Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 58 f.

Pflanzentiere. Der Name P. entspricht keinem streng wissenschaftlichen Begriff. Er sei hier angewendet, weil er sehr bekannt ist, und weil er im allgemeinen sich mit dem deckt, was die Wissenschaft Cölenteraten nennt. Eingeschlossen sind in den Begriff "Pflanzentier" einige Wasserbewohner, über deren Verwandtschaft die Forscher noch nicht ganz einig sind, die Seescheiden, Moostierchen oder Boyozoen und Schwämme. Die meisten P. kommen im Meere vor und sind an andere Gegenstände angeheftet oder angewachsen. Daher der Vulgärname. Meist handelt es sich um sog. Tierstöcke, d.h. um eine Vielheit von Tierindividuen, die miteinander verwachsen sind und sich besonders durch Knospung vermehren. Legt man ein P., solange es noch lebt, ins Wasser zurück, so pflegen die Einzeltiere sich wieder auszubreiten. Sie strecken meist eine Anzahl von Tentakeln aus kleinen Öffnungen hervor, von Tentakeln, die um eine Mundöffnung herum regelmäßig angeordnet sind. Nur die Schwämme und Seescheiden besitzen keinen Tentakelkranz. Die Seescheiden strecken je zwei auf Vorragungen befindliche Öffnungen aus, von denen die eine zum Einstrudeln, die andere zum Ausstrudeln des Wassers dient. Die Schwämme besitzen weder bewegliche Tentakeln noch vorstreckbare Öffnungen. Bei ihnen sind zahlreiche kleine und große Öffnungen vorhanden, von denen die größeren zum Ausstrudeln dienen. Als Stützorgane besitzen die Schwämme Hornfasern, Kieselnadeln oder Kalknadeln und werden nach diesen als Hornschwämme, Kieselschwämme und Kalkschwämme unterschieden. Die Moostiere sind für den Laien von den Polypentieren oder Cölenteraten kaum zu unterscheiden. Die Einzeltierchen besitzen aber einen besondern, in der Leibeshöhle befindlichen Magen, während bei den echten Cölenteraten die Leibeshöhle der Magen ist. - Unter den echten Cölenteraten unterscheiden sich die Riffkorallen (s. Korallen und Tafel 191/92 Abb. 2 u. 3) dadurch, daß die Stöcke sich aus einer weißen Kalkmasse aufbauen. Das Skelett der Rindenkorallen oder Gorgonien (zudenen auch die im Mittelmeer vorkommende rote Edelkoralle gehört) ist meist nicht weiß gefärbt, sondern rot bis braun oder schwarz. Ebenso sind die tubenförmigen Orgelkorallen rot gefärbt. Den baumartig verzweigten Rindenkorallen sind die Hydroidpolypenstöcke oft sehr ähnlich, aber meist kleiner und zarter gebaut. Weich und massig sind die Lederkorallen und Seefedern (s.d.). Große Einzelindividuen bilden die Seerosen oder Aktinien. Als frei lebende Tiere gehören zu den Cölenteraten die Quallen und Schwimmpolypen. Alle genannten Gruppen kommen in sämtlichen tropischen und subtropischen Meeren und deshalb an den Küsten unserer sämtlichen Kolonien vor.

Dahl.