| Ostafrika ist einer der großen natürlichen Teile Afrikas.
Aus dessen im Umriß dreieckiger Südhälfte streckt sich Ostafrika im
Hochland
von Abessinien erheblich in das nördliche Viereck hinein und erreicht
etwa bei Massaua das Meer; dies bildet weiterhin, die Somalihalbinsel
umfassend, bis zum Sambesi (s.d.) die Grenze. Im NW muß man die Grenze
von O. zunächst mit der Abessiniens, etwa der Höhenlinie von 500 m,
zusammenfallen
lassen. Das Land am Weißen Nil und noch 300
km ostwärts, zwischen Khartum und Lado, ist zum Sudan zu rechnen. Weiterhin bildet der Westrand der
großen Senke des Zentralafrikanischen Grabens (s.d.) mit ihren vier
Seen,
dann der des Njassa- (s.d.) Grabens die Westgrenze gegen das
Kongobecken.
Manches spricht dafür, die Südgrenze von O. nördlich vom Sambesi zu
ziehen,
manches, das ganze Gebiet dieses Stromes zu O. zu rechnen. Dies Gebiet
hat aber so vieles gemeinsam mit den übrigen, südlich des Kongobeckens
gelegenen Landschaften, daß es sich von ihnen nicht gut trennen läßt.
So sei das Sambesigebiet, ausschließlich der Njassaländer, die zu O.
gehören,
als ein Teil des tropischen Südafrika bezeichnet, obwohl der schmale
Küstenstrich
südlich des Sambesi, ja bis über den Limpopo hinaus nach Durban,
vielfach
Verwandtschaft mit O. zeigt. - Innerhalb
dieser
Grenzen ist O. ein Gebiet von ungefähr 4,34 Mill. qkm. Seine wichtigsten
Merkmale (s. Deutsch-Ostafrika, Abschnitte 2-4, 6, 7) sind die
bedeutende
mittlere Höhe, das Vorherrschen von Bruchlinien im Aufbau, die
Bruchstufen
und Gräben im größten Ausmaß bedingen, hiermit verknüpft der bedeutende
Anteil jungvulkanischer Gesteine an der Erdkruste und das Vorkommen
vieler
kleiner, abflußloser Gebiete. Die zu annähernd 650 m berechnete
Mittelhöhe
ganz Afrikas wird von O. wohl um mehr als 400 m übertroffen; hier
befinden
sich zugleich die höchsten Berge des ganzen Kontinents. Ferner hat O.
in der Hauptsache westöstliche Entwässerung
durch viele kleinere, einander ungefähr gleichlaufende Gewässer, wenn
auch drei der großen Flußgebiete Afrikas, die des Nil, Kongo und Sambesi
(s. diese und Victoriasee, Tanganjika,
Njassa) zum Teil weit in O. von hinten eingreifen.
- Das Klima von O. ist das eines
Randgebietes.
Die antreibenden Kräfte aller Erscheinungen liegen im wesentlichen
außerhalb
seiner Grenzen. Die stärkste kontinentale Erhitzung, damit auch das
Minimum,
wandert westlich von O. von einem Wendekreis zum andern. So kommt die
innige Verknüpfung von O. mit Wind und Wetter des Indischen Ozeans zustande, die Regenzeiten und ihre Wanderung. Die
Temperaturen
von O. sind tropisch heiß, aber durchweg nicht übermäßig; nur im
äußersten
Norden am Roten Meer treten Monatsmittel von über 300 auf. Nur hier ist
die jährliche Schwankung größer als 5°. Am wichtigsten aber ist es, daß
O. im Durchschnitt weit weniger regenreich ist als das Kongobecken. Es
hat meist strenge Trockenzeiten;
es ist fast durchweg Tropensteppenland im Gegensatz zur afrikanischen
Hylaea, dem großen Waldgebiet des Kongo
und der Guinealänder. Diese letztere Eigenschaft aber hat O. gemein mit
zwei anderen großen Nachbargebieten, dem Sudan und dem tropischen
Südafrika.
Die drei zusammen liegen wie eine luftige Vorhalle um den massig dunkeln
Bau der Hylaea. Der Ausstattung mit Gewächsen folgt die Tierwelt, hier
tropische Steppen-, dort Waldfauna. Der Mensch freilich hat diese
Schranken
in mancher Hinsicht überwunden. Bewegen sich auch die Zwergvölker (s.
Pygmäen) im wesentlichen im Waldland,
ziehen die Hamiten (s.d.) meist in der
Steppe umher, so spielt doch bei der
Verteilung
der beiden großen Negergruppen, der Sudaner (s. Sudanneger) und der Bantuneger (s.d.), die
Waldgrenze,
sehr bezeichnend auch für ihre Verwandtschaft, nur hier und da eine
Rolle.
Ethnographische Momente lassen sich im Verein mit andern bei der
weiteren
Einteilung von O. verwenden. Seine beiden großen Gebiete sind das
nördliche,
das, abgesehen von Abessinien, das trockenere ist und in der Hauptsache
von Hamiten nebst Semiten bewohnt wird,
und das südliche, feuchtere, von Bantu
eingenommene.
In Deutsch-Ostafrika entsendet das
Nordgebiet
seine Ausläufer hinein durch die großen Tore des Zwischenseengebietes,
des Hochlandes zwischen Victoriasee und Kilimandscharo und den Steppen zwischen
diesem
Gebirge und der Küste. Die Bevölkerung des ganzen O. zählt etwa 25
Millionen,
so daß die durchschnittliche Volksdichte nahezu 6 ist.
Uhlig. |