Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 35

Perlen entstehen in gewissen Arten von Muscheln (s.d.), deren Schalen an der Innenseite mit dünnen Lamellen bedeckt sind, welche, der Oberfläche parallel geschichtet, schön irisieren und die sog. Perlmutterschicht bilden. Geraten zwischen die Schale und die Oberfläche des Mantels der Muschel (s.d.) Fremdkörper, so entsteht in dieser Oberfläche eine stärkere Ausscheidung von Perlmuttersubstanz, die den Fremdkörper mit zahlreichen Schichten umgibt. Schließlich wird dieser abgekapselt, und es entsteht die freie P. Die wertvollen und als Schmuck verwendbaren P. werden von der Flußperlmuschel (Margaritana margaritifera L.) und der Meeresperlmuschel (Meleagrina margaritifera L.) gebildet, bei letzterer angeblich durch das Eindringen von Entwicklungsstadien bestimmter, in Fischen schmarotzender Bandwürmer. Die Meeresperlmuschel, die hautpsächlich im Indischen und Stillen Ozean lebt, liefert fast ausschließlich die im Handel vorkommenden Perlen und Perlmutter. Die P.muscheln werden fast überall durch Taucher gewonnen, welche die P. mit einem Messer losmachen und im Höchstfalle 1000-2000 Muscheln täglich emporbringen.. In Deutsch-Ostafrika wurde P.Fischerei früher auf den Inseln der Mafiagruppe in mäßigem Umfang betrieben, ist aber in den letzten Jahren sehr zurückgegangen und wird jetzt nur noch auf der Insel Mafia selbst von einigen Fischern ausgeübt. Der Ertrag an P. und Perlmutter ist nur gering. Über pflanzliche Perlen s.d.

Lübbert.