Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 650

Ngumba, Volkstamm im Vorland von Kamerun, am Abfall des Hochlandes, im Gebiete des oberen Lokundje. Die N. sind Bantuneger, die vor nicht langer Zeit von Südosten eingewandert sein sollen. Nördlich und südlich von ihnen sitzen bereits Fangstämme, die zur Küste drängen. Sie zerfallen in mehrere Unterabteilungen. Jedes Dorf hat seinen Häuptling, die früher unter einem Oberhaupt, dem Kwuma, standen. Die Hütten sind rechteckig und zwar haben die verheirateten und die unverheirateten Männer ihre eigenen Hütten. Die Sklaverei herrscht bei ihnen in der Form der Haussklaverei, die Sklaven werden gut behandelt. Wer verschuldet ist, muß sich bei seinem Schuldner als Sklave die Summe erdienen. Die Rechtsprechung ist einfach und logisch, Zauberei sehr verbreitet, ebenso wie die Giftprobe, um die Unschuld zu beweisen. Die N. haben oft mehrere Frauen, was sich indes nur reiche Leute leisten können, da der Preis einer Frau etwa 200 M beträgt. Bei Trennung wird das Kaufgeld zurückgegeben. - Das Land der N. ist mit dichtem Wald bedeckt. Sie treiben nur wenig Ackerbau, sondern sind zur Hauptsache Händler und Sammler. Besonders Ölfrüchte werden von ihnen gesammelt. Die Bestellung des Hauses und Feldes ist meist Sache der Frau. Ortschaften der N. sind Paschi, Bipindi, Lolodorf u. a. In der Religion der N. mischen sich neue Züge mit alten. Die früheren Vertreter der Kultur waren Waganga, Fetischpriester, wie sie bei den Bantu ganz allgemein üblich sind. Neuerdings haben die N. jedoch nach Conradt von den benachbarten Pangwe einen Fetisch übernommen, der Malande heißt. Der Priester heißt Ngan malande, die Fetischfigur Ngwun malande. Diese Figuren werden von einzelnen Eingeborenen aus Holz geschnitzt und nach Bedarf an die Priester verkauft, wenn diese in einem Dorf den neuen Kult einführen wollen. Ist diese Einführung tatsächlich erfolgt, so stehen die Fetischfiguren häufig im Männerhause, und zwar auf einem Rindenzylinder, in dem sich Menschenschädel und -knochen (nach Zenker meist von den direkten Vorfahren der Dörfler) befinden, die sich die Priester häufig nachts aus den Gräbern geholt haben (s. Tafel 86 Abb. 19). Sterben viele Menschen im Dorf oder erkrankt jemand, so gehen die Verwandten zum Fetischpriester und bitten um Hilfe. Darauf begeben sich alle in das Haus, in dem die Fetischfiguren stehen; dort wird ein Huhn geschlachtet, mit dessen Blut die Fetische bestrichen werden; von dem Huhn dagegen kocht man Essen, das mit der Bitte um Erhörung vor die Figuren hingestellt wird. Häufig veranstalten die Fetischpriester Tänze, um irgendein Unglück vom Dorf abzuhalten, wobei auch die Schüler der Fetischpriester tanzen.

Literatur: Conrad, Die Ngumbe, in Südkamerun. Globus Bd. 81 (1902).

Passarge-Rathjens.