Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 656

Njem, Volkstamm von Bantunegern in Kamerun, am oberen Dscha, zwischen diesem und dem Njong. Sie stehen wahrscheinlich den Ndsimu (s.d.), ihren Nachbarn, nahe und sind mit ihnen zugleich gewandert. Nach Scheunemann sollen sie durch die Vermischung mit den nördlich wohnenden Maka (s.d.) sich von den Ndsimu abgetrennt haben. Daß die Ndsem oder Ndsimu, wie angenommen wird, und damit auch die N. Fangstämme seien (s. Fang), ist unwahrscheinlich. Sie haben nur sehr vieles von den Sitten und Gebräuchen der Fang angenommen. Sie sind untereinander in viele kleine Stämme geteilt, die teilweise untereinander in Fehde liegen. Sie sind gute Jäger und Fischer und sind wegen ihrer Kraft und Raubgier bei den umwohnenden Völkern gefürchtet. Sie sind geschickte Schmiede, Holzarbeiter und Bootbauer. Sie treiben nur in kleinem Maße Ackerbau, bauen Mais, Maniok, Bananen sowie Tabak. Gummi und Ölpalmen sind in ihrem Gebiet reichlich vorhanden. Die N. sind kleine, aber kräftige Leute mit sehr häßlichen Gesichtern. Sie feilen sich die Zähne spitz und durchbohren die Nasenscheidenwand, in der sie einen Kassadastengel tragen. Die Häuptlinge tragen einen Knebelbart. - Die N. sind Kannibalen und stehen auf einer sehr niederen Kulturstufe. Ihre Dörfer sind mit Pallisaden umgeben und haben mehrere starke Häuser, die zur Verteidigung dienen. - Das Gebiet der N. liegt im Urwaldgebiet. Nach ihnen ist die Njemplatte (s. Kamerun 2b) benannt, jene ebene Fläche auf der Hochfläche von Kamerun, wo alles Sumpf ist, wo man auf weite Strecken keine Wasserscheide erkennen kann, wo man demnach nicht sagen kann, zu welchem Flußsystem hier die träge dahin fließenden Wasserläufe gehören. In den letzten Jahren fand eine Auswanderung eines Teiles der N. auf französisches Gebiet statt.

Literatur: Scheunemann, KolBl. 1904, 765 ff.

Passarge-Rathjens.