Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 690 f.

Ostkarolinen, Amtsbezirk der Karolinen, zu dem die Inseln Ponape, Kusaie, Truk, Pingelap, Mokil,. Ngatik, Oroluk, die Nomoigruppe mit der Hauptinsel Lukunor, die Hallinseln, Ost-Fajo, Namonuito, Pulap und Poloot gehören. Sie sind verwaltungsseitig mit den Marshallinseln und Nauru zu einem Bezirk unter der Leitung eines Bezirksamtmanns vereinigt, der seinen Sitz am Santiagohafen (Langarhafen) auf Ponape hat. Dort befindet sich die europäische Niederlassung, die schlechthin die "Kolonie" genannt wird. Außer in Ponape besteht noch in der Trukgruppe eine Regierungsstation, die dem Bezirksamtmann in Ponape unterstellt ist. Die lokale Verwaltungstätigkeit für die Ostkarolinen übt der Bezirksamtmann bzw. auf der Trukgruppe der Stationsleiter aus. Beiden obliegt auch in den betreffenden Bezirken die Eingeborenengerichtsbarkeit. Im Nebenamt ist der Bezirksamtmann zugleich auch noch Bezirksrichter für den Amtsbezirk der O. Das Obergericht für die O. befindet sich in Rabaul. Regierungsärzte sind tätig in Ponape sowie auf Truk. Die seemannsamtlichen Geschäfte liegen gleichfalls in der Hand des Bezirksamtmannes. Eine Polizeitruppe, die aus Neuguinealeuten besteht, sorgt für Aufrechterhaltung der Ordnung auf Ponape. Die weiße Bevölkerung der O. beträgt einschließlich der Marshallinseln und Nauru 264, darunter 195 erwachsene männliche und 52 weibliche Personen. Die Eingeborene Farbige Bevölkerung wird auf Ponape auf 3500 Personen, auf Truk auf rund 15500, auf Kusaie auf 600 und auf den sonstigen zur Gruppe der O. gehörigen Inseln auf ca. 7000 geschätzt. Mischlinge wohnen im Bezirk der O. einschließlich der Marshallinseln und Nauru 152 an der Zahl. Regierungsschulen bestehen in der Gruppe der O. noch nicht. An Missionen sind tätig die katholische Kapuzinermission (s. d.), ferner die protestantische Liebenzeller Mission (s. d.), sowie auf Kusaie noch die amerikanische Bostonmission (s. d.); die Missionen unterhalten an den wichtigsten Plätzen Eingeborenenschulen. (Näheres s. Karolinen, Marianen und Palau- inseln, Apostolisches Vikariat.) Das Haupthandelserzeugnis in den O. ist die Kopra. Sie wird von den Händlern teils gegen Tauschwaren, teils gegen bar aufgekauft. Die gesamte Einfuhr betrug 1901 ca. 400000 M, die Ausfuhr 187000 M, wovon allein 176000 M auf die Kopra entfielen. Im Jahre 1912 betrug der Gesamthandel einschließlich der Marshallinseln und Nauru (eine getrennte Statistik hierüber liegt nicht vor) 2053528 M, davon Einfuhr 440839 M, Ausfuhr 1612689 M. Hiervon entfallen 1656389 M auf Kopra, von der 4824525 kg ausgeführt wurden. Steinnüsse wurden ausgeführt 14609 kg im Werte von 2419 M, Schildpatt 113 kg im Werte von 3454 M. Im übrigen entfällt der Hauptanteil der Ausfuhr auf Phosphat, das von der Insel Nauru im Werte von 3468125 M verschifft worden ist. Außer den erwähnten Handelsartikeln werden noch in geringem Umfange Trepang und Haifischflossen von den Eingeborenen angebracht. In der Hauptsache liegt der Handel in den Händen der Jaluit-Gesellschaft (s. 4.), deren Hauptniederlassung in Jaluit in den Marshallinseln sich befindet. Europäische Unternehmungen - abgesehen von den Handelsstationen - sind in nennenswertem Maße nicht vorhanden. Auch sind nur wenige Kokosnußplantagen auf den Inselgruppen angelegt worden. Die Eingeborenenproduktion beschränkt sich, wie bereits erwähnt, im wesentlichen auf Kopra. Zum eigenen Bedarf bauen die Eingeborenen noch Knollenfrüchte wie Taro und Yams, sowie Ananas, Bananen, Brotfrüchte u. dgl. Viehzucht wird in den O. namentlich auf Ponape und Kusaie getrieben, allerdings nur von wenigen Ansiedlern und im wesentlichen nur in geringem Umfange. Im übrigen halten die Eingeborenen, wie allerwärts in der Südsee, im allgemeinen nur Geflügel und Schweine. Auch Ziegen und Schafe sind eingeführt und haben sich im allgemeinen auf den Inseln gut gehalten. Den Verkehr mit der Gruppe der O. besorgt der Dampfer "Germania" der Jaluit- Gesellschaft, der die Hauptplätze wie Truk, Ponape und Kusaie auf den Fahrten zwischen Hongkong und Sydney jährlich sechsmal berührt. Für den Verkehr auf den Inseln selbst hat die Verwaltung, soweit erforderlich, durch Wegebauten gesorgt, insbesondere sind auf Truk und Ponape in den letzten Jahren größere Wegstrecken angelegt worden.

Krauß.