Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 14 ff.

Papiergeld. Für den Umlauf von P. in den Kolonien kommen ebenso wie für den Umlauf von gemünztem Gelde zwei Arten von Kolonien in Betracht, nämlich solche, in denen deutsches P. als Zahlungsmittel gilt, und solche, die eigene Noten besitzen. Dabei sei bemerkt, daß es in den Kolonien kein besonderes staatliches P., wie es beispielsweise die Reichskassenscheine sind, gibt, sondern daß in den Kolonien, in denen die Reichsmarkwährung gilt, die deutschen Reichskassenscheine und die Noten der deutschen Reichsbank im Umlauf sind; in den anderen Kolonien existieren Noten privater Banken, denen ein besonderes Privileg verliehen worden ist. Kolonien, in denen deutsches P. im Umlauf sich befindet, sind: Deutsch-Südwestafrika, Kamerun, Togo, der Schutzgebietsbesitz in der Südsee, inkl. Neuguinea und Samoa. Eigene Noten bestehen in DeutschOstafrika und Kiautschou. - Bis zum Erlaß der Reichskanzler-V. vom 1. Febr. 1905, die die Geldverhältnisse für die Kolonien regelte, war in den einzelnen Kolonien das Münzwesen nicht einheitlich. So waren beispielsweise früher in Kamerun Reichsbanknoten und Reichskassenscheine von der Annahme an den öffentlichen Kassen durch Verordnung des Gouverneurs ausdrücklich ausgeschlossen, während sie im Gebiete der Marianen, Karolinen und Palauinseln als gesetzliche Zahlungsmittel galten. In Samoa bestand ein Verbot der Annahme von Reichsbanknoten von 1000 M, sowie von Noten der anderen bundesstaatlichen Notenbanken. Seit der Reichskanzlerverordnung vom Jahre 1905 sind (laut § 6) die Reichskassenscheine (d. h. also die Scheine zu 5 M und 10 M) bei allen amtlichen Kassen in den Schutzgebieten (außer Deutsch-Ostafrika und Kiautschou) zu ihrem Nennwerte in Zahlung zu nehmen. Im Privatverkehr findet ein Zwang zu ihrer Abnahme nicht statt. Bezüglich der Noten der deutschen Reichsbank heißt es (§ 7), daß die amtlichen Kassen "ermächtigt" (d. b. also nicht verpflichtet) sind, diese (die in Stücken von 20, 50, 100 und 1000 M ausgegeben sind) in Zahlung zu nehmen. -Die in Deutsch- Ostafrika im Umlauf befindlichen Noten sind von der Deutsch-Ostafrikanischen Bank ausgegeben, der das Reich die Konzession übertragen hatte. Die Bedingungen für die Noten der DeutschOstafrikanischen Bank enthält die Ksl. V. vom 30. Okt. 1904. Die Deutsch-Ostafrikanische Bank wurde in Berlin am 6. Jan. 1905 gegründet als reichsgesetzliche Kolonialgesellschaft. Ihre Geschäftsführung untersteht der Aufsicht des ReichsKolonialamtes. Das Kapital der Bank beträgt 2 Mill. M. Die Anteile befinden sich nicht im freien Verkehr, sondern sind in Händen der Gründer, nämlich der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft, der Deutschen Bank und der Diskontogesellschaft, geblieben. Die Ksl. V. vom 30. Okt. 1904 räumt die Befugnis zur Ausgabe von Banknoten in den Schutzgebieten dem Reichskanzler ein, wobei gleichzeitig vorgesehen war, daß die Bestimmungen über die Stückelung, die Einlösung und Einziehung der Banknoten, über die Deckung des Notenumlaufs, über den Geschäftskreis und die Publikationsverpflichtung der mit der Befugnis der Notenausgabe auszustattenden Bank, über die Beteiligung des Schutzgebietsfiskus am Reingewinn der Bank, über die Rechte der Aufsichtsbehörde usw. vom Reichskanzler getroffen werden. Auf Grund dieser Ksl. Verordnung wurde am 15. Jan. 1905 der Deutsch- Ostafrikanischen Bank von dem damaligen Reichskanzler, Graf v. Bülow, die Konzession auf Notenausgabe