Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 691 f.

Otavi, ein durch seine Kupfererzlager berühmter Platz im äußersten Norden des Hererolandes (Deutsch- Südwestafrika). Er liegt an der nach ihm benannten Eisenbahn, die von Karibib (s. d.) aus die von der Küste landeinwärts führende Strecke verläßt, um in nordöstlicher Richtung das Minengebiet zu erreichen. In dem Ort befindet sich ein Zollamt, ferner eine Post- und Telegraphenstation. Der O.bezirk, zu dem auch die neueren Bergorte gehören, war schon lange als Kupfer lieferndes Gebiet bekannt. Die Ondonga (s. d.) ließen das Erz daselbst durch ihnen botmäßige Buschleute brechen, während der Häuptling und die Großen dieses Stammes sich mit der Gewinnung des Metalls und mit seiner Ausfuhr Abgaben. Die Bedeutung der Minen war schon damals so groß, daß sogar Kamaharero (s. d.) eine Zeitlang Anspruch auf den Bezirk erhob. Die Ausbeutung des Minengebiets durch Europäer begann bereits im Anfang des laufenden Jahrhunderts, beschränkte sich aber zunächst auf Schürfarbeiten und einen in kleinerem Umfange betriebenen Abbau der Kupfer- und Bleierze. Großen Umfang begann der bergmännische Betrieb indessen erst mit der 1906 erfolgten Fertigstellung der Bahn bis zum O.bezirk anzunehmen (s. Otavi-Minen- und Eisenbahngesellschaft). Erst im Folgejahre hob sich die Ausfuhr von Erzen zu bedeutender Höhe. Seitdem ist das O.gebiet eine der für die Entwicklung des Schutzgebiets wichtigsten Landschaften geworden.

Dove.