Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 638 ff.

Neupommern, Katholische Mission (apostolisches Vikariat). Der Bismarckarchipel war als Teil des Südseegebietes schon 1844 den Maristen für das Missionswerk anvertraut, konnte aber erst seit 1881 von den speziell damit betrauten Missionaren vom hl. Herzen Jesu (s.d.) in Angriff genommen werden. 1890 wurde das Vikariat Neupommern errichtet. Bischof Couppé hatte mit seinen Missionaren bis 1894 fast keine Erfolge; der niedrige Kulturstand, die Vielweiberei und Menschenfresserei waren zu große Hindernisse. Von 1894 an nahm die Mission einen ganz ungeahnten Aufschwung, und auch jetzt macht das Missionswerk ständig gute Fortschritte. Bekannt ist das Komplott von 1904, dem 2 Priester, darunter der bedeutende P. Rascher, 3 Brüder und 5 Schwestern zum Opfer fielen. Im Jahre 1912 betrug die Zahl der Christen 20417, die der Katechumenen 1934. Die Mission ist somit der evangelischen (aus Australien) weit überlegen. In die Arbeit teilen sich 37 Priester, 43 Brüder und 34 Schwestern. Für die 131 Schulen mit 2442 Schülern und 2256 Schülerinnen sind 132 Katechisten vorhanden; der Nachwuchs für letztere wird in 3 blühenden Seminarien herangezogen. Die Arbeit wird auf 32 Hauptstationen (Vuna- Pope Sitz des Vikars, Malagunan, Vlavolo, Takabur, Tavui-Ost, Gunanba, Rakunai, Vuna- Kamkabi, Matupit, Korere, St. Paul, Vuna-Vutug, Vuna-Marita, Ratogor, Paparatava, Tavui-Liu, Vuna-Vavar, Toriu, Reber, Livuan, Birara, Marianum, Namatanai, die beiden letzten auf Neumecklenburg; dazu neuestens Ramalmal, Tapapal, Vunadidir, Mope, Kuratagete auf Neupommern und Lamakot, Bitanga, Kamalu, Käwieng auf Neumecklenburg) und 130 Nebenstationen geleistet. Das Geheimnis des Erfolgs liegt vor allem darin, daß der apostolische Vikar die einheimischen Gehilfen der zu evangelisierenden Orte schon vorher als Schüler oder Arbeiter heranbilden läßt. Sehr verdient machen sich die Missionsschulen um die deutsche Sprache. Die Verdienste der Patres um die sprachwissenschaftliche und ethnographische Forschung und um die Hebung der Landeskultur sind anerkannt; bedeutende Farmen (s. Tafel 139) bestehen in Vuna-Pope, Polovir und Vuna-Kamkabi. In Toriu befindet sich ein Sägewerk, in Vuna- Pope auch eine große Handwerkerschule. Letztere Station besitzt ferner ein Pensionat für Weiße und Halbweiße. Für die Pensionate, Erziehung der Waisenmädchen und Krankenpflege sind die Missionsschwestern vom hl. Herzen Jesu (s.d. u. Tafel 137) tätig. Man zählt 18 Waisenhäuser mit 632 Kindern und 2 Arbeitshäuser mit 110 Mädchen.

Literatur: Monatshefte. Hiltrup, fortlaufend. - Linckens, Missionspflicht u. Missionsdienst 42 f. Hiltrup 1910. - Ders., Weltmission und Missionspflicht. Hiltrup 1913. - Schmidlin, Die Kath. Missionen in den deutschen Schutzgebieten. Münster 1913, 168 ff. - Mirbt, Mission u. Kolonialpolitik 61 f. Tübingen 1910. - Huch, Bis an die Enden der Erde II, 140 ff. Frankenstein 1903.

Schmidlin.