Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 46

Pfeffer. Die Gattung Piper ist mit vielen Arten in allen Tropen verbreitet, die fast durchweg durch den Gehalt an scharfen, würzigen Stoffen ausgezeichnet sind und aus diesem Grunde von den Eingeborenen zu Heil- oder Genußzwecken verwendet werden. Der wichtigste Vertreter dieser Gattung ist der sog. schwarze Pfeffer, Piper nigrum; über dessen wirtschaftliche Bedeutung s. Gewürze. Der schwarze P. ist wahrscheinlich im Malaiischen Archipel zuhause und hat auch dort heute seine wichtigsten Kulturgebiete. Beschränkte Kulturen finden sich in Westindien und auch in Deutsch -Ostafrika (Ost - Usambara). Er ist ein kleiner Kletterstrauch mit wechselständigen, lederigen, eiförmig zugespitzten, fünfrippigen Blättern, und diesen gegenüber stehen mehrere Zentimeter lange, mit unscheinbaren Blüten besetzte Ähren. Aus ihnen entwickeln sich etwa erbsengroße, im reifen Zustande rote Beeren, mit wenige Millimeter starkem Fruchtfleisch und einem harten, weißen Kern. Die getrockneten, unreifen Beeren sind der schwarze Pfeffer, die vom Fruchtfleisch befreiten reifen Kerne der weiße P. des Handels. Der P. ist eine rein tropische Pflanze und geht im Norden und Süden kaum über den 20. Breitengrad hinaus. Zu seinem Gedeihen ist reichlicher Regenfall, im Jahre mindestens 2500 mm erforderlich, jedoch kann er kurze Trockenperioden ganz gut vertragen. Über die Ansprüche an den Boden gehen die Meinungen weit auseinander. Es ist aber zu beachten, daß der P. auf humosem Urwaldboden seine natürliche Verbreitung hat. Jedenfalls sind reichliche und regelmäßige Ernten nur auf gut bearbeitetem, lockerem und nährstoffreichem Boden zu erwarten. Ursprünglich bestanden die Kulturen in der Pflege der Pflanzen an ihrem natürlichen Standort durch Auslichten der Umgebung und Freilegen und Bearbeiten des Bodens. Heute pflanzt man den P. etwa mit 2 - 2 1/2 in Abstand und zieht ihn in der Regel aus Stecklingen. Die Anzucht aus Samen in Saatbeeten verlangt größere Mühe und liefert später tragfähige Pflanzen, ist aber immer dann zu empfehlen, wenn durch fortdauernde ungeschlechtliche Vermehrung die Pflanzen schwächer und die Erträge geringer werden. Man zieht den P. meistens an lebenden Stützbäumen, vorzugsweise an hülsenfrüchtigen Bäumen (Erythrina lithosperma, Moringa usw.), an Obstbäumen, Gambir, Baumwollbäumen u. a. Die Kultur an Stangen, wie beim Hopfen oder den Bohnen ist wegen der häufig recht schwierigen Beschaffung geeigneter Hölzer und wegen ihrer leichten Vergänglichkeit in den Tropen nicht beliebt. Andererseits wird gegen lebende Stützbäume angeführt, daß der P. den Boden mit dem kräftig wachsenden Stützbaum teilen muß und die Befestigung der kletternden Zweige viel Mühe erfordert. Da aber der P. in vielen Fällen Nebenkultur ist, so spricht vieles für die lebenden Tragbäume. In manchen Gegenden werden die jungen Pflanzen im ersten oder zweiten Jahre rund um den Stützbaum in den Boden gelegt und die Spitze wieder nach oben gerichtet. Dann bewurzelt sich der niedergelegte Teil und befördert das Wachstum der ganzen Pflanze. Geschnitten wird der P. nur, um seine Höhe für ein besseres Abernten zu beschränken. Bei intensiver Kultur werden die Pflanzen meist kurz gehalten. Gedüngt wird vielfach mit den ausgekochten Gambirblättern und mit gebrannter Erde, die namentlich auf schwerem Boden viel zur Lockerung beiträgt. Im übrigen muß der Boden möglichst unkrautfrei gehalten werden. Der P. beginnt im dritten oder vierten Jahre zu tragen, erreicht etwa im 8. Jahre seine volle Tragfähigkeit und geht im 15. bis 20. Jahre ein. Man rechnet bei volltragenden Pflanzen auf 2000 - 6000 kg per Hektar. Für die Bereitung des schwarzen P. werden die nicht ganz reifen Fruchtähren, wenn die Farbe der Beeren meist noch grünlich ist und nur einzelne anfangen, sich zu röten, gepflückt und an der Sonne oder nötigenfalls am Feuer getrocknet. Das Fruchtfleisch trocknet dabei zusammen, wird runzelig und schwarzbraun. Durch Reiben werden dann die Früchte von der Ährchenspindel getrennt. Um den weißen P. zu erhalten, werden die vollreifen Früchte abgestreift und in Haufen oder in fließendem Wasser mehrere Tage einer Fermentation unterworfen, bei der das Fruchtfleisch zerstört und der Kern frei wird. Die Kerne werden dann noch gewaschen, um sie von dem Rest des Fruchtfleisches zu befreien, und an der Sonne getrocknet. Die Jahresproduktion an P. wird auf 30 000 t geschätzt. Davon kommen auf Sumatra etwa 12 000, auf Vorderindien, Java und Hinterindien je 5 000. Hamburg importierte 1912 6 000 t für etwa 7 Mill. M, und zwar 2 500 t aus Niederländisch - Indien und je 1 500 t aus Britisch - Ostindien und Singapur. Wo die klimatischen Verhältnisse vorhanden sind, wie z.B. in Usambara und im Kameruner Küstengebiet, verdient der Anbau des P. als lohnende Nebenkultur Beachtung. Von geringerer Bedeutung sind noch zwei P.sorten, die Cubeben oder der Schwanz-P. (Piper cubeba), mit p.ähnlichen, gestielten Körnern, der hauptsächlich zu Heilzwecken dient, und der lange P. (Piper longum und Piper officinarum), bei dem die einzelnen Früchte mit der Spindel fest verwachsen sind, so daß die ganzen Ähren geerntet und gebraucht werden. Zu den P.arten gehört auch der Betel - P. (s. d.), dessen Blätter beim Betelkauen Verwendung finden. Gewürze von ähnlicher Wirkung sind noch der Cayenne oder spanische P. (s. Cayennepfeffer) und der Nelken - P. oder Piment (s. Gewürze).

Literatur: H. N. Ridley, Spices, Macmillan and Co., Lond. 1912. - Sr. H. J. Wigman, Specerijen, in: Van Gorkom's Oost - Indische Cultures, Bd. II, 764/89. - Ferguson, All about pepper, Colombo.

Voigt.