Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 654

Njarasa, früher auch Ejassi genannt, ist ein See des Hochlands von Deutsch-Ostafrika (s.d. 5). Mit seinem Einzugsgebiet bildet er das größte der abflußlosen Gebiete des Nordens; es ist 62800 qkm groß und umgibt rings die Wembäre (s.d.) -Njarasa-Senke, deren tiefste Stelle der N. 1030 m ü. d. M. einnimmt. Die Hauptrichtung des 77 km langen, 1070 qkm großen Sees ist wie die der begleitenden Bruchstufen SW-NO; der letzteren Höhe beträgt 3-900 m. Der Njarasa-Graben zwischen diesen beiden parallelen Brüchen ist gut 25 km breit und erstreckt sich noch 20 km weiter nach SW als der heutige Seespiegel. Weiterhin hört nordwärts der Steilanstieg auf und mit ihm die Grabenform. Eine Fortsetzung der südlichen Bruchstufe bilden die Brüche, die Iramba (s.d.) und Issansu (s.d.) nordwärts begrenzen. Nach NO wird der Graben durch die gewaltigen jungvulkanischen Ergüsse des Hochlands der Riesenkrater (s.d.) abgesperrt. Abgesehen von dieser Gegend ist der Graben fast ganz in Urgesteinsland, hauptsächlich in Granit eingesenkt, der auch auf der Sohle aus den Alluvien da und dort hervorsieht. Das Wasser des Sees wird mindestens im Verlauf jeder Trockenzeit ungenießbar salzig, während seine Fläche mehr und mehr zusammenschrumpft. Nur im SO-Ufer bleibt schließlich ein 60 qkm großer Rest, der Mangora, übrig, der sogar trinkbares Wasser enthält. Hier mündet nämlich der Matete ein, wohl der einzige stets fließende Lauf des ganzen großen abflußlosen Gebiets. Die Regenmenge der Grabensohle wird auf 1300 mm geschätzt. Selbst der nördliche, günstig exponierte Grabenrand hat äußerst xerophile oder gar keine Vegetation. Vereinzelte Dornbüsche und baumförmige Euphorbien, dürftige Grasstreifen bedecken die Niederung sehr unvollkommen. Es ist eine großartige, menschenleere Wüstenei. Nur die Vögel, besonders Flamingos, sind recht zahlreich vertreten. Rings um den See kommt Steppenwild vor, aber nicht besonders reichlich.

Literatur: F. Jaeger, Das Hochland der Riesenkrater usw. I und II, Erg.-H. 4 u. 8 der M. a. d. Sch. 1911/13. - E. Obst, Von Mkalama ins Land der Wakindiga, Mitt. Geogr. Ges. Hamb. XXVI, 1912.

Uhlig.