Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 64

Phosphat. Als Ph. werden im Handel im wesentlichen sehr phosphorsäurereiche Kalke bezeichnet, die auf einigen Südseeinseln (Koralleninseln) in sehr großen Mengen vorkommen und als wertvolle Düngemittel gewonnen werden. Entstanden sind diese Ph. durch Einwirkung der in ungeheuren Mengen dort angehäuften bzw. angehäuft gewesenen, sehr phosphorsäurehaltigen Exkremente von Seevögeln auf dem Korallenkalk, wodurch dieser großenteils in Trikalziumphosphat umgewandelt wurde. Die Hauptphosphatlagerstätten sind die Marshallinsel Nauru (s.d.) und die Palauinsel Angaur (s.d.). Außerdem finden sich Ph.lager auf verschiedenen Inseln des Bismarckarchipels (Purdyinseln, Hermitinseln) und der Karolinen (Feis). Es finden sich dort zwei verschiedene Sorten von Ph.; ein gelbes, körniges, "sandiges" Ph., das aus kleinen, konzentrisch schalig aufgebauten Körnchen von 1 - 3 mm Durchmesser besteht, die zum Teil nicht nur intensiv gelb sondern oft sogar dunkelrotbraun gefärbt sind, und ein weißes oder sehr hell gefärbtes, dichtes "toniges" Ph., das staubfein wie Ton ist und sich von diesem zum Teil ohne Analyse überhaupt nicht unterscheiden läßt. Es enthält in sich öfter noch harte, feste Klumpen der andern Ph.sorte. Nach den veröffentlichten Analysen sollen die Phosphate von Angaur (Palauinseln) 20 - 29 % reine Phosphorsäure und 18 - 21 % kohlensauren Kalk sowie 1,39 % Stickstoff enthalten; die Ph. der Karolinen 19 -28,4 % kohlensauren Kalk und 27 - 33% reine Phosphorsäure. Auf Naurti bedeckt das lockere, kiesartige Phosphat etwa 1800 ha in einer durchschnittlich 5 - 6 in, aber zum Teil 13 ja bis 15 m mächtigen Ablagerung. Es wird unterlagert von einem wild zerklüfteten, "verschratteten" Korallendolomit, der stellenweise selbst noch dünne, feste Rinden von Phosphat aufweist. In dem lockeren Phosphatkies stecken zum Teil große, bis 3 Tonnen schwere Klumpen von Phosphat. Der feinste Phosphatsand enthält 83-85 % Tricalciumphosphat, das grobe Phosphat 86-90 %. Das Phosphat hat sich dort zum Teil in oolitischer, zum Teil in schön gebänderter, "Achat"artiger Form abgeschieden; zum Teil bildet es braune, spröde Rinden von einer ganz besonderen, fluorhaltigen Zusammensetzung, die als Nauruit (s.d.) bezeichnet werden. Der Vorrat von Ph. auf Angaur wird zu reichlich 2,5 Mill. Tonnen geschätzt, der von Nauru gar auf 40 -150 Mill. Tonnen. Verschifft wurden von Angaur 1911: 45 000 Tonnen im Werte von 1 260 000 M und von den Marshallinseln 1911: 88 460 Tonnen im Werte von 5 307 780 M. Im Jahre 1910 wurden im ganzen 178 633 t exportiert im Werte von 9 479 445 M, davon 143 000 t von Nauru. 1911/12 wurden dagegen nur 133 113 t im Werte von 6 557 980 M verschifft. S.a. Bergbau.

Literatur: Elschner, Korallogene Phosphatinseln Austral - Ozeaniens und ihre Produkte. Lübeck 1913.

Gagel.