ost- und für die Südfront des Gebiets) beider Regierungen entsandt, um die im Novemberabkommen festgesetzten Grenzen an Ort und Stelle aufzunehmen und, soweit möglich, die dort angegebenen geraden Linien durch natürliche Grenzen zu ersetzen. Diese Grenzarbeiten landen ihren Abschluß mit der Brüsseler Konferenz März/April 1914, in der mit wenigen Ausnahmen eine Einigung über den Gesamtverlauf der Grenze zwischen dem heutigen Kamerun und Französisch- Äquatorial-Afrika erzielt wurde. Das neugewonnene Gebiet umfaßt einen Flächenraum von 280000 qkm. - Wenn man von natürlichen Gesichtspunkten ausgeht, kann man Neukamerun einteilen in das Logonegebiet, das Hochland von Jadé, das mittlere Ssangagebiet, den Ubangizipfel, den Ssangazipfel, das Gebiet der Ogowezuflüsse und der Küstenzuflüsse. Das Logonegebiet umfaßt den östlichen Teil des Kebbigneislandes sowie die östlichen Abhänge des Ngaundereplateaus, ferner die ganzen linksseitigen Teile des Logone- Penndé-Tieflandes. Den nördlichsten Teil dieses Gebietes hat man der Verwaltung der Reisidentur Adamaua unterstellt. Das übrige bildet einen neuen Bezirk Ober-Logone. Das Hochland von Jadé (s.d.) ist der Quellknoten der größten Flüsse Kameruns, des Logone (Penndé), Baria, Uam, Lobai, Ssanga und Sanaga. Es ist nur der westlichste Teil des Hochlandes von Adamaua, das nach Osten allmählich zu den Inselberglandschaften von Französisch-Kongo abfällt. Das Jadeplateau mit seinen Hängen ist zu einem neuen Bezirk, dem Ober-Ssanga-Uam-Bezirk, geschaffen, der allerdings auch noch einen kleinen Teil der nördlichen Mittel-Ssanga-Landschaft umfaßt. Das Mittel- Ssanga-Gebiet umfaßt das Becken des mittleren Ssanga und bildet mit dem Ubangizipfel zusammen den Bezirk Mittel-Ssanga-Lobai. Der Ubangizipfel stößt, wie der Name sagt, als Streifen zum Ubangi vor und umfaßt den größten Teil des Stromgebietes des Lobai, gehört also landschaftlich bereits zum Kongobecken. Der Streifen südlich der alten Grenze läßt sich teilen in die Landschaft der Ogowezuflüsse, die geographisch zum Hochland von Südkamerun gehört und sich langsam zum Kongobecken hin abdacht, und in die Landschaft der Küstenflüsse, die nur einen schmalen Streifen südlich des spanischen Besitzes umfaßt. In ihr kann man wohl das Randgebirge und das Küstenvorland unterscheiden, wie in Altkamerun und Spanisch-Guinea auch. Der südliche Streifen wurde teils der Verwaltung alter Bezirke angegliedert, im Osten den Bezirken Jukaduma und Lomie, teils wurden neue Bezirke gebildet, wie der Bezirk Iwindo, das Einzugsgebiet des Iwindo umfassend, der Bezirk Wolö-Ntem bis westlich zur spanischen Grenze, und schließlich der Bezirk Muni, den schmalen Streifen südlich von Spanisch-Guinea umfassend. (S.a. Kamerun.)

Literatur: Carl Ritter, Neu-Kamerun. Veröffentl. d. RKA. Jena 1912. - F. Hutter, Neu-Kamerun. Geogr. Zeitschrift XVIII. 1912. S. 545 ff., 625 ff. - Emil Zimmermann, Neu-Kamerun. Berl. 1913. Die Grenzgebiete Kameruns im Süden und Osten. Auf Grund der Ergebn. der Grenzexpeditionen. Mitt. a. d. d. Schutzgeb. Erg. -Heft Nr. 9 a, 1914.

Passarge-Rathjens.