Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 59 ff.

Pflanzungen. 1. Allgemeines. 2. Deutsch-Ostafrika. 3. Kamerun. 4. Togo. 5. Samoa. 6. Deutsch-Neuguinea. 7. Entwicklung der Pflanzungswirtschaft in den deutschen Kolonien.

1. Allgemeines. P. oder Plantagen nennt man größere landwirtschaftliche Unternehmungen zur Gewinnung von Bodenerzeugnissen in den Tropen, an deren Spitze als P. leiter meist ein Europäer mit tropenlandwirtschaftlicher Ausbildung (oft unterstützt durch P.assistenten) steht, welcher entweder selbst Unternehmer oder Angestellter des P.unternehmens ist, während die ausführende Arbeit von angeworbenen Eingeborenen oder eingeführten fremden Kontraktarbeitern besorgt wird. Trennung der Leitung von der ausführenden Arbeit ist wesentliches Merkmal der P. gegenüber den Kleinbetrieben der Eingeborenen. P. befinden sich in der Regel in den Händen von Europäern; jedoch gibt es vereinzelt auch P. von Eingeborenen. Die Frage, ob die deutschen Kolonien vorteilhafter durch Förderung der Eingeborenenkulturen oder der P. der Europäer erschlossen werden können, ist viel erörtert worden. Man muß sich aber hüten, dabei zu verallgemeinern, weil Landes- und Bevölkerungsverhältnisse in unseren Kolonien grundverschieden sind: eine Reihe der kleinen Südseeinseln z.B. kommt für größere Pflanzungen überhaupt nicht in Betracht; ebenso wird in Togo mit seiner dichten arbeitsamen Bauernbevölkerung für P. nie viel Raum sein; Deutsch-Neuguinea dagegen wird nur durch Plantagenwirtschaft mit importierten Arbeitskräften entwicklungsfähig sein. In unseren großen afrikanischen Kolonien weisen wieder die einzelnen Landschaften gänzlich verschiedenartige Verhältnisse hinsichtlich Boden, Klima und Bevölkerung auf. Im allgemeinen kann man wohl sagen: 1. In dicht besiedelten offenen Ländereien mit arbeitsamer Bevölkerung sind die Eingeborenen dazu berufen, die Produktion selbst in die Hand zu nehmen. Aufgabe der Regierung ist es hier, ihnen neue Kulturen oder Kulturmethoden zu übermitteln, jedoch nur solche, die dem Wirtschaftssystem der Eingeborenen und dem Klima angepaßt sind. 2. Waldländer mit geringer Bevölkerung können nur durch Europäerplantagen nutzbar gemacht werden. 3. Der Anbau von Pflanzen, die eine besonders sorgfältige Behandlung verlangen, deren Verwertung größere Anlagen mit Maschinen usw. erfordert, deren Ertragsfähigkeit erst nach mehreren Jahren eintritt, eignen sich nicht für Eingeborenenbetriebe, sondern nur für kapitalkräftige sachverständig geleitete Europäern. Europäer - P. bringen ungleich höhere Werte hervor als Eingeborenenkulturen. Wie aus einer Statistik der KolRundsch. (Aug. 1912) zu entnehmen ist, übertraf in Deutsch - Ostafrika und Kamerun schon 1910 der Wert der zur Ausfuhr gelangten Landbauprodukte von Europäerplantagen mit 7,34 Mill. M in Deutsch - Ostafrika und 2,88 Mill. M in Kamerun den Wert der von Eingeborenen herrührenden - 3,98 Mill. M in Deutsch - Ostafrika und 0,33 Mill. M in Kamerun - ganz erheblich. (Wenn trotzdem die Hauptworte der Gesamtausfuhr von Eingeborenen herrühren, so handelt es sich ganz überwiegend um Sammelprodukte.) Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß eine volle Nutzbarmachung unserer tropischen Kolonien in Afrika nur durch planmäßige Förderung der Europäerplantagen neben der der Eingeborenenkulturn reichen ist. Die P. haben anfangs viele bittere Enttäuschungen gebracht. Hauptsächlich war der Mangel an Erfahrung daran schuld. Die meisten Großkulturen wurden aus anderen Ländern eingeführt (z. B. Kautschuk, Sisal, Baumwolle in Deutsch -Ostafrika, Kakao und Kautschuk in S amoa, Kakao in Kamerun). Wie immer in solchen Fällen, können erst langjährige Anbauversuche zu einem sicheren Urteil darüber führen, in welchen Gegenden auf welchen Böden und unter welchen Arbeitsmethoden der Anbau lohnend ist; durch mühsames und kostspieliges Studium muß erprobt werden, welche Pflanzenvarietäten am wenigsten von einheimischen und eingeschleppten Schädlingen befallen werden, wie massenhaft auftretende Schädlinge zu bekämpfen sind usw. Wohl wurden manche Fehler gemacht, die sich vielleicht hätten vermeiden lassen, wenn man die Erfahrungen anderer Plantagenländer genügend gekannt und beachtet hätte; hierher gehören schlechte Bodenauswahl, zu enge Pflanzweite, unzweckmäßige Behandlung der Pflanzen und ihrer Produkte. Doch bleiben Mißerfolge und Rückschläge bei Neuländern nie aus; was dadurch verloren geht, muß man eben als "Lehrgeld" buchen. Empfindliche Verluste brachten einigen Kulturen die Preisschwankungen am Weltmarkt, denen ja die Erzeugnisse der tropischen Großkulturen überhaupt in weit höherem Maße ausgesetzt sind als die der heimischen Landwirtschaft, weil sie in der Regel nicht auf Absatz im Lande rechnen können, sondern mit denen aller anderen tropischen Länder auf dem Weltmarkt konkurrieren müssen. In einzelnen Fällen gingen P.unternehmungen zugrunde, weil sie von vornherein in unsolider Weise gegründet waren. Heute kann man im ganzen wohl sagen, daß wir über die schlimmsten Lehrjahre hinweg sind. Die neueren P. machen sich die Erfahrungen der älteren zunutze, und die Zahl der P., welche befriedigende Erträge abwerfen, nimmt immer mehr zu. Allerdings wurde mit der Ausdehnung der P.wirtschaft die Arbeiterbeschaffung andauernd schwieriger (s. Arbeiter), so daß von der Lösung dieser Frage die Zukunft der P. zum großen Teil abhängt.

