Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 662

Nuatjä, Landschaft mit gleichnamiger Hauptstadt im Verwaltungsbezirk Atakpame in Südtogo.

1. Die Landschaft N. nimmt ein Gebiet ein, welches im Westen und Süden vom Baloë- bzw. Hahofluß, im Norden vom Chrafluß und im Osten von der Landschaft Sagada begrenzt wird. N. ist der Stammsitz zahlreicher im Westen ansässiger Ewestämme. Wahrscheinlich war Übervölkerung die Ursache ihrer Abwanderung. Bei den Überlieferungen über die Abwanderung wird vielfach eine Mauer erwähnt, hinter der die Stämme früher gewohnt haben sollen. Tatsächlich waren in N. bis in die jüngste Zeit die wallartigen Reste einer im weiten Umkreis um die Hauptstadt N. gezogenen Umfassung (Lehmmauer) zu sehen, welche aber jetzt infolge der Bearbeitung des Bodens immer mehr verschwindet. Die Bewohner von N. sind Heiden und gehören dem Ewestamm an. Sie sind Ackerbauer; Großviehzucht wird nur in sehr beschränktem Maße betrieben.

2. Die Hauptstadt N. ist der Sitz einer von der Regierung unterhaltenen größeren Landesku1turansta1t. Diese wurde 1902 begründet und im Jahre 1903 dem Kolonialwirtschaftlichen Komitee als "Baumwollschule für Eingeborene" überlassen, 1907 von der Regierung wieder übernommen und zur allgemeinen Ackerbauschule erweitert. Unterrichtung junger Eingeborener im Ackerbau. Große Versuchsfelder. Anbauversuche mit Getreidearten, Hülsenfrüchten, Futterpflanzen usw. Rindvieh-, Schweine- und Ziegenzucht. 1911 wurde der Anstalt eine Baumwollstation angegliedert (Arbeitsprogramm s. Baumwollstationen). Weißes Personal: 1 Leiter (zugleich für die Baumwollstation), 1 Assistent, mehrere Gehilfen. N. ist eine bei km 97 gelegene Haltestelle der Hinterlandbahn Lome- Atakpame. In N. befindet sich Post- und Telegraphenstation. Seehöhe 150 m. Mittlere jährliche Regenmenge 1012 mm (Mittel aus 7-8 Beobachtungsjahren). - Näheres (mit Abb.) Veröff. des RKA. No. 6 (Jena 1914).

v. Zech, Busse.