Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 672

Okahandja (s. Tafel 64, 93, 94), Hauptort des ehemals selbständigen Hererogebiets in Deutsch- Südwestafrika. O. liegt in 1340 m Meereshöhe im Tale des oberen Swakop, also innerhalb der das zentrale Hochland von Deutsch-Südwestafrika von den Plateaus des mittleren Hererolandes trennenden Zone. Während die alte von Ochsenwagen benutzte Verkehrsstraße bereits bei Groß-Barmen die Südrichtung einschlug, ist O. Station der nach Windhuk führenden Bahnlinie, und darin sowie in seiner früheren Stellung als Hauptort der Herero (s.d.) beruht seine wirtschaftliche Bedeutung während des Jahrzehnts bis zum großen Eingeborenenaufstande (s. Hereroaufstand). O. nimmt den Rang eines der wichtigeren Orte im Schutzgebiet ein. Es ist Mittelpunkt des gleichnamigen Verwaltungsbezirks, Sitz eines Zollamts, einer Post- und Telegraphenstation, einer Schule für weiße Kinder und einer Station der Rheinischen Mission. 1912 wurde ferner in O. eine Versuchsstation für Tabakbau begründet. Sie nimmt vergleichende Anbauversuche mit Tabaksorten verschiedener Herkunft zur Gewinnung von Schnittgut und Zigarettentabak und Fermentationsversuche vor und verfügt über Trockenanlagen. Weißes Personal: 1 Leiter, 1 Assistent. O. wurde bereits 1844 von einigen Missionaren besucht. Doch erst im Jahre 1870 konnte die seitdem ununterbrochen tätige Missionsanstalt daselbst ihre Arbeit wiederbeginnen. Aber auch in der äußeren Geschichte des Landes war O. der bekannteste Platz. Hier begann der Unabhängigkeitskampf gegen die Hottentotten, der Ort war aber auch später der Schauplatz mannigfacher Kämpfe und Bluttaten, zumal jener verräterischen Ermordung einer Anzahl von Namaleuten, mit denen die letzten Kämpfe mit den Hottentotten im Jahre 1880 ihren Anfang nahmen. Auch das Jahr 1904 sah den Ort in Waffen, doch waren es diesmal die Deutschen, die in den schweren Tagen des Januar die Feste gegen die aufständischen Herero hielten.

Literatur: J. Irle, Die Herero. Gütersloh 1906. - Jahresberichte von O. in der Landw. Beilage zum Amtsbl. f. Deutsch-Südwestafrika.

Dove.