Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 682

Orange. Die O. hat ihre Heimat wahrscheinlich in Nordindien und wird heute in fast allen tropischen und subtropischen Gebieten für den lokalen Bedarf kultiviert. Die Handelsware liefert allein Italien, Sizilien, Spanien und Kalifornien. Die süße O., bei uns meist Apfelsine genannt, ist ein kleiner Baum oder Strauch, etwa bis zu 4 m hoch, mit immergrünen, etwas lederigen Blättern, geflügeltem Blattstiel und weißen Blüten. Die O. gedeiht überall, wo ihr die nötige Winterruhe oder wenigstens eine gewisse Trockenperiode geboten werden kann. Sie verträgt schwache Fröste und ebenso feuchte Niederungen, wenn auch hier die Früchte an Qualität verlieren. Für reichliche Besonnung ist sie sehr dankbar. Ein leichter, nährstoffreicher Boden mit natürlicher Entwässerung, ein verhältnismäßig trocknes Klima und Schutz gegen die vorherrschenden Winde sagen ihr besonders zu. In ganz trocknen Gegenden kann durch Künstliche Bewässerung die Kultur noch mit Erfolg betrieben werden. Die Vermehrung der 0O erfolgt in der Regel durch Okulieren, seltener durch Pfropfen. Als Unterlage dienen meist besonders widerstandsfähige und kräftig wachsende Sorten, wie die Saure Orange und die Pompelmuse. Die Pflanzweite beträgt etwa 4 zu 4 m. Die Bäume fangen im 4. bis 5. Jahre an zu tragen und sind etwa im 15. in voller Entwicklung, dann rechnet man auf 300-700 Früchte für Baum und Jahr. Regelmäßige Düngung mit gut bereitetem Stallmist, sowie Kalk und Kali sind für die Erzielung gleichmäßiger Erträge erforderlich. Der Schnitt beschränkt sich bei den O. auf die Entfernung von überflüssigen oder toten Zweigen. Vielfach werden die jungen Pflanzen, wenn sie etwa 3/4 m hoch sind, gespitzt, um eine gleichmäßige Verzweigung zu erzielen. In den Tropen bleiben die Früchte in der Regel grün und dickschalig und sind ärmer an Aroma und saurer. Wenn auch diese Erscheinung den weniger günstigen Kulturbedingungen zugeschrieben werden muß, so nimmt man doch an, daß durch bessere Auswahl des Pflanzenmaterials und durch sorgfältigere Kultur wertvollere Früchte erlangt werden können. Neben der süßen O. oder Apfelsine gibt es noch eine Reihe von Abarten, die bittere O., zu der die Sevilla-O. gerechnet wird, die zur Herstellung der echten O.marmelade Verwendung findet, manche Autoren stellen auch die Mandarine (s.d.) und die Pompelmuse (s. d.) zu dieser Gruppe. - Nach Hamburg kamen 1912 1500000 dz Apfelsinen für 21,6 Mill. M und 350000 dz Zitronen für 6 Mill. M.

Literatur: H. F. Macmillan, A handbook of tropical gardening and planting. Colombo 1910 (Cave d.- Co.). 524 S. - Tamaro Domenico, Trattato di Frutticoltura. Mailand 1900. 2 Bde., 485 und 576 S. - A. H. Benson, Citrus culture, 3. AufI. Brisbane 1911 (Cumming).

Voigt.