Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 71 ff.

Polizeitruppen (s. farbige Tafeln Uniformen).

1. Entwicklung, 2. Stellung. 3. Weiße Angehörige. 4. Farbige Angehörige. 5. Die Landespolizei von Deutsch-Südwestafrika. 6. Deutsch-Ostafrika. 7. Kamerun. 8. Togo. 9. Deutsch-Neuguinea. 10. Samoa. 11. Kiautschou.

1. Entwicklung. In den sämtlichen deutschen Schutzgebieten war die Errichtung einer P. (in Ostafrika der Wissmann-Truppe, s. Araberaufstand) der Ausgangspunkt der Bildung einer militärischen Macht. Aus diesen Truppen gingen wenige Jahre später in Ostafrika, Kamerun und Südwestafrika die Schutztruppen hervor (s.d.). Nach und nach führte dann in den drei Schutzgebieten das Streben, die vorhandene Militärmacht von lokalen Verwaltungsaufgaben zu befreien und die Notwendigkeit, den lokalen Verwaltungsbehörden militärisch ausgebildete Vollzugsorgane zur Verfügung zu stellen, dazu, daß aus den Schutztruppen einzelne Teile als P. abgesondert und der Zivilverwaltung unterstellt wurden. Anfangs blieben diese P. in den drei Schutzgebieten noch in engerer Verbindung mit den Schutztruppen. Die Ausdehnung des Gebietes der Zivilverwaltung brachte ein rasches Anwachsen der P. mit sich, bis ihre Stärke und ihre Bedeutung in dem gesamten Verwaltungsapparat des Schutzgebietes die besondere Organisation der P. unter völliger Loslösung von der Schutztruppe notwendig machte. So besitzt jetzt Deutsch - Südwestafrika eine nur aus Weißen gebildete berittene Landespolizei von mehr als einem Viertel der Kopfstärke der Schutztruppe. In Deutsch -Ostafrika und Kamerun stehen die P. in bezug auf die Zahl der farbigen Mannschaften wenig hinter den Schutztruppen zurück. In Togo ist die Entwicklung infolge der friedlichen Verhältnisse des Schutzgebietes insofern in dem ersten Stadium stehen geblieben, als die Umwandlung der seit der Besitzergreifung vorhandenen P. in eine Schutztruppe nicht erfolgte, obwohl in dem Schutztruppengesetz vom 7.-18. Juli 1896 (RGBI. 187, 653), die gesetzliche Ermächtigung dazu gegeben war. In Deutsch- Neuguinea, wo die P. mit. der Ausdehnung des Machtbereichs der Verwaltung auf mehr als 800 Mann angewachsen ist, erfolgt gegenwärtig ihre Ausgestaltung nach dem Muster von Togo.

2. Stellung. Die P. sind, im Gegensatz zu den militärischen Schutztruppen (s.d.), Einrichtungen. der Zivilverwaltung. Die weißen Angehörigen der P. sind Beamte. Sie unterstehen den bürgerlichen Gerichten und bezüglich ihres Dienstverhältnisses und der Dienätdisziplin dem für Zivilbeamte geltenden Recht. Die Angehörigen der'P. sind Vollzugsorgane in der Hand der Verwaltungsbehörden. Ihre Aufgaben liegen in erster Linie auf den Gebieten, die ein selbständiges Tätigwerden einzelner Organe erfordern. Es ist deshalb auch nicht notwendig, daß dem obersten Beamten der P., dem Polizeiinspekteur, eine direkte Befehlsgewalt über alle Teile der P. zusteht.