erteilt. Als Aufgabe der Bank wurde in der Konzession die Regelung des Geldumlaufs im Schutzgebiet, sowie des Geldverkehrs des Schutzgebietes mit Deutschland und dem Ausland angegeben. Im § 7 der Konzession ist festgesetzt, daß die Gesellschaft das Recht hat, nach Bedürfnis auf Rupien lautende Banknoten bis zum dreifachen Betrag des eingezahlten Grundkapitals auszugeben. Die Noten dürfen nur auf Beträge von 5, 10, 20, 50 und 100 Rp. oder ein vielfaches von hundert Rupien lauten und müssen im Schutzgebiet ausgestellt werden. Auf Grund dieser Bestimmung hat die Deutsch-Ostafrikanische Bank Noten ausgegeben im Werte von 5, 10, 50 und 100 Rp. Vor einiger Zeit ist ihr außerdem noch die Genehmigung erteilt worden, Noten im Betrage von 500 Rp. auszugeben. Von diesem Recht hat die Gesellschaft Gebrauch gemacht. Ebenso wie bei den deutschen Notenbanken sind auch der DeutschOstafrikanischen Bank Beschränkungen als Gegenwert für die Konzession auferlegt. Sie ist verpflichtet, für den Betrag ihrer im Umlauf befindlichen Banknoten jederzeit mindestens ein Drittel in ostafrikanischen Landessilbermünzen, in indischen Rupien, in Reichsgoldmünzen, in fremden Goldmünzen, in Reichskassenscheinen oder Reichsbanknoten in ihren Kassen im ostafrikanischen Schutzgebiet als Deckung bereitzuhalten. Die Deckung für den Rest, also für zwei Drittel, hat in diskontierten Wechseln und wechselähnlichen Papieren, die eine Laufzeit von höchstens sechs Monaten haben dürfen, sowie in täglich rückzahlbaren Guthaben bei der Reichsbank, bei der Preußischen Seehandlung, sowie mit Genehmigung des Reichskanzlers bei anderen Banken zu bestehen. Der Reichskanzler kann bestimmen, ob und bis zu welcher Höhe an Stelle der Wechsel eine Deckung über Schuldverschreibungen des Reiches oder eines deutschen Staates treten kann. Von diesem Recht hat der Reichskanzler Gebrauch gemacht und der Deutsch-Ostafrikanischen Bank gestattet, Schatzanweisungen des Reiches und von Preußen, sowie Kolonialanleihen des Deutschen Reiches zu hinterlegen. Um die Liquidität der Bank nicht zu beeinträchtigen, ist es ihr untersagt worden, Hypothekengesehäfte abzuschließen. Andererseits hat man den besonderen Verhältnissen in den Kolonien Rechnung tragend erlaubt, daß die diskontierten Wechsel eine Laufzeit von 6 Monaten haben dürfen, während die Deutsche Reichsbank nur Wechsel bis zu einer Laufzeit von 3 Monaten annimmt. Ebenso wie die Reichsbank muß auch die Deutsch-Ostafrikanische Bank eine Steuer entrichten, und zwar in Höhe von 5%, bei einem Notenumlauf von mehr als 500 000 Rp., sobald der Notenumlauf den doppelten Betrag des Barvorrates überschreitet. Die Steuer wird nur von dem Notenumlauf berechnet, der die Summe von 500 000 Rp. übersteigt. Zum Zwecke der Feststellung der Steuer hat die Verwaltung der Bank am Ende jeden Monats den Barvorrat und die im Umlauf befindlichen Noten festzustellen und diese Feststellungen der Aufsichtsbehörde einzureichen. Am Schluß des Jahres wird von der Aufsichtsbehörde auf Grund dieser Nachweisungen die von der Bank zu zahlende Steuer in der Weise festgestellt, daß von dem aus den Nachweisen sich ergebenden steuerpflichtigen Überschuß des Notenumlaufes 5/12 % berechnet werden. Die Bank ist verpflichtet, ihre Noten dem Inhaber gegen M Münzen, die im ostafrikanischen Schutzgebiet als Zahlungsmittel gelten, einzulösen, und zwar bei der Hauptkasse in Daressalam sofort und bei den Zweiganstalten, soweit es deren Barbestand und Geldbestand