2. Deutsch-Ostafrika. In Deutsch-Ostafrika wurden schon bald nach der Erwerbung der Kolonie P. angelegt, besonders von der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft (s.d.) und der Deutsch- Ostafrikanischen Plantagengesellschaft; die Resultate der ersten Jahre aber wurden durch den Aufstand wieder vernichtet. Der Anbau im großen konnte erst nach der völligen Pazifizierung des Landes, etwa seit 1894, in Angriff genommen werden. Von großer Bedeutung ist die Kultur von Faserpflanzen geworden. Der Anbau der 1893 aus Florida eingeführten Sisalagave (s.d.) hat sich sehr bewährt, während die Kultur der Baumwolle (s.d.) das Versuchsstadium noch nicht überwunden hat, wenn sie, auch im ganzen gute Fortschritte macht. Der früher ebenfalls auf.P. angebaute Mauritiushanf ist durch den Sisalhanf verdrängt worden; dagegen wendet man dem Kapokbaum (s. Kapok) seit einiger Zeit größere Aufmerksamkeit zu. Die wichtigste Kultur ist die des Kautschuks (Manihot Glaziovii, s. Kautschuk), die auch der bebauten Fläche nach an erster Stelle steht. DerTabakbau (s. Tabak) hat bisher sich nicht als lohnend erwiesen, ebensowenig die Kakaokultur und ein früher unternommener Versuch, im Panganital eine Zuckerrohr- (s.d.) Großkultur zu schaffen. Bei der Kultivierung der Kokospalme (s.d.) und des arabischen Kaffees (s. Kaffee) wurden anfänglich schwere Fehler gemacht und dadurch ein Rückgang dieser Kulturen verursacht; doch sind neuerdings bei dem Kaffeebau in den Händen von kleinen Pflanzungen befriedigende Ergebnisse zu verzeichnen, und auch die Kokospflanzungen erweisen sich als rentabel. Von kleineren Kulturen auf Europäer-P. in Deutsch - Ostafrika sind noch zu nennen: Pfeffer, Cardamom, Zimt, Vanille, Kampferbäume, Chinarindenbäume, Ylang-Ylang, Gerberakazien, Mais, Reis, Bananen. S.a. die einzelnen Kulturpflanzen. Unter den deutsch -ostafrikanischen P.unternehmungen sind hervorzuheben: Deutsche Agaven-Gesellschaft, Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft, East African Rubber Plantation Co., Kamna Rubber Estate Ltd., Kifulu Rubber Estates Ltd., Leipziger Baumwollspinnerei - P. Saadani, Lewa Rubber Estates Ltd., Manihot Rubber Plantations Ltd., Mombo Rubber Plantation Ltd., Mubesa Rubber Plantations Ltd., OstAfrikanische Kompagnie D.K.G., Ostafrikanische Pflanzungs - A.-G., Otto - Pflanzung Kilossa, Rheinische Handei - Plantagen - Gesellschaft, Westdeutsche Handels- und Plantagengesellschaft, Wilkins & Wiese. Die meisten dieser P. sind in der Nähe der beiden ins Innere führenden Bahnen gelegen. S.a. die einzelnen Unternehmen.

