Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 13 f.

Papageien. Die P., eine ihrer Körperform nach von anderen Vögeln streng geschiedene und allgemein bekannte Vogelgruppe, sind über den tropischen und subtropischen Erdgürtel verbreitet, den sie aber stellenweise weit überschreiten, z.B. in Südamerika bis zur Magelhaensstraße. Der Verbreitungsherd liegt augenscheinlich in der australischen Region (s. Vögel der deutschen Kolonien), wo sich die größte Mannigfaltigkeit der Formen findet. Geselligkeit ist ein hervorragender Zug im Leben der P.; viele betätigen diese Eigenschaft sogar während der Brutzeit, indem sie in großen Kolonien beisammen nisten, die meisten scharen sich wenigstens nach Beendigung des Brutgeschäfts in oft ungeheure Flüge zusammen, die zuweilen weite Wanderungen unternehmen, wenn Nahrungsmangel sie aus ihren Standorten verdrängt. Ihre Niststätten richten sie in Baumlöchern her, einige in Felshöhlen, wenige bauen freistehende Nester. Die Eier sind reinweiß. Die Nahrung besteht vorzugsweise in Sämereien und Früchten, daher sie in Feldern und Plantagen oft großen Schaden anrichten, nebenbei in Knospen, Blüten und Insekten; einige nehmen Blütenhonig und Baumsaft (Pinselzüngler). - In Afrika lebt der Graupapagei oder Jako, Psittacus erithacus, grau mit rotem Schwanz, ein Charaktervogel des westafrikanischen Waldgebiets, ostwärts bis zum Victoria- und Kiwu-See verbreitet. Die Gattung der Stumpfschwanzpapageien (Poicephalus) ist in ganz Afrika vertreten. Im tropischen Westen lebt in Togo P. fuscicollis, wenig kleiner als der Graupapagei, Kopf und Hals bräunlichgrau, Rückenfedern braun mit grünlicher Umsäumung, Bürzel und Unterkörper smaragdgrün, Stirn, Flügelrand und Schenkel rot. Diesem entsprechen in Ostafrika der sehr ähnliche P. suahelicus, in Südwestafrika P. angolensis und in Kamerun der durch grünen Kopf und Hals etwas abweichende P. aubryanus, der auch wieder eine Abart, P. massaicus, in Ostafrika hat. Daneben tritt ein viel kleinerer Stumpfschwanzpapagei auf: in Togo der Mohrenkopf, P. versteri, mit grauem Kopf, grüner Oberseite und orangerotem Unterkörper, in NordKamerun dessen Abart P. mesotypus, in Ostafrika P. matschiei, Kopf und Oberseite graubraun, Schenkel, Flügelrand und Unterflügeldecken gelb, Bürzel und Unterkörper grünlichblau, in Südwestafrika die Abart des letztgenannten P. damarensis und P. rüppelli, graubraun mit gelbem Flügelrand, Unterflügeldecken und Schenkeln, kobaltblauem Bürzel und Steiß. In gleicher Weise ist die Gattung Agapornis, Unzertrennliche - fälschlich auch Sperlingspapageien genannt, welcher Name der amerikanischen Gattung Psittacula zukommt - in den verschiedenen Teilen Afrikas durch mehrere Arten vertreten; in Togo und Kamerun A. pullarius, kaum über Sperlingsgröße, grün mit orangerotem Gesicht, in Südwestafrika A. roseicollis mit blaß rosenrotem Gesicht, in Ostafrika der dem A. pullarius ähnliche A. fischeri und A. personatus mit schwarzbraunem Kopf. Für Togo und NordKamerun ist als häufiger P. endlich noch ein Vertreter der indischen Gattung Palaeornis zu erwähnen, der Halsbandsittich, P. cubicularis, schlank mit langem, spitzen Schwanz, in der Hauptsache grün mit rosafarbenem und schwarzem Halsring. Ganz andere Papageienformen finden wir in Neuguinea. Zunächst fällt der gewaltige, in seiner Körperform den südamerikanischen Aras ähnelnde, schieferschwarze Arakakadu, Mieroglossus aterrimus, und der Borstenkopf, Dasyptilus pesqueti, mit nacktem Kopf, schwarz mit scharlachroten Schwingen, auf. Von den weißbefiederten Kakadus, Cacatua, lebt auf Neuguinea C. triton mit spitzer gelber Kopfhaube, auf Neupommern aber C. ophthalmica, mit breiten, weißen oder blaßgelblichen Haubenfedern und blauer Augengegend. Sehr häufig sind auf Neuguinea und den Bismarckinseln die Edelpapageien, Eclectus pectoralis, von der Größe des Graupapageis, die Männchen mit vorzugsweise grünem, die Weibchen mit kirschrotem Gefieder. Diesen schließt die Gattung Geoffroyus sich an, kleinere grüne P. mit rosenrotem oder gelbem Kopf, deren häufigster Vertreter in Neuguinea der rotköpfige G. jobiensis, auf den Bismarckinseln der gelbköpfige G. heteroclitus ist. Durch eine Reihe von Arten sind die hauptsächlich von Blütenhonig und kleinen Insekten sich nährenden pinselzüngigen Loris vertreten und zwar sowohl die Breitschwanzloris, Lorius, wie die Keilschwanzloris, Trichoglossus. Für Neuguinea seien genannt: Lorius erythrothorax und Trichoglossus intermedius, für die Bismarckinseln Lorius hypoinochrous und Trichoglossus flavicans. Auch die eigentümlichen Fledermauspapageien, Loriculus, ähneln den Pinselzünglern. Sie haben die Gewohnheit, in der Ruhe gleich den Fledermäusen den Kopf nach unten an den Zweigen sich aufzuhängen. In Neuguinea lebt Loriculus aurantiifrons, auf den Bismarckinseln L. tener. Endlich sind die Spechtpapageien, Nasiterna, zu nennen, die gleich den Spechten an den Rinden der Bäume umherklettern; winzig kleine Vögelchen von grüner Färbung mit roten oder gelben Abzeichen und besonders durch die Form der Schwanzfedern ausgezeichnet, an denen das starre Schaftende stachelartig die Federfahne überragt. - Auf den Samoainseln lebt nur ein zur Gruppe der pinselzüngigen Loris gehörender P., das Blaukäppchen, Coriphilus australis, von der Größe der Unzertrennlichen, grün mit blauer Kappe und roter Kehle. Die Karolinen beherbergen auch einen Lori, Trichoglossus rubiginosus, von kirschroter Farbe mit gelbem Schwanz. Auf den Marianen, Marshall- und Palauinseln und in Kiautschou gibt es keine P.

Reichenow.