Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 53 f.

Pferdezucht hat in den Kolonien größere Bedeutung noch nicht erlangt, wenngleich in Deutsch-Südwestafrika erfolgversprechende Anfänge für die Begründung einer Landes - P. gemacht sind und auch in Bezirken der anderen Kolonien die Eingeborenen Pferde halten, ohne indes bei der Vermehrung dieser Tiere die Grundsätze einer planmäßigen Zucht zu beachten. Als Zuchtziel kommt im allgemeinen ein Laufpferd in Betracht, das harte Füße besitzt und mit großer Ausdauer Genügsamkeit und Widerstandsfähigkeit verbindet. Die größten Feinde der kolonialen P. sind verheerende Seuchen, wie Pferdesterbe (s.d.), Tsetsekrankheit (s. Nagana). - Von den Kolonien bietet Deutsch - Südwestafrika günstige Vorbedingungen für die Entwicklung der P. Hier war das Pferd ursprünglich nicht heimisch, es wurde von den Eingeborenen aus der Kapkolonie eingehandelt und bildete bei Ovambos (s.d.) und Hereros (s.d.) den begehrtesten Tauschartikel. Diese als "Afrikaner" bezeichneten Pferde (s.d.) waren kleine Tiere mit unschönen Formen, aber von großer Ausdauer und Widerstandsfähigkeit. Infolge der großen Nachfrage während der Aufstände und des zeitweilig bestehenden Einfuhrverbots von Pferden aus der Kapkolonie wegen der dort herrschenden Rotzkrankheit (s. Rotz), wurden Pferde auch aus Argentinien, Australien, Ostpreußen eingeführt. Zur Veredlung der Zucht wurden vom Gouvernement sowohl als auch von Farmern englische und arabische Vollbluthengste, sowie Halbbluthengste eingeführt. Der Staat hat dann weiter zur tatkräftigen Förderung der P. 1899 ein Gestüt in Nauchas (s.d.) errichtet, auf geeigneten Farmen Landbeschäler aufgestellt, die Einfuhr guter Zuchttiere unterstützt und selbst überzählige Stuten aus dem Gestüte (s.d.) abgegeben, Remontemärkte eingerichtet und schließlich eine Hengstkörordnung (s.d.) eingeführt. Die P. hat seit dem letzten Aufstand gute Fortschritte gemacht, der Bestand hat sich von 3119 im Jahre 1907 auf 15916 im Jahre 1913 vermehrt. Von der letzten Ziffer waren 556 Hengste und 5157 Stuten. Von den Weißen wurden 14609, von den Eingeborenen 1307 Pferde gehalten. Unter diesen betreiben vor allem die Bastards im Bezirk Rehoboth P. Die Produktion reicht zur Deckung des Bedarfs noch nicht aus; im Rechnungsjahr 1912/13 wurden 488 Pferde, darunter 272 aus der Kapkolonie eingeführt. Um die Deckung des Bedarfs im Lande zu erleichtern, werden vom Kommando der Schutztruppe Remontemärkte ausgeschrieben, für die folgende Ankaufsbedingungen gelten: Stuten werden nicht angekauft. Die Pferde sollen möglichst dreijährig, handfromm und aufgehalftert sein, so daß sie sich vorführen lassen. Sie müssen gesund und zu Reitpferden geeignet sein. Das Mindeststockmaß beträgt bei dreijährigen 146, bei älteren 148 cm. Für das Jahr 1912 waren an 16 Ortschaften bzw. Farmen Remontemärkte ausgeschrieben. Jeder Farmer, der mindestens 20 Remonten vorstellt, erhält einen eigenen Markt auf seiner Farm. Das Interesse der Bevölkerung für die P. kommt in der Regen Beteiligung an den jährlich von den Rennund Sportvereinen in Windhuk und anderen Orten veranstalteten Pferderennen (s.d.) zum Ausdruck. Eine stete Gefahr für die P. bildet die Pferdesterbe. Der Norden bleibt infolge dieser Krankheit ganz von der P. ausgeschlossen, während Teile des Damaraund Namalandes nur in der Trockenzeit dafür geeignet sind. Es gibt aber hier Gegenden, wie den Ostrand der Namib, das Schwarzrandgebirge und andere Plätze mit hochgelegenen Weiden, die "sterbefrei" sind. Auf diese Weiden, auch "Sterbeplätze" genannt, kommen dann während der Regenzeit die Pferde aus solchen Gebieten, die sich nicht oder nur bedingt für P. eignen. - Nicht so günstig, wie im subtropischen Südwestafrika mit seinem trockenen Höhenklima liegen die Verhältnisse für die P. in den tropischen Kolonien. Die nach Deutsch-Ostafrika eingeführten Pferde stammen aus Britisch - Südafrika, aus den Gallaund Somaliländern, Sansibar