3. Kamerun. In Kamerun gruppieren sich die Europäerpflanzungen in der Hauptsache um den Kamerunberg, wo seit Mitte der 1890er Jahre eine Reihe von großen P.unternehmungen entstanden, nachdem durch kleinere P. erwiesen war, daß der Boden dort von hervorragender Fruchtbarkeit ist. Die wichtigste Kultur ist die des Kakao (s.d.); um aber nicht alles auf eine Karte zu setzen, haben alle P. daneben noch Kautschuk (früher Kickxia, -neuerdings Hevea) angebaut. Auch der Ölpalme (s.d.), die überall auf den P. wild wächst, wird seit einigen Jahren große Beachtung geschenkt. Die Anlage großer Ölpalmen - P. ist geplant. Versuche, den Tabak (s.d.) in Kamerun zu kultivieren, haben lange Zeit große Summen verschlungen, ohne daß es gelungen wäre, zu einer Rentabilität zu gelangen. Erst in jüngster Zeit ist es in den Manengubabergen gelungen, ein Deckblatt von hervorragender Qualität zu erzielen, und man hofft, daß nunmehr auch dem Tabakbau eine gute Zukunft beschieden sein wird. Mehlbananen (s. Bananen) werden überall ab Nahrung für die Arbeiter gebaut. Von einer P. ist der Versuch unternommen worden, Bananen für den europäischen Markt zu produzieren. Kolanüsse (s.d.) werden nur in geringen Mengen auf den Europäer - P. kultiviert. An wichtigen P. sind zu nennen: Deutsche Kamerun -Gesellschaft, Deutsche Kautschuk-A.-G., Idenau - Pflanzung, Kamerun-Kautschuk-Kompagnie, Kautschuk-Pflanzung Meanja, Moliwe Pflanzungsgesellschaft, Nyong Rubber Plantation Ltd., L. Pagenstecher, Tabakbau- und Pflanzungsgesellschaft Kamerun-A.- G., Westafrikanische Pflanzungsgesellschaft Bibundi, Westafrikanische Pflanzungsgesellschaft Victoria, C.Woermann, Bimbiapflanzung. S.a. die einzelnen Unternehmen.

4. Togo. Schwere Enttäuschungen erlebte man in Togo mit den ersten Europäer - P. Es zeigte sich, daß die Hauptmasse des Landes wegen der klimatischen Verhältnisse und der Armut des Bodens an Nährstoffen für die Anlage von P. nicht in Frage kommen kann; nur wenige Gegenden sind dafür geeignet. Den Kaffeebau hat man aufgegeben, die Kokospalmenkultur als Hauptkultur ist zurückgegangen. Gute Resultate hat man bei Agu mit Kakao und Sisal gewonnen, auch Manihot Glaziovii liefert befriedigende Erträge. Die wichtigsten P. sind: Agu-Pflanzungs- Gesellschaft, Kpeme-Pflanzungsgesellschaft, Togo-Pflanzungs-Gesellschaft; sie gehören sämtlich zu dem Konzern der Deutschen Togo-Gesellschaft. S. a. die einzelnen Unternehmen.

5. Samoa. Auf Samoa wurden schon lange vor der Erwerbung der Inseln durch Deutschland von dem Hamburger Hause Godeffroy & Sohn Kokosplantagen angelegt; sie wurden von der Nachfolgerin der Firma Godeffroy, der Deutschen Handels-und Plantagen-Gesellschaft der Südseeinseln (s.d.), noch sehr erheblich ausgedehnt. Seit 1883 wurden von ihr Versuche mit dem Anbau von Kakao gemacht und zwar mit hervorragend gutem Erfolg. Unter deutscher Herrschaft sind dann zahlreiche kleinere und einige größere P. entstanden, die sich vorwiegend mit der Kakaoanpflanzung befassen. Daneben wird Kautschuk (hauptsächlich Hevea) teils als Zwischenkultur des Kakaos, teils als Reinkultur, in größerem Umfang angebaut. Bananen liefern Nahrung für die Arbeiter. Neben dem oben genannten P.unternehmen sind noch erwähnenswert: Deutsche Samoa - Gesellschaft, Moors Samoan Trading and Plantations Ltd., Papaseea Plantations Ltd., Safata Samoa -Gesellschaft, Samoa - Kautschuk - Kompagnie, Upolu Rubber & Cacao Estates Ltd. (s.d. betr. Art.).