3. Weiße Angehörige. Die weißen Angehörigen der P. sind als solche Kolonialbeamte (s.d.). Teils sind sie aus den Schutztruppen oder aus der Armee zur Verwendung bei der Zivilverwaltung der Schutzgebiete abkommandiert und alsdann Militärpersonen, die die Funktionen von Zivilbeamten wahrnehmen und in der Ausübung dieser Funktionen den auf die Beamten bezüglichen Bestimmungen des bürgerlichen Strafgesetzbuchs sowie dem Beamten - Disziplinarrecht unterliegen. Teils stehen sie ausschließlich im Zivilbeamtenverhältnis. Eine Ausnahme bilden zurzeit die nichtbeamteten weißen Polizisten der Landespolizei in Deutsch - Südwestafrika. Es handelt sich dabei um eine Versuchseinrichtung. Als Polizeiinspekteure und Führer der Stammkompagnien bei den P. finden ausschließlich aktive Offiziere der Armee und der Schutztruppen Verwendung, die zu diesem Zweck zur Zivilverwaltung abkommandiert sind. Sie erhalten für die Dauer ihrer Verwendung in den Schutzgebieten die Bezüge eines Schutztruppenoffiziers des gleichen Dienstgrades (s. Diensteinkommen). - Bei der berittenen Landespolizei in Deutsch - Südwestafrika finden nur aus der Schutztruppe dieses Schutzgebietes oder aus berittenen Truppenteilen abkommandierte Offiziere Verwendung. Die Einstellung in die P. der übrigen Schutzgebiete ist nicht auf bestimmte Waffengattungen beschränkt. Über die Uniform der zur Dienstleistung in der Zivilverwaltung nach den Schutzgebieten abkommandierten Offiziere hat die Allerhöchste Kabinettsorder vom 30. Juli 1912 (KolBl. 925) Bestimmung getroffen. - Die Unterbeamten der P. ergänzen sich hauptsächlich aus Unteroffizieren der Armee und der Schutztruppen, die sechs Jahre aktiv gedient haben. Als Polizeisergeanten worden in DeutschSüdwestafrika nur Unteroffiziere aus berittenen Truppenteilen eingestellt, für den Polizeidienst in den übrigen Schutzgebieten werden Infanterie- und Pionierunteroffiziere bevorzugt. Betr. Bezüge s. Diensteinkommen. Unteroffiziere der Armee, die in eine P. übertreten, scheiden aus dem Heere aus. Es steht ihnen jedoch ein Anrecht zum Rücktritt in den früheren Truppenteil, auch ohne formelle Zusicherung bei ihrem Ausscheiden aus dem Kolonialdienst zu, sofern alsdann Bedenken gegen ihre Würdigkeit und körperliche Brauchbarkeit nicht bestehen (V. des Kriegsministers vom 1. Okt. 1910, Armee - Verordnungsbl. 264). Bei der Stammkompagnie der P. von Kamerun finden Unteroffiziere Verwendung, die von der Schutztruppe abkommandiert werden, ohne aus der Schutztruppe auszuscheiden. - Auf die Beamten der P. findet das Kolonialbeamtengesetz nur insoweit Anwendung, als nicht durch ksl. V. abweichende Vorschriften erlassen sind (§ 55 des Gesetzes vom 8. Juni 1910, RGBL 881). Die auf Grund dieser Bestimmungen ergangenen Verordnungen bezwecken zum Teil mit Rücksicht auf den militärischen Charakter der P. eine Verschärfung des Dienstdisziplinarrechts. Die durch § 55 KolBG. aufrecht erhaltene Verordnung betr. die Rechtsverhältnisse der Landespolizei in Deutsch -Südwestafrika vom 4. Okt. 1907 bezweckt weiter noch, den Unteroffizieren der Armee und der Schutztruppen den Übertritt in die Landespolizei dadurch zu erleichtern, daß an Stelle des Beamtenpensionsrechtes für die Unterbeamten der Landespolizei in Südwestafrika im wesentlichen die für die Personen der Unterklassen der Schutztruppen geltenden Versorgungsbestimmungen (Mannschaftsversorgungsgesetz vom 31. Mai 1906, RGBl. 593 und Militärhinterbliebenengesetz vom 17. Mai 1907, RGBL 214) treten. Die Vorschriften des ReichsBG. über militärische Unternehmungen finden auf die Unternehmungen der P. entsprechende Anwendung (§ 56 KolBG.). Es besteht also die Möglichkeit, daß den Kolonialbeamten, die an einer kriegerischen Unternehmung der P. teilgenommen haben, nach der Bestimmung des Kaisers zu der wirklichen Dauer der Dienstzeit ein Kriegsjahr hinzugerechnet wird. Darüber hinaus finden zugunsten der Offiziere, die zu einer P. kommandiert sind, ferner zugunsten der Angehörigen der Unterklassen der Landespolizei in Deutsch - Südwestafrika und der Hinterbliebenen von solchen Angehörigen der P. die Bestimmungen des Offizierspensionsgesetzes vom 31. Mai 1906 (RGBI. 565) bzw. des Mannschaftsversorgungsgesetzes und des Militärhinterbliebenengesetzes über Kriegsversorgung Anwendung. - Den in den Dienst der P. übertretenden Unteroffizieren kann bei Erfüllung der vorgeschriebenen Bedingungen der Zivilversorgungsschein erteilt werden (s. Militäranwärter). - Die der Klasse der Unteroffiziere angehörigen Unterbeamten der Landespolizei in Deutsch - Südwestafrika, Deutsch- Ostafrika und Kamerun erhalten nach 12jähriger Dienstzeit eine Dienstprämie von 1000 M Bei der Berechnung der 12jährigen Dienstzeit wird die in der Armee, der Marine oder in den Schutztruppen zugebrachte Dienstzeit mitgezählt. In Togo, Deutsch-Neuguinea und Samoa ist die Dienstprämie vorläufig noch nicht eingeführt.

