Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 696 f.

Ovambo (hierzu die Tafel 66: Kultur der Hottentotten, Herero, Ovambo und Bergdamara), Hereroname für die Bewohner des Ambolandes im Norden von Deutsch-Südwestafrika. Sie selbst nennen sich Aajamba = "die Reichen", im Gegensatz zu den armen Herero. Sie bewohnen indessen nicht nur das unter deutscher Oberhoheit stehende Gebiet zwischen dem 19° s. Br. und dem 14. und 18° ö. L., sondern ihr Gebiet reicht noch weit in die portugiesische Kolonie Angola hinein. Das Volk zerfällt in eine ganze Anzahl von Stämmen, deren für unsere Kolonie wichtigster, die Ondonga (s.d.) oder Aandonga, als Hauptvertreter desselben gelten kann. Auch ist dieser Stamm ethnologisch am besten bekannt. Die O. gehören, wie die Herero (s.d.), der Bantufamilie an, sind aber kleiner als jene. In Lebensweise und Charakter standen sie indessen von jeher in scharfem Gegensatz zu ihnen. Der Natur ihres Landes entsprechend widmen sie sich vorwiegend dem Ackerbau, so daß die Hacke ähnlich wie im tropischen Afrika als das Hauptwerkzeug dieses Volkes gelten kann. Auch die wichtigsten Ackergewächse, das Sorghum, ferner Hirse (Pennisetum) und die Bohnen erinnern an die in Zentralafrika verbreiteten Kulturen. Mais wird dagegen wenig gebaut. Gegen die Ackerkulturen tritt die Viehzucht stark zurück, auch ist die heimische Rinderrasse kleiner und bei weitem weniger ausdauernd als das Hererorind. Die an persönliche Zuneigung grenzende Wertschätzung des Hornviehs, die den Herero auszeichnete, kennt der Owambomann nicht. Dagegen zeichnen sie sich vor den übrigen Eingeborenen des Schutzgebiets durch den Betrieb von Gewerben aus, von denen namentlich das Schmiedehandwerk erwähnt werden muß. Der Stamm der Ovakuanjama widmet sich ganz besonders dieser Beschäftigung, während die Ondonga in der Kupferbearbeitung (s. Otavi) Hervorragendes leisten. Auch die Töpferei wird von einigen Stämmen betrieben. Die zierlichen Messer mit den seltsam geformten, breit geflügelten Scheiden (s. Tafel 66 Abb. 6) sind ein Erzeugnis dieser Industrie. Erzeugnisse des Handwerks, besonders eiserne Perlen, Messer usw. sind Gegenstände eines ehemals bis weit in das Hereroland betriebenen Handels. Ein Gemeingut sehr vieler Bantustämme ist die Klimper (s. Tafel 66 Abb. 16), die Sansa der Westafrikaner, die Ulimba mancher Ostafrikaner. Der bei den O. übliche Typ gleicht den übrigen Vorkommnissen vollkommen; nur insofern hat er etwas Besonderes, als unter jeder Metallzunge, dem freien Ende nah, je ein Harzklümpchen befestigt ist, das allem Anschein nach die Tonhöhe beeinflussen soll. - Die Werften, in denen bei den südlichen Stämmen die Hütten kreisförmig um den in der Mitte liegenden Kraal angeordnet sind, sind wie eine Festung von Palisadenzäunen umgeben und nur durch enge Gänge zugänglich. Sie werden alle paar Jahre verlegt, und damit wird eine zu starke Inanspruchnahme des Ackerbodens vermieden. - Der Charakter des Volkes ist in einer nicht unwichtigen Beziehung besser geartet als derjenige der Herero. In sittlicher Beziehung stehen sie nach Aussage ihres besten Kenners, des Missionars Rautanen, weit über jenen. Dagegen sind auch sie diebisch und unterscheiden sich von dem stolzen und selbstbewußten Herero früherer Zeiten wieder zu ihrem Nachteil durch eine ins Kriecherische ausartende Unterwürfigkeit gegenüber dem Mächtigen. Auch ihr Verhältnis zum Häuptling ist ein ganz anderes, denn die O. sind das einzige völlig despotisch regierte Volk innerhalb unseres Schutzgebietes. Aus der Klasse der vor der Masse bevorzugten Adligen gehen die Häuptlinge hervor, während neben dem Adel auch eine Art von Priesterkaste vorhanden ist. Der Häuptling ist Herr über Leben und Tod, er ist zugleich der alleinige Besitzer allen Gutes im Lande. Mit der Gewöhnung an einen alles beherrschenden Willen steht die Arbeitswilligkeit der O. entschieden in Zusammenhang. Diese und die verhältnismäßig große Volksdichte des Ambolandes sind andererseits wieder die Ursache dafür, daß sich in neuerer Zeit eine Art von Sachsengängerei unter den O. ausgebildet hat. So suchen sie selbst entfernte Teile des Schutzgebietes auf, um sich als Arbeiter zu verdingen. In den nördlichen Verwaltungsbezirken, vor allem aber in dem Diamantengebiet an der Südküste, werden O.arbeiter in steigender Zahl verwendet; während aber im Norden die Leute vielfach mit Weib und Kind zusammenleben, sind in den Küstengegenden fast nur männliche Arbeiter, anzutreffen.

Literatur: H. Schinz, Deutsch-Südwestafrika. Lpz. 1891.

Dove.