Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 685

Ossidinge. 1. Verwaltungsbezirk an der Westgrenze der Kolonie Kamerun, der die O.senke zwischen dem Baliplateau und dem Obangbergland, d. h. das Flußgebiet des Kreuzflusses, umfaßt. Nach Norden grenzt er an den Steilhang des Baliplateaus, nach Osten an das Bamendagebirge, im Süden an die Rumpiberge; die Westgrenze bildet der Aua, ein südlicher Nebenfluß des Kreuzflusses, bis zu den Stromschnellen an seiner Mündung. Weiterhin verläuft die Grenze geradlinig nach Nordosten. Das ganze Gebiet gehört dem tropischen Urwald an, an den sich an den Abhängen des Baliplateaus Gras- und Buschland schließt. Gummi und Ölprodukte, sowie Salz, das aus zahlreichen Solquellen gewonnen wird, gehören zu den wichtigsten Handelsprodukten. Früher folgte der Handel meist der natürlichen Wasserstraße des Kreuzflusses und konzentrierte sich in Calabar auf englischem Boden, wohin auch noch vor 15 Jahren Sklaven verkauft wurden. Durch Anlage von Straßen, z. B. nach Johann- Albrechts-Höhe und Ausnützung der einheimischen Wasserstraßen versucht man den Binnenhandel zu heben und nach Duala zu ziehen. Leider ist der Kreuzfluß nur bis Mamfe (s.d.) schiffbar. - Die Einwohner gehören der Bautugruppe an. Es sind die Obang (s. d.) im Obangbergland, die Banjang (s.d.) und südlich davon die Bakogo am Oberlauf und an den Quellflüssen des Kreuzflusses; es folgen südlich dieses Stroms die ackerbauenden Keaka (s.d.) und die Handel treibenden Ekoi, nördlich bis zum Baliplateau die Anjang (s. d.). Die Boki, deren Sitze zum größten Teil auf englischem Boden sind, gehören zu den Sudannegern. Dicht besiedelt sind die Banjangbucht, der Kreuzfluß in seiner unteren Strecke und die Hauptverkehrsstraßen nach dem Süden. Die Zahl der Weißen im Bezirk betrug im Jahre 1910/11 17. - Bedeutende Orte neben O. (s. unter 2) und Mamfe (s. d.) sind Tinto (s. d.) in der Banjangbucht, zwischen den beiden südlichen Quellflüssen des Kreuzflusses Fi und Mbu, Nssanakang am unteren Kreuzfluß und die Zollstation Nssakpe an der Aua, beide mit Solquellen und Salzhandel, und der Regierungsposten Bascho ganz im Norden, an einem Quellarm des Mun-Aya.

2. Hauptort und Sitz des Bezirksamts O., am Kreuzfluß gelegen. Bewohner sind die Ackerbau treibenden Keaka (s. d.). Der Handel liegt in den Händen der westlich wohnenden Ekoi (s. d.) und erstreckt sich in der Hauptsache auf Gummi, Ölfrüchte und Salz. Handelswege führen nach Norden ins Baliplateau, folgen nach Westen und Osten dem Flusse, nach Süden geht eine Straße zwischen Obang- und Rumpimassiv zum Mungo und Kamerunästuar, von der eine weitere nach Südwesten zum Ndian und Rio-del-Rey- Tiefland abzweigt. Haussahändler haben seit kurzem eine Kolonie in O. gegründet. In O. befindet sich neben dem Bezirksamt eine Polizeistation, eine Postagentur und ein Lepraheim.

Passarge-Rathjens.