Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 10 f.

Panganiist der Name 1. eines Flusses in Deutsch-Ostafrika, 2. der Stadt, die an seiner Mündung liegt und Sitz des Bezirksamts für 3., den Bezirk P., ist. -

1. Der P. entsteht durch Vereinigung des Lumi (s.d.) -Ruwu (von links) und des Kikuletwa (s.d.) -Ronga (von rechts) etwas südlich von Unteraruscha (s.d.). Beim Zusammenfluß hat der erstere Fluß 130, der zweite 128 km Laufes hinter sich. Nun folgt ein nordsüdlich gerichtetes Stück des Pangani, der bis zur Gegend der großen Fälle ebenso häufig als Ruwu (s.d.) bezeichnet wird. Hier fließt der P. in einer 30-40 km breiten Grabensenke zwischen dem Bruchrand, der von der Massaisteppe (s.d.) nach 0 abfällt und dem Westfuß von Pare (s.d.). Dann wendet er sich nach Buiko (s.d.), am Südfuß von Pare. Die Strecke vom Zusammenfluß bis hierher beträgt 152 km, der Höhenunterschied 670 -525 = 145 m. Die Schnellen auf dieser Strecke sind unbedeutend; der P. fließt mäßig tief eingeschnitten, meist von Galeriewald umgeben durch Gras- und Buschsteppe, ohne daß er Zuflüsse empfängt. In der Regenzeit setzt er die Steppe weithin unter Wasser, in der Trockenzeit hat er gerade noch so viel Wasser, um Schiffahrt in bescheidenen Grenzen möglich erscheinen zu lassen. Die hier anknüpfenden Pläne sind aufgegeben, seit die Usambarabahn (s.d.) nach Moschi fortgesetzt wurde. Bald unterhalb Buiko liegen die Höhnel-Schnellen; dann tritt der Fluß dicht an den inselbergartigen Mafi (1000 m relative, 1490 m Mh.). Dieser Berg bedeckt mit anderen, kleineren, ebenfalls aus Gneis aufgebauten eine NNW-SSO streichende Scholle, die der P. in Schnellen und Fällen durchbricht. Kurz darauf nimmt er, 111 km unterhalb Buiko, bei Maurui, 363 m ü. d. M., den Mkomasi (s.d.) auf, später den Luengera (s.d.). Die Reihe der Schnellen und Fälle des P.schließt mit den Großen Fällen 68km unterhalb der Mkomasimündung, 70 km oberhalb der Mündung des P. ins Meer. Oberhalb von ihnen strömt das Wasser durch ein Inselgewirr von 1 1/2 km Breite; bei der Teilung liegt der Wasserspiegel auf etwa 177, 2 1/2 km stromabwärts, unterhalb der letzten Schnelle, wo sich alle Arme wieder vereinigen, auf 50 m, aber nur rund 60 m des Höhenunterschieds kommen auf den Hauptfall (s. Tafel 38 seine obere Hälfte, aber nur etwa in 1/4 der Gesamtbreite, die 350 m beträgt). Der P. hat an dieser Stelle stets ziemlich reichlich Wasser, auch in der Trockenzeit nicht weniger als 17 bis 18 cbm in der Sekunde, was bei der Ausnutzung eines Höhenunterschiedes von 117 m 26 000 Pferdekräften entspricht. Die hier schlummernden Kräfte könnten große wirtschaftliche Bedeutung erlangen. Auf seinen letzten 35 km fließt der P. stark mäandrierend durch Alluvialland auf dem Boden eines bis 3 km breiten, etwa 50 m in das umgebende Hügelland steilwandig eingesenkten Tales. Hier ist ein weites Gebiet mit Zuckerrohrpflanzungen bedeckt, auch Kokospalmenhaine gibt es. Die Gesamtlänge des P. ist nach obigem etwa 530 km. Literatur: Domnik, Die Nutzbarmachung der Panganifälle, Glasers Annalen f. Gewerbe- u. Bauwesen 72, 1913.