4. Farbige Angehörige. Die farbigen Angehörigen der P. sind nicht Beamte. Sie rekrutieren sich in den sämtlichen Schutzgebieten im Gegensatz zu früher jetzt in der Hauptsache aus den Eingeborenen des betreffenden Schutzgebietes. - Das DienstVerhältnis der farbigen Angehörigen der P. regelt sich in zivilrechtlicher, disziplinar- und strafrechtlicher Beziehung nach dem für Eingeborene des betreffenden Schutzgebietes geltenden Recht. Jedoch sind die Gouverneure von Deutsch - Ostafrika, Kamerun und Togo ermächtigt, Vorschriften und Anordnungen zu erlassen, welche für die farbigen Angehörigen der P. das Strafrecht sowie die Ausübung der Strafgerichtsbarkeit und Disziplinargewalt abweichend von dem für die übrigen Eingeborenen des Schutzgebietes geltenden Recht regeln (V. des RK. vom 5. Febr. 1912, KolBl. 193). Auf Grund dieser Ermächtigung sind die farbigen Ange. hörigen der P. in diesen Kolonien einem militärischen Straf- und Disziplinarrecht unterstellt worden. - Unter den P. nimmt die berittene Landespolizei in Deutsch-Südwestafrika deshalb eine besondere Stellung ein, weil sie ausschließlich aus Weißen besteht, während die P. der übrigen Schutzgebiete, aus Eingeborenen gebildet sind und nur von weißen Beamten geführt werden.

