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Ovambo (hierzu die Tafel 66: Kultur der Hottentotten, Herero, Ovambo und Bergdamara), Hereroname für die
Bewohner des Ambolandes im Norden von Deutsch-Südwestafrika. Sie selbst
nennen sich Aajamba = "die Reichen", im Gegensatz zu den armen Herero.
Sie bewohnen indessen nicht nur das unter deutscher Oberhoheit stehende
Gebiet zwischen dem 19° s. Br. und dem 14. und 18° ö. L., sondern ihr
Gebiet reicht noch weit in die portugiesische Kolonie
Angola hinein. Das Volk zerfällt in eine ganze Anzahl von Stämmen, deren
für unsere Kolonie wichtigster, die Ondonga
(s.d.) oder Aandonga, als Hauptvertreter desselben gelten
kann.
Auch ist dieser Stamm ethnologisch am besten bekannt. Die O. gehören,
wie die Herero (s.d.), der Bantufamilie an, sind aber kleiner als jene.
In Lebensweise und Charakter standen sie indessen von jeher in scharfem
Gegensatz zu ihnen. Der Natur ihres Landes entsprechend widmen sie sich
vorwiegend dem Ackerbau, so daß die Hacke ähnlich wie im tropischen Afrika als das
Hauptwerkzeug
dieses Volkes gelten kann. Auch die wichtigsten Ackergewächse, das
Sorghum,
ferner Hirse (Pennisetum) und die Bohnen erinnern an die in Zentralafrika verbreiteten
Kulturen. Mais wird dagegen wenig gebaut.
Gegen die Ackerkulturen tritt die Viehzucht
stark zurück, auch ist die heimische Rinderrasse kleiner und bei weitem
weniger ausdauernd als das Hererorind.
Die an persönliche Zuneigung grenzende Wertschätzung des Hornviehs, die
den Herero auszeichnete, kennt der Owambomann nicht. Dagegen zeichnen
sie sich vor den übrigen Eingeborenen des Schutzgebiets durch den
Betrieb
von Gewerben aus, von denen namentlich das Schmiedehandwerk erwähnt
werden
muß. Der Stamm der Ovakuanjama widmet sich ganz besonders dieser
Beschäftigung, während die Ondonga in der Kupferbearbeitung (s. Otavi) Hervorragendes leisten. Auch die Töpferei wird von einigen Stämmen betrieben. Die
zierlichen Messer mit den seltsam
geformten,
breit geflügelten Scheiden (s. Tafel 66 Abb. 6) sind ein
Erzeugnis dieser
Industrie. Erzeugnisse des Handwerks, besonders eiserne Perlen, Messer usw. sind Gegenstände eines ehemals
bis weit in das Hereroland
betriebenen
Handels. Ein Gemeingut sehr vieler Bantustämme ist die Klimper (s. Tafel
66 Abb. 16), die Sansa der Westafrikaner,
die Ulimba mancher Ostafrikaner. Der bei den O. übliche Typ gleicht den
übrigen Vorkommnissen vollkommen; nur insofern hat er etwas Besonderes,
als unter jeder Metallzunge, dem freien Ende nah, je ein Harzklümpchen
befestigt ist, das allem Anschein nach die Tonhöhe beeinflussen soll.
- Die Werften, in denen bei den südlichen Stämmen die Hütten kreisförmig um den in der Mitte liegenden
Kraal angeordnet sind, sind wie eine Festung von Palisadenzäunen umgeben
und nur durch enge Gänge zugänglich. Sie werden alle paar Jahre verlegt,
und damit wird eine zu starke Inanspruchnahme des Ackerbodens vermieden.
- Der Charakter des Volkes ist in einer nicht unwichtigen Beziehung
besser
geartet als derjenige der Herero. In sittlicher Beziehung stehen sie
nach
Aussage ihres besten Kenners, des Missionars Rautanen, weit über jenen.
Dagegen sind auch sie diebisch und unterscheiden sich von dem stolzen
und selbstbewußten Herero früherer Zeiten wieder zu ihrem Nachteil durch
eine ins Kriecherische ausartende Unterwürfigkeit gegenüber dem
Mächtigen.
Auch ihr Verhältnis zum Häuptling ist ein ganz anderes, denn die O. sind
das einzige völlig despotisch regierte Volk innerhalb unseres
Schutzgebietes.
Aus der Klasse der vor der Masse bevorzugten Adligen gehen die Häuptlinge
hervor, während neben dem Adel auch eine Art von Priesterkaste vorhanden ist.
Der Häuptling ist Herr über Leben und Tod, er ist zugleich der alleinige
Besitzer allen Gutes im Lande. Mit der Gewöhnung an einen alles
beherrschenden
Willen steht die Arbeitswilligkeit der O. entschieden in Zusammenhang.
Diese und die verhältnismäßig große Volksdichte des Ambolandes sind
andererseits
wieder die Ursache dafür, daß sich in neuerer Zeit eine Art von
Sachsengängerei
unter den O. ausgebildet hat. So suchen sie selbst entfernte Teile des
Schutzgebietes auf, um sich als Arbeiter
zu verdingen. In den nördlichen Verwaltungsbezirken, vor allem aber in
dem Diamantengebiet an der Südküste, werden O.arbeiter in steigender
Zahl
verwendet; während aber im Norden die Leute vielfach mit Weib und Kind
zusammenleben, sind in den Küstengegenden fast nur männliche Arbeiter,
anzutreffen.
Literatur: H. Schinz, Deutsch-Südwestafrika. Lpz. 1891.
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