Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 652

Niger. Der N., der drittgrößte Strom Afrikas, fließt zwar nicht auf deutschem Kolonialgebiet, ist aber mit dem Benue (s.d.), seinem linken Nebenfluß, die wichtigste Zufahrtsstraße ins Hinterland von Kamerun. Er entspringt unweit der Westküste von Guinea, in den Gebirgen von Sierra Leone und durchfließt in großem nach Süden offenen Bogen den westlichen Sudan, um mit einem vorgeschobenen Delta in den Golf von Guinea zu münden. In seinem Unterlauf gräbt sich der N. ein tiefes cañonartiges Bett in das Sandsteinplateau, ganz im Gegensatz zum flachen Muldental des Benue. Dieser mündet bei Lokoja, einer der ältesten und bedeutendsten Niederlassungen der britischen N.-Kompagnie. In engem, tiefem Bett, mit starkem Gefälle fließt der N. südwärts, öfters durch Gneisklippen die Schiffahrt gefährdend. Unterhalb Onitscha verläßt der N. das Bergland und tritt in das urwaldbestandene, sumpfige Delta. Ein 2 Stunden breiter Kranz von Mangrovedickicht schließt ihn vom Meere ab. Akassa am Hauptmündungsarm des N. ist der größte Seehafen und Hauptdepot für die gesamten N.territorien. Forkados, an einem westlich abzweigenden breiten Creek, ist wichtig als Umladeplatz für die stürmische Reede von Lagos. Bonny an der Mündung des "New Calabar River" hat seine frühere Bedeutung etwas verloren, ist aber als Handelsplatz und Kabelstation immer noch von großer Wichtigkeit.

Passarge-Rathjens.