6. Deutsch-Neuguinea. In Deutsch-Neuguinea und den übrigen Südseeinseln spielt die Kokospalmenkultur ebenfalls die weitaus wichtigste Rolle. - Die Neuguinea-Kompagnie (s.d.) hat in Kaiser-Wilhelmsland ausgedehnte Flächen damit bepflanzt, und auf den Inseln sind zahlreiche kleinere und größere P. in den Händen von Einzelpflanzern und Handelsfirmen. Trotz der ungeheuren Schwierigkeiten bei der Arbeiterbeschaffung (s. Arbeiter) und der ungünstigen klimatischen Verhältnisse sind von der Neuguinea-Kompagnie, den Missionsstationen u. a. Versuche mit weiteren Kulturen gemacht worden. Erfolg hatte man dabei hauptsächlich mit Kakao, Kautschuk und Sisal. Den Anbau von Baumwolle und Tabak hat man ganz aufgegeben. Von kleineren Kulturen kommen noch in Betracht: Kaffee, Pfeffer, Kapok, Reis, Mais, Zitronella- und Lemongras (s.d.), Tiekbäume (s.d.). Neben der Neuguinea-Kompagnie sind von größeren P.unternehmungen hervorzuheben: Bismarckarchipel- Gesellschaft, Hamburgische Südsee-Aktion-Gesellschaft, Hernsheim&Co. A.-G., Heinrich Rudolf Wahlen G.m.b.H. - (Sämtliche hier genannten Unternehmungen sind in dem vorliegenden Lexikon einzeln unter ihrem Namen aufgeführt. Näheres v. der Heydts Kolonialhandbach, Kolonial - Handels -Adreßbuch, beide alljährlich, s. Pflanzungsgesellschaften).

7. Entwicklung der Pflanzungswirtschaft in den deutschen Schutzgebieten. Die Entwicklung der P. in den Jahren 1909/13 zeigt beigegebene Tabelle. Die Ausdehnung, der P. in den deutschen Kolonien wurde wesentlich gefördert durch eine Reihe von staatlichen Einrichtungen und durch private Initiative. 1891 wurde der Botanische Garten in Victoria (s.d.) angelegt und später zur "Versuchsanstalt für Landeskultur" mit dem Vorwerk Buea ausgebaut (s. Landwirtschaftliches Versuchswesen). Seit 1910 ist der Versuchsanstalt eine landwirtschaftliche Schule an gegliedert. Versuchsgärten (s.d.) wurden bei den meisten Regierungsstationen geschaffen. In Deusch - Ostafrika gewann neben manchen anderen Versuchsstationen besonders das 1902 errichtete Biologisch - Landwirtschaftliche Institut Amani (s. Amani) mit seinen Zweigstellen und die frühere Kulturstation Kwai (s.d.) eine hervorragende Bedeutung für die Entwicklung des Landes. Der Förderung der Baumwollkultur dienen die Saatzuchtstationen in Mabama, Mahiwa, Mpanganya, Myombo und Kibongoto in Deutsch- Ostafrika, Kamaa Und Nuatjä (1913 umgewandelt in eine "Landeskulturanstalt") in Togo; auf der landwirtschaftlichen Station am Kilimandscharo sucht man in der Hauptsache einen brauchbaren Zigarettentabak zu gewinnen. Sehr wertvolle Resultate ergaben die Versuchspflanzungen der einzelnen P.unternehmungen und der Missionen. In Deutsch -Neuguinea und Samoa befindet sich das landwirtschaftliche Versuchswesen in Vorbereitung. In der Heimat wirkt seit 1891 die Botanische Zentralstelle für die Kolonien in Berlin (s.d.) als Auskunftsstelle und Versandstelle für Sämereien. Neben ihr ist seit 1909 die Zentralstelle des Hamburgischen Kolonialinstituts als Auskunftsstelle für alle kolonialwissenschaftlichen und - wirtschaftlichen Fragen tätig (s. Hamburgisches Kolonialinstitut). Außerordentliche Verdienste um die Hebung der P.wirtschaft erwarb sich die Deutsche Kolonialgesellschaft (s.d.) und ganz besonders ihr wirtschaftlicher Ausschuß, das Kolonialwirtschaftliche Komitee (s.d.), ferner die Kolonialabteilung der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (s.d.). S.a. Pflanzungsgesellschaften.

Literatur: Die amtlichen Denkschriften über die Entwicklung der Schutzgebiete. - Der Tropenpflanzer. - Der Pflanzer. - Berichte über Land- und Forstwirtschaftin Deutsch-Ostafrika. - Englers Botanische Jahrbücher. Notizblätter des botanischen Gartens in Dahlem. -Meyer, Das deutsche Kolonialreich. 1909, 2 Bde. -Barth, Unsere Schutzgebiete nach ihren wirtschaftlichen Verhältnissen. 1909. - Stuhlmann, Beiträge zur Kulturgeschichte Ostafrikas. 1910. -Schneiders Jahrbuch über die deutschen Kolonien, Jahrg. III (1910) ff.