Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 648

Ngaundere (Ngaumdere), eine der wichtigsten Städte im mittleren Kamerun. Sie liegt an einem kleinen Quellflüßchen des Wina, auf dem nach ihm benannten Ngaunderehochland (s.d.), dem nordöstlichsten Teil des Hochlandes von Südadamaua. N. ist von dem Lamido Jobdi bi Omaru Borongo von Bundang unter Adamas Regierung gegründet, der bald seinen Sitz ganz nach N. verlegte (s. Adamaua). Zeitweilig dehnte sich die Herrschaft von N. bis ins Kakagebiet und Baia- und Lakagebiet aus. 1901 wird N. dann von Hauptmann Kramer v. Clausbruch erstürmt. Früher war N. eine starke Festung, die aber heute mehr und mehr zerfällt. Eine 6 bis 8 m hohe, von Zinnen gekrönte Mauer mit einer ganzen Reihe von Toren umgab die Stadt. Davor lag dann noch ein tiefer Graben. Die Straßen sind mit hohen Mauern gegen die Gehöfte abgesperrt, doch unterbrechen Plätze von Zeit zu Zeit die Eintönigkeit dieser Hohlwege. Der Königspalast ist groß und schön und mißt 200 m im Quadrat. Das Straßenleben ist lebhaft, auf den Märkten herrscht ein betäubender Lärm. - N. liegt auf dem Grasland und ist von mehreren Bergketten mit bizarren Formen umgeben. Eine ganze Reihe von wichtigen Straßen, die sich in N. treffen, machen es zu dem Handelszentrum des östlichen Adamaua. Man kann von Westen, Osten und Süden mit einem leichten Aufstieg hier die Höhe des Plateaus erreichen und ebenso mit einem einzigen, nicht schwierigen Abstieg zum Benuetal gelangen. Die Straßen, die in N. zusammenlaufen, sind folgende: von Kunde und weiterher von Molundu, von Kribi und Jaunde über Tibati, von Duala über Banjo, von Jola und Garua über Tschamba und von Rei Buba. - N. gehörte früher zur Residentur Adamaua, wurde 1912 aber als eigene Residentur abgetrennt, ist der Sitz einer Kompagnie der Schutztruppe, wegen der Neigung zu Aufständen, und der Sitz einer ganzen Reihe von Faktoreien.

Passarge- Rathjens.