Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 40

Peters, Carl, Reichskommissar a. D., Dr. phil., geb. 27. Sept. 1856 zu Neuhaus a. d. Elbe. P. besuchte 1871/76 die Klosterschule in Ilfeld und studierte im Anschluß daran bis 1879 Geschichte, Geographie und Jura in Göttingen, Tübingen und Berlin, wo er 1879 promovierte. 1881/83 hielt er sich in London auf, kehrte dann nach Berlin zurück und begann sieh bald ganz der praktischen Kolonialpolitik zuzuwenden. Er gründete hierzu 1884 die "Gesellschaft für deutsche Kolonisation", die ihn noch in demselben Jahre mit Graf Pfeil (s.d.) und Jühlke (s.d.) zu Landerwerbungen an die ostafrikanische Küste aussandte. Es gelang hier durch mehrere Verträge die Landschaften Usagara, Nguru, Useguha und Ukami für die Kolonisationsgesellschaft zu erwerben und hierfür einen Kaiserlichen Schutzbrief zu erhalten (27. Febr. 1885). P. ist somit als der Begründer des heutigen Ostafrika anzusehen (s.a. Erwerbung der deutschen Kolonien 4). Hiernach trat er (1885/88) an die Spitze der von ihm begründeten "Deutsch - Ostafrikanischen Gesellschaft" (s.d.). Während eines Aufenthaltes in Sansibar (1887) erwarb er durch einen (1888 ratifizierten) Vertrag vom Sultan von Sansibar gegen eine Entschädigung den heutigen deutsch - ostafrikanischen Küstenstreifen. 1889/90 übernahm P. die Leitung der "Deutschen Emin Pascha - Expedition", die er mit bewunderungswürdiger Energie durchführte. Er marschierte den Tana aufwärts nach Uganda und kehrte, als er den Abmarsch Emins (s.d.) mit Stanley (s.d.) erfahren hatte, über den Victoriasee, Tabora nach Bagamojo zurück. P. verfolgte die Absicht, Uganda und Emins Provinz an Deutsch -Ostafrika anzugliedern und fand hierzu auch die Zustimmung Emins, den er in Mpapua schon wieder auf dem Marsch in das Innere begriffen antraf. 1891 wurde P. als provisorischer Reichskommissar nach Deutsch - Ostafrika geschickt; er gründete hier eine Station am Kilimandscharo und war 1892/93 deutscher Kommissar bei der deutsch - englischen Grenzregulierung zwischen dem Kilimandscharo und der Küste. 1894 wurde P. durch Patent zum Reichskommissar bestellt und ihm der Posten eines Landeshauptmanns am Tanganjika angeboten, den er aber ablehnte. Infolgedessen wurde er 1895 zur Disposition gestellt. Bald darauf war P. Gegenstand heftiger Angriffe besonders im Reichstag wegen seines Verhaltens gegen die Eingeborenen am Kilimandscharo. Nach seiner im Wege des Disziplinarverfahrens erfolgten Dienstentlassung siedelte er nach England über. In den Jahren 1898 bis 1911 machte P. mehrere Forschungsreisen in Südafrika, besonders in dem Gebiet zwischen Sambesi und Sabi, und stellte die Theorie auf, daß hier das Goldland des Altertums (Ophir) zu suchen sei. 1914 wurde P., dem bereits früher das Recht zur Führung des Titels "Reichskommissar a. D." beigelegt war, in Würdigung seiner großen Verdienste um Deutsch - Ostafrika vom Kaiser von 1914 ab eine jährliche Pension aus dessen Dispositionsfond bewilligt. Schriften: Willenswelt und Weltwille, Lpz. 1883; Deutsch - National, Berl. 1887; Die deutsche Emin - Pascha - Expedition, München u. Lpz. 1891; Das deutsch - ostafrikanische Schutzgebiet, das. 1895; Das goldene Ophir Salomos, das. 1895; Im Goldland des Altertums, das. 1902; England und die Engländer, Berl. 1906; Die Gründung von Deutsch -Ostafrika, Berl. 1906.