Karte: Selke, Die großen Panganifälle 1: 30 300, M. a. d. d. Sch. XXI, 1908.

2. Die Stadt P. liegt an der gleichnamigen, ganz offenen, als Reede benutzten Bucht des Ozeans, und am 1., nördlichen Ufer des Flusses P. (s. Tafel 159). Dieser, hier 320 m breit, dient als Hafen, der aber der unmittelbar vorgelagerten Sandbarre wegen selbst von ganz kleinen Seeschiffen nur beim täglichen Hochwasser erreicht werden kann. Die Regenmenge ist 1113 mm (13 jähriges Mittel), die in drei Regenzeiten (s. Deutsch-Ostafrika 4) Fallen. P. war früher der Hauptsitz der Araber an der festländischen Sansibar- (s.d.) Küste. Sie ließen die Zuckerrohrfelder durch ihre Sklaven bebauen. P. war auch Ausgangspunkt der Handelskarawanen, die nach dem Kilimandscharo und weiterhin zogen (s. Karawanenverkehr). Seit 1889 (s. Araberaufstand) gab es seine führende Stellung langsam an Tanga ab. Noch heute wohnen in P. und seiner Umgebung etwa 400 Araber und fast ebensoviel Inder, die längst den größten Teil des Besitzes der ersteren übernommen haben. P. hat etwa 3000 Einwohner. P. hat außer dem Bezirksamt ein Zollamt 2. Kl., Post, Telegraphen, 50 Mann Farbige Polizei. In P. waren 1913 2 europäische und etwa 25 indische Handelsfirmen vertreten. Die Zahl der 1908 (später nicht mehr gesondert veröffentlicht) angekommenen Dampfer betrug (einschl. der Gouvernementsdampfer) 79 (127) mit 54600 (66140) Reg.- Tonnen. Dazu kamen in diesem Jahr 318 einlaufende Dhaus mit 7381 t Rauminhalt, 1912 235 mit 5960 t. Der Wert der Einfuhr betrug 1908 1,427, der der Ausfuhr 1,211 Mill. M, 1912 waren die entsprechenden Zahlen 1,002 und 1,923, unter der Ausfuhr für 1,7 Mill. M Sisal.

Karten: Pangani-Mündung 1: 12 500, D. Admiral.-K. Nr. 118, 1895. - E. Kayser, Das untere Panganital 1:30 000, M. a. d. d. Sch. XX, 1907. - Usambara- und Küstengebiet 1: 100 000, hgg. v. Gouvt. von DeutschOstafrika Berl. 1911/13.

3. Der Bezirk P. hat eine Größe von 12600 qkm, umfaßt das nördliche Drittel von Usigua (s.d.) und die Nordhälfte von Nguru (s.d.). Anfang 1913 gab es in P. 123 Europäer, 1814 nicht einheimische Farbige, 98 500 Eingeborene, bei denen etwa 6000 zugezogene Plantagenarbeiter eingerechnet sind. Die Volksdichte beträgt also fast 8. Bezirksnebenstelle ist Handeni (s.d.). In P. waren 1913 7 Plantagengesellschalten und 16 selbständige Ansiedler tätig. Es wird hauptsächlich Manihot-Kautschuk und Sisal angebaut. KikogweMwera nahe bei der Stadt P., auf dem andern Ufer des Flusses, ist die älteste erfolgreiche Sisalpflanzung von Deutsch-Ostafrika. Die Gesamtfläche des an Europäer verkauften und verpachteten Landes betrug 1908: 436 qkm; 1909 bis 1912 wurden vom Gouvernement 37 qkm verkauft, 103 verpachtet. Die Europäer in P. hatten wenig Vieh, dagegen sind insbesondere die Wasigua (s.d.) reich hieran. 1913 wurden im Bezirk insgesamt geschätzt: 57 860 Rinder, 41 070 Schafe, 48 575 Ziegen, 1218 Esel.

Uhlig.