5. Die Landespolizei in Deutsch -Südwestafrika. Nachdem bereits im Etat für 1889/90 ein Fonds von 80 000 M für Polizeizwecke ausgebracht war, forderte der Etat 1890/91 Mittel für die Errichtung einer Polizeimacht, die aus einer berittenen deutschen Truppe von etwa 50 Mann unter einem Hauptmann, einem Leutnant und acht Unteroffizieren sowie einem Kontingent Fingeborener bestehen sollte. Diese sich bald vermehrende Polizeimacht ging bald in die Schutztruppe über, ein Vorgang, der durch das Gesetz vom 9. Juni 1895 (RGBI. 258/269) betr. die Verwendung von Schutztruppen in Deutsch - Südwestafrika und Kamerun und das Gesetz vom 7. Juli 1896 betr. die Schutztruppen in Deutsch - Südwestafrika und in Kamerun (RGBI. 187) die gesetzliche Sanktion fand. Durch Verfügung des Landeshauptmanns vom 14. Febr. 1894 wurde von dieser Truppe ein kleines Polizeikorps, bestehend aus 5 Weißen und 5 Eingeborenen unter einem weißen Unteroffizier, zur Unterstützung der Ortspolizeibehörde in Windhuk abgezweigt. Die Notwendigkeit, das Schutzgebiet behufs Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit mit einem Netz von Stationen besetzt zu halten, brachte es mit sich, daß die Schutztruppe in zwei Teile zerlegt blieb, von denen der kleinere, die Feldtruppe, zunächst in Windhuk vereinigt wurde, der größere, dieDistriktstruppe, auf die zu Distriktsverbänden zusammengeschlossenen Stationen entfiel. Die Militärdistrikte gestalteten sich allmählich zu Polizeidistrikten um, die Distriktstruppen wurden zu Polizeitruppen. Der größte Teil der Mannschaften dieser Polizeitruppen war von der Schutztruppe zur Zivilverwaltung des Schutzgebietes abkommandiert und blieb dabei im Unterordnungsverhältnis zu den Vorgesetzten in der Schutztruppe. Daneben wurden jedoch von den Zivilverwaltungsbehörden auch bereits einzelne Zivilpolizisten, durchweg ehemalige Angehörige der Schutztruppe eingestellt, und eingeborene Polizisten direkt angeworben. Die Ersetzung dieser Polizeitruppe durch ein nach dem Muster der heimatlichen Schutzmannschaften zu bildendes Zivilpolizeikorps war bereits bei Beginn des Hereroaufstandes (s.d.) beschlossene Sache, musste jedoch wegen. des Krieges noch vertagt werden. Nach Niederschlagung des Aufstandes und Heimsendung des größten Teils der während der Aufstandszeit erheblich angewachsenen Schutztruppe gelangte die Neuorganisation zur Durchführung, wobei das Streben der Verwaltung hauptsächlich darauf gerichtet war, in der Landespolizei dem Sicherheitsdienst in dem Schutzgebiete während der Aufstandszeit erprobte, landeskundige Unteroffiziere der Schutztruppe zu erhalten. Aus diesem Streben heraus erklären sieh die besonderen Bestimmungen des Dienstvertrages, der mit diesen Beamten geschlossen wurde, und der Verordnung, betreffend die Rechtsverhältnisse der Landespolizei in Deutsch - Südwestafrika vom 4. Okt. 1907 (RGBl. 736). - Nach der Denkschrift zum Ergänzungsetat 1907 ist der Zweck der Landespolizei in ihrer neuen Gestalt, "den Grenz- und Farmschutz zu übernehmen, die Ordnung in den größeren Ortschaften, an den Bahnlinien und in den Minendistrikten aufrechtzuerhalten, sowie den Diebereien Einhalt zu tun, die noch für absehbare Zeit zu erwarten sind". - Die Landespolizei untersteht zunächst dem Gouverneur, den Bezirksamtmännern und Distriktschefs. Zur Überwachung der notwendigen militärischen Eigenschaften, besonders des Schieß- und Reitdienstes, sowie zur Beaufsichtigung der Bekleidung, Ausrüstung und Pferdewirtschaft sind der Landespolizei ein Inspekteur und sechs Inspektionsoffiziere zugeteilt. Zur Aufrechterhaltung einer einheitlichen, gründlichen Ausbildung und Haltung der Truppe bestehen (ursprünglich 4) seit 1913 zwei Polizeidepots in Kupferberg und Spitzkoppe. Die Verwaltungsbezirke sind in drei Inspektionsbezirke zusammengefaßt, in denen je ein Inspektionsoffizier tätig ist. Nach dem Organisationsplan von 1907 sollte die Truppe aus 720 Polizeiwachtmeistern und Polizeisergeanten bestehen. Die angegebene Kopfzahl wurde jedoch nie erreicht. Die tatsächlich vorhandene Zahl der Polizeiwachtmeister und Polizeisergeanten stieg von 162 am 1. April 1908 auf 520 im Jahre 1911 und hat sich seitdem ungefähr auf dieser Höhe gehalten. Da Meldungen aus der Schutztruppe nicht in ausreichender Zahl erfolgten, wurden in der Zeit von 1907 bis jetzt im ganzen 184 Unteroffiziere aus der Armee und 18 deutsche Schutzleute zwecks Einstellung in die Landespolizei von Deutschland aus nach Deutsch - Südwestafrika, entsandt. Im Jahre 1909 ging man dazu über, außer Polizeiwachtmeistern und Polizeisergeanten auch noch nicht im Beamtenverhältnisse stehende weiße Polizisten mit Privatdienstvertrag einzustellen. Als Polizisten sollten ortskundige Landeseingesessene Verwendung finden, die die. Voraussetzungen zur Einreihung als Polizeisergeanten nicht erfüllten. Die Polizisten bildeten bisher nur einen verschwindenden Teil der Gesamtstärke der Landespolizei. Die Organisation von 1907 ließ für eingeborene Polizisten keinen Raum mehr. Eingeborene finden bei der Landespolizei nur noch als Polizeidiener Verwendung, die den Boten- und Führerdienst bei Patrouillenritten sowie die Beaufsichtigung der eingeborenen Gefangenen bei der Arbeit zu übernehmen haben. Den Polizeiwachtmeistern und Polizeisergeanten der Landespolizei ist, abgesehen von dem durch die Ksl. V. vom 4. Okt. 1907 für sie geschaffenen besonderen Pensionierungs- und Disziplinarrecht noch insofern eine besondere RechtssteