Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 651 f.

Niederschläge. Als N. kommen in unseren Kolonien fast ausschließlich Regen in Betracht. Jedes Jahr tritt Schneefall nur im Kiautschougebiet wie auf den Erhebungen über 3000 m in Deutsch-Ostafrika, Kamerun und Kaiser-Wilhelmsland auf. In Deutsch- Südwestafrika ist leichter Schneefall in den Gebieten des Innern, die über 1500 m hoch liegen, zwar nicht jedes Jahr zu erwarten, er kommt aber doch alle 4-5 Jahre vor. Hagel und Graupeln - meist in Verbindung mit Gewittern - kommen in den höheren Lagen unserer sämtlichen Kolonien mit Ausnahme von Samoa vor, sie fehlen dagegen in den Küstengegenden wie auch auf den kleinen meist nur niedrigen Inseln des Stillen Ozeans entweder völlig oder dürften doch äußerst selten sein. Eine wichtige Rolle für die Tier- und Pflanzenwelt können Nebel und Tau (s.d.) namentlich in regenarmen Gebieten wie während der Trockenzeit spielen. Im allgemeinen Fallen in unseren Kolonien die N. als Platzregen in kurzen kräftigen Schauern, lang anhaltende Landregen sind äußerst selten. Meist ist eine ausgesprochene jährliche Periode der N. vorhanden (s. Regenzeiten). Sehr verschieden ist die Höhe der N. Während die Namib fast regenlos ist, haben Debundscha und Bibundi etwa 10000 mm durchschnittliche jährliche Niederschlagshöhe , Werte, die nur von Cherrapungi, in Ostindien am Südabhang des Khazigebirges in 1250 m Seehöhe liegend, mit gut 11500 mm jährlichem Niederschlag übertroffen werden. Im allgemeinen nehmen die N. von der Küste nach dem Innern des Landes zu ab, vorausgesetzt, daß Seewinde genügend häufig sind und von einem wärmeren oder doch nicht wesentlich kühleren Meere kommen, Beispiel Kamerun; kommen sie dagegen von einem verhältnismäßig kühlen Meer, so kann die Küste fast regenlos sein (Namib [s. d.]); niederschlagserhöhend wirken Erhebungen, wie das Usambarahochland, der Kilimandscharo, Uluguruberge, das Kondehochland, Ruanda in Deutsch-Ostafrika, die Insel Kusaie (besonders die Missionsstation) in den östlichen Karolinen, die Gebirge von Kaiser-Wilhelmsland usw. In Gegenden, die ausgesprochene Regenwinde besitzen, wirken Gebirge verschieden, je nachdem sie sich in deren Richtung oder quer dazu erstrecken. Im ersteren Fall sind beide Seiten gleich stark von N. benetzt, im letzteren Fall ist die dem Winde zugekehrte (die Regenseite) die niederschlagsreichere, die abgekehrte die niederschlagsärmere (die Regenschattenseite). Die größere Ergiebigkeit der N. bei Gebirgen entsteht dadurch, daß auf sie stoßende Luft in die Höhe steigt, sich hierbei ausdehnt und abkühlt, und daher ihre Fähigkeit, Wasserdampf bei sich zu behalten, abnimmt; schließlich erreicht die Luft ihren Sättigungspunkt und muß Wasser als N. ausscheiden. Die Temperatur der Luft nimmt beim Aufsteigen stets um annähernd denselben Betrag ab, auf 10 m um etwa 1,0° C. wenn kein Wasserdampf ausgeschieden wird; um 0,5° beim Ausscheiden von Wasserdampf; hingegen ist die Fähigkeit der Luft, Wasserdampf bei der gleichen Temperaturerniedrigung auszuscheiden, um so größer, je höher die Temperatur ist. Daher treten die stärksten N. in der Höhe ein, in welcher die aufsteigende Luft zuerst ihren Sättigungspunkt zu erreichen pflegt. Von allen meteorologischen Elementen sind in unseren Kolonien - auch in bezug auf die zeitliche Verteilung - die N. den größten Schwankungen unterworfen. Um brauchbare Karten der N. zu entwerfen, sind daher erheblich längere Reihen erforderlich als für die übrigen Elemente. Karten der N. für unsere sämtlichen Kolonien nach möglichst einheitlichen Gesichtspunkten sind zuerst von H. Maurer (s.d.) entworfen und in H. Meyer (s.d.), Das deutsche Kolonialreich, veröffentlicht.

Heidke.