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Pocken. 1. Begriff. 2. Verbreitung. 3. Symptome. 4. Schwarze Pocken. 5.
Sterblichkeit. 6.
Bekämpfung. 7. Behandlung. 8. Prophylaxe.
1. Begriff. Die P. sind eine akute, hochgradig kontagiöse, fieberhafte
Infektionskrankheit, die hauptsächlich gekennzeichnet ist durch das Auftreten
eines spezifischen Hautausschlags in Form von Knötchen-, Blasen- und
Pustelbildung, die charakteristische eingezogene Narben, namentlich im Gesicht,
hinterläßt. Die Erreger der Krankheit finden sich im Inhalt der Pusteln und
werden durch Kontakt übertragen. - Andere Benennungen: Blattern; lat.: Variola,
Febris variolosa; franz.:
variole, petite vérole; engl.: small -pox.
2. Verbreitung. 'Die Empfänglichkeit aller Rassen für die Krankheit ist
eine sehr große, die Ausbreitung eine schnelle. Dementsprechend gehörten
die P. schon in alten Zeiten zu den am meisten verbreiteten und
gefürchteten
Volkskrankheiten. Auch heutzutage sind sie noch eine der gefährlichsten
"Volkskrankheiten" im wahren Sinne des Wortes für die meisten
Eingeborenenstämme
in tropischen und auch anderen Ländern. Insbesondere auch erliegen in
unseren Kolonien selbst nach Einführung der Impfung (s.d.) jährlich noch
viele Eingeborene den P., so z.B. namentlich in Kamerun und Togo. Eine
Durchimpfung der ganzen Eingeborenenbevölkerung in
unseren
Kolonien mit wirksamer Lymphe dürfte
noch manche Jahre in Anspruch nehmen. In Deutschland sind die P. seit
Einführung des Impfzwangs zur Seltenheit geworden.
3. Symptome. Die Krankheit beginnt 10 - 14 Tage nach der Ansteckung mit
mehr oder minder heftig einsetzenden Symptomen: Kreuz- und Kopfschmerzen,
Schwindel, Erbrechen, Schüttelfrost (nicht immer) und Fieber, meist mittleren
Grades. Hinzu kommen im Initialstadium: Abgeschlagenheit, Schlaflosigkeit,
Schlingbeschwerden und am 2. oder 3. Tage eine meist zusammenhängende,
scharlachartige Rötung der Körperhaut. In dieser Zeit schon sind häufig
Herzangst und Rückenschmerzen sehr ausgesprochen. Dann folgt das sog.
"Eruptionsstadium" mit Beginn der eigentlichen P.bildung, zunächst im Gesicht,
dann aber auch schubweise an anderen Körperteilen, auf Rücken, Brust, Bauch,
Armen, Beinen usw. - Die Temperaturen Fallen in
der Regel im 2. Stadium, um dann am 8. und 9. Tage der Erkrankung, im sog.
Suppurations- (Eiterungs-) stadium, ev. mit Schüttelfröst, wieder anzusteigen.
Die Pusteln vereitern jetzt. Dabei kann das Fieber eine lebensbedrohende Höhe erreichen. In
diesem Stadium können auch insbesondere die auf Schleimhäuten entstandenen P.
gefährlich werden (Erstickungsgefahr u. dgl.). Vom 10. bis 12. Krankheitstage an
trocknen die P. wieder ein (Exsikkations-, Eintrocknungsstadium). Dabei
entstehen Narben, die meist für das ganze Leben sichtbar bleiben und ev. auch -
wenn P.pusteln zusammengeflossen waren -, arge Entstellungen zurücklassen
können.
4. Schwarze Pocken. Eine besonders schwere Form sind die sog. "schwarzen
Pocken", die man für eine Mischinfektion hält. Zu den stürmischen Erscheinungen
kommen am 4. oder 5. Krankheitstage nach unförmlicher Schwellung von Haut und
Schleimhäuten unstillbare Blutungen (hämorrhagische P.) aus Nase, Zahnfleisch,
Darm, Lungen, Magen usw., die stets zum Tode führen.
5. Sterblichkeit. - Die Sterblichkeit bei der nicht komplizierten
P.erkrankung
ist bei verschiedenen Epidemien verschieden. Je nach der Bösartigkeit
der Epidemien (Komplikationen) wird sie erhöht. Viele Millionen Menschen
sind der Seuche zum Opfer gefallen, und es sterben auch jetzt noch
Hunderttausende
jährlich an P. Immerhin hat die Ausdehnung der Krankheit und die
Sterblichkeit
seit Einführung der Impfung (s.d.) ganz
enorm abgenommen.
6. Bekämpfung. Isolierung der Kranken und der mit ihnen in Berührung
gekommenen Angehörigen usw.; Schutzimpfungen bei allen Ansteckungsverdächtigen
und sonstigen Gefährdeten; Desinfektionen wie bei allen ansteckenden
Krankheiten.
7. Behandlung. Ein spezifisches Heilmittel kennen wir nicht. Zweckmäßig
hält man die isolierten Kranken in einem 15° warmen, verdunkelten Zimmer so
lange, bis sie völlig geheilt sind. Gegen die einzelnen Symptome werden vom
Arzte Verordnungen gegeben. Auf sorgfältige
Diät ist besonders zu achten.
8. Prophylaxe. Das beste Schutzmittel ist die Schutzpockenimpfung (s. Impfung).
Literatur: Eulenburgs Realenzyklopaedie.
Mühlens.
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