Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 66

Pirole, Oriolidae, Vögel von Drossel- oder Starform, aber mit sehr kurzen Läufen, mit vorherrschend gelber Befiederung. Sie sind über die östliche Erdhälfte, vorzugsweise über tropische Länder, in einzelnen Arten aber über Striche mit gemäßigtem Klima verbreitet; die Mehrzahl bewohnt Indien und die Malaiischen Inseln. Die P. sind Waldvögel, halten sich im Laubwerk der Bäume auf und nähren sich von Insekten, die sie von den Zweigen ablesen, Früchten und Beeren. Die Männchen lassen Laute, klangvoll flötende Rufe hören, daneben aber auch wie die Weibchen unrein krächzende Töne. Die napfförmigen oder flach beutelförmigen Nester werden mit ihrem Rande an Zweiggabeln angewebt. Die Eier sind auf weißem oder rötlichweißem Grunde rötlichbraun und schwarz getüpfelt. - In Westafrika sind der gelbköpfige, dem europäischen P. ähnliche Oriolus auratus und die schwarzköpfigen O. laetior in Kamerun und O. brachy - rhynchus in Togo häufig, ihnen entsprechen in Ostafrika O. notatus und der schwarzköpfige O. rolleti. - Eine durch unscheinbares braunes, schwarz gestricheltes Gefieder abweichende Form, Mimeta striata, lebt in Neuguinea. - In Kiautschou wird Oriolus indicus angetroffen, der unserem P. ähnlich und über Indien und China verbreitet ist. Auf den polynesischen Inseln gibt es keine P.

Reichenow.