und Indien. Der zeitige Bestand ist noch ein sehr geringer. In den Küstengebieten und Niederungen geht das Pferd bald an Tsetse und Pferdesterbe ein. In tsetsefreien Gebirgsgegenden kommen die Pferde fort. Auf der Farm Kwai (s.d.) in Usambara haben Zuchtversuche mit eingeführten Araberhengsten und -stuten aus Bombay gute Resultate gegeben. Die Tiere gehen dort nur tagsüber auf Weide und kommen nachts in Stallungen, wo ihnen noch Beifutter gereicht wird. Außer diesen Versuchen über die Akklimatisation und Verwendung von Laufpferden wurden auch Versuche mit Pferden für den schweren Zug im Schumegebiet in West -Usambara gemacht. Dorthin wurden von der Firma Wilkens & Wiese eine Anzahl schwerer Arbeitspferde französischer Herkunft eingeführt, die zum Holztransport verwendet und mit Erfolg rein weitergezüchtet werden. Für Verkehrszwecke wird das Pferd in Deutsch - Ostafrika wegen der großen Seuchengefahr kaum benutzt, dagegen seine Verwendung als Zuchttier zur Erzeugung von Maultieren, die gegen die tropischen Seuchen widerstandsfähiger sein sollen, in Betracht kommen können. - Verhältnismäßig günstig liegen die Verhältnisse für die P. in Kamerun und Togo. Jahrelange Versuche, Pferde an der Küste zu züchten oder längere Zeit zu halten, sind zwar auch hier fehlgeschlagen, doch lassen die Hochländer im Innern die Pferdehaltung zu. In Kamerun gilt das einheimische Adamauapferd, von der Größe eines gut gebauten Ponys, als anspruchslos und widerstandsfähig. Das neben diesem gehaltene Fullahpferd ist in seinen Körperformen weniger schön und steht dem ersten auch in seinen Leistungen und seiner Widerstandsfähigkeit nach (s. Pferde). Das Gebiet vom Tsadsee südwärts bis zu den Hochflächen von Tibati und Ngaundere gilt für die P. am geeignetsten. Weiter nach Süden beeinträchtigen Pferdeseuchen die Zucht und Verwendung des Pferdes, dessen Verbreitungsgebiet bereits vor dem Waldland endet. - In Togo kommen zwei einheimische Pferdetypen vor, im Westen von Nordtogo das Mandingo - Pferd von mittlerer Größe und wenig ansprechendem Körperbau und im Tschaudjogebiet das Tschaudjopferd, eine Ponyart von guten Formen, lebhaftem Temperament und großer Ausdauer (s. Pferde). Die P. wird von den Eingeborenen hauptsächlich in Sansane - Mangu, Tschaudjo und Tschamba, betrieben, eine geregelte Zuchtwahl wird nicht ausgeübt, im Sokode - Bassaribezirk wurden 1910 z.B. 453 Hengste und 1025 Stuten gezählt. Zur Hebung der Pferdezucht werden auf einzelnen Stationen Hengste gehalten. An der Küste ist trotz der Verluste, die die Tsetsekrankheit dauernd verursacht, unter den Europäern reges Interesse für den Pferdesport vorhanden, was eine lebhafte Nachfrage nach Pferden aus dem Hinterland zur Folge hat. In Lome wurden 1911 87 Pferde gehalten. - In den Schutzgebieten der Südsee hat die P. stellenweise eine gewisse Bedeutung. Pferde werden hier als Reit- und Zugtiere gehalten. Zur Hebung der Zucht werden regierungsseitig auf den Karolinen, Deutsch-Neuguinea und Samoa aus Australien importierte Hengste aufgestellt, deren Nachzucht im allgemeinen befriedigte. Besonders auf Samoa, wo die Deutsche Handels- und Plantagen-Gesellschaft (s.d.) schon von 1899 ab Zuchtmaterial zur Verbesserung der heimischen Pferderasse importierte, liegen die Verhältnisse für die P. günstig. Die Regierung sucht daher auch neuerdings außer der Einfuhr von gutem Zuchtmaterial durch andere Maßnahmen die P. zu heben. Die in Aussicht genommene Kastration der für Zuchtzwecke nicht geeigneten Hengste hat sich noch nicht durchführen lassen. Unter den Europäern herrscht auf Samoa reges Interesse für P. und -sport. - Im Kiautschougebiet ist die P. ohne Bedeutung, es fehlt hier an geeigneten Weiden, um die P. in größerem Maße zu entwickeln. Die im Besitze von Privaten und der Truppe befindlichen Pferde stammen meist aus der Mongolei, Japan und Australien. Die in Tsingtau veranstalteten Pferderennen dienen lediglich dem Pferdesport.

Neumann.