gestattet. Ferner ist die Bank verpflichtet, ihre Noten sowohl bei der Hauptkasse, als auch bei ihren sämtlichen Zweiganstalten und Agenturen jederzeit zum vollen Nennwert in Zahlung zu nehmen. An dem Gewinn, der Bank ist der Fiskus beteiligt. Der Notenumlauf der DeutschOstafrikanischen Bank betrug Ende des Jahres 1910: 2,9 Mill. Rp., 1911: 3 Mill. Rp., 1912: 4,4 Mill. Rp. - In unserem Schutzgebiet Kiautschou hat das Recht der Notenausgabe die am 12. Febr. 1889 gegründete Deutsch-Asiatische Bank. Dieses Unternehmen verfügt über ein Aktienkapital von 7 1/2 Mill. Taels. Ebenso wie die DeutschOstafrikanische Bank ist auch die DeutschAsiatische Bank mit Bezug auf ihre Geschäftstätigkeit einigen Beschränkungen unterworfen. So darf sie z. B. keinen Warenhandel betreiben. Dagegen ist ihr die Ausgabe von Geldern für hypothekarische Beleihung von Grundstücken in Kiautschou ausdrücklich gestattet worden. Sie hat zu diesem Zweck eine besondere Unterabteilung errichtet. Die Konzession der Deutsch-Asiatischen Bank wurde im Jahre 1906 erteilt, und zwar auf die Dauer von 15 Jahren. Es wurde ihr das Recht eingeräumt, Banknoten durch ihre im deutschen Schutzgebiet Kiautschou und in China befindlichen Niederlassungen auszustellen und auszugeben. Diese Banknoten dürfen in Stücken von 1, 5, 10, 25, 50 Dollars und von 1, 5, 10 und 20 Taels ausgegeben werden. In der chinesischen Provinz Schantung dürfen nur Noten auf die für Tsingtau geltende Währung ausgegeben werden. Als Dollar im Sinne der Konzession gilt die unter dem Namen "Mexikanischer Dollar" im Umlauf befindliche Münze, mit einem Feingehalt von 902,7 Tausend Teilen, einem Gewicht von 27,073 g und einem Mindestgewicht von 26,633 g. Als Tael gilt die bei Ausgabe der Banknoten am Ausgabeort gültige gleichnamige Werteinheit der chinesischen Silberwährung. Die Deutsch- Asiatische Bank ist verpflichtet, ihre Banknoten an ihren Kassen bei Vorzeigung einzulösen, und zwar an den Ausgabeplätzen jederzeit zum Nennwert, bei den übrigen Niederlassungen, soweit es deren Barbestand und Geldbedürfnisse gestatten, zum jeweiligen Wechselkurs. Die Bank hat für die Höhe des Nennwertes der jeweilig im Umlauf befindlichen Noten Sicherheit zu leisten. Man hat bei der Deutsch-Asiatischen Bank davon abgesehen, besondere Beschränkungen vorzuschreiben, wie sie sonst bei Notenbanken üblich sind, sondern die Sicherheit der Banknoten wird dadurch gewährleistet, daß eine Anzahl angesehener deutscher Bankfirmen die selbstschuldnerische Bürgschaft zur Verfügung des Reichskanzlers hinterlegt hat. Der Reichskanzler kann diese Sicherheit, ohne daß es eines Gerichtsverfahrens bedarf, realisieren. Als Bürgen wurden folgende Bankinstitute zugelassen.: Bank für Handel und Industrie (Darmstädter Bank), Berliner Handelsgesellschaft, die Firma S. Bleichröder, Deutsche Bank, Diskontogesellschaft, Dresdner Bank und die Firma Mendelssohn & Co. Die Deutsch-Asiatische Bank hat als Gebühr für die Notenkonzession eine Abgabe von 1%, auf den Durchschnitt des täglichen Notenumlaufs zu entrichten. Der Notenumlauf der DeutschAsiatischen Bank stellte sich in den letzten Jahren wie folgt: 1910: 1,3 Mill. Taels, 1911: 1,4 Mill. Taels, 1912: 2,2 Mill. Taels. Die Abgabe der im Schutzgebiet Kiautschou auf Taelswährung ausgestellten Noten fließt dem Fiskus des Schutzgebietes zu; die Abgabe der übrigen Noten der Legationskasse des Auswärtigen Amtes zu Berlin.

Literatur: Hintze, Koloniales Geldwesen. Berl. 1912. J. Guttentags Verlag.

Jöhlinger.