Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 20 f.

Paradiesvögel (s. Farbige Tafel ), Paradiseidae, mit den Raben verwandte Vögel, von diesen durch die samtartige Befiederung der Zügel (Gegend vor den Augen), freiliegende Nasenlöcher und besonders durch eigentümliche, an verschiedenen Körperteilen sitzende Schmuckfedern unterscheiden. Bald sind einige Schwanzfedern band- oder drahtförmig oder leierartig gebogen, bald borstenartige Federn am Kopfe vorhanden oder die Hals- oder Brustfedern zu Kragen oder Schilden verbreitert. Besonders aber Fallen die prächtigen schleierartigen Schmuckfedern der eigentlichen P. auf, die büschelförmig an den Brustseiten sitzen. Die P. bewohnen in der Mehrzahl Neuguinea, aber auch die Aruinseln, Molukken und Australien. Etwas abweichende Formen, die Lappenvögel, Glaucopinae, bewohnen Neuseeland. Sie ähneln in ihrer Lebensweise den Raben, nähren sich von Früchten und Insekten und bauen freistehende Nester im Baumgezweig. Die Eier sind ebenso bunt und mannigfach gezeichnet wie die Vögel selbst; bald eintönig, bald gefleckt, bald mit flimmerartigen Kritzeln gezeichnet. - Von den in Kaiser-Wilhelmsland vorkommenden P. sind als häufigere oder besonders auffallende Formen zu erwähnen: Paradisea guilielmi secundi mit weißem Schweif, P. augustae - victoriae mit orangerotem und P. minor mit gelbem Schweife. - Der Kragenparadiesvogel, Diphykodes chrysoptera, dessen Nackenfedern einen Kragen bilden, während die Halsfedern ein grünglänzendes Schild darstellen; die schmalen mittelsten Schwanzfedern sind über Kreuz gebogen und gekräuselt. - Der Königsparadiesvogel, Cicinnurus regius, ist rot, und die beiden mittelsten Schwanzfedern haben stark verlängerte nackte Schäfte, die am Ende eine spiralförmig aufgedrehte metallgrüne Fahne tragen. -Zu den P. gehören auch die Laubenvögel, Chlamydodera und Aeluroedus, die keine Schmuckfedern haben. Sie fallen in ihrer Lebensweise dadurch auf, daß sie die Gewohnheit haben, Lauben zu bauen, in denen sie sich zur Paarungszeit belustigen. Die Lauben werden im Walde unter Gebüsch auf dem Erdboden aus Reisern gebaut und mit allerlei Dingen, Federn, MuscheIschalen, Steinen, Knochen und Blüten umgeben. Einige Arten legen einen förmlichen Garten an. (Hon. W. Rothschild, Paradiseidae: Das Tierreich, Aves, 2. Liefg., Berl. -1893.)

Reichenow.