Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 9

Palmwein wird aus einer großen Anzahl von Palmen in den verschiedensten Tropenländern gewonnen, da sich bei vielen im Stamme ein zuckerhaltiger Saft befindet. in Ostindien ist die Zuckerpalme, Arenga saccharifera, die zuckerreichste. Sie wird vor allem auf Sumatra zur Gewinnung von P. benutzt. Auch die Kokospalme, die Kitulpalme (Caryota urens), die Palmyrapalme (Borassus flabelliformis), die Dattelpalme und ihre wilden Verwandten in Indien, sowie die Ölpalme und die afrikanischen Raphiapalmen, von denen eine Art sogar Weinpalme genannt wird; auch mehrere amerikanische Palmen (Mauritia, Jubaea und Kokosarten) werden zur Weinbereitung benutzt. Das Anzapfen der Palmen geschieht auf verschiedene Weise. Bei der Kokospalme werden in Indien die Spitzen der noch nicht geöffneten Blütenscheiden angeschnitten, die Wunde verschmiert und die Scheide mit einem harten Instrument 8 Tage lang beklopft. Dann liefert die Wunde täglich mehrere Liter zuckerhaltigen Saft. Bei andern Palmen werden dünne Bambusröhren in die Stammspitze oder in die Krone hineingesteckt und der auslaufende Saft - oft 10 Liter und mehr -aufgefangen. In manchen Gegenden werden die Stämme gefällt und entweder die Krone abgeschnitten, oder der aus Einschnitten am Stamm hervorquellende Saft aufgefangen. Der so gewonnene Saft geht sehr schnell in Gärung über und liefert, je länger er stehen gelassen wird, ein um so berauschenderes Getränk. Die Nutzung des P. ist auch in afrikanischen Kolonien weit verbreitet und setzt die Erträge der eigentlichen Produkte bei Kokosund Ölpalmen wesentlich zurück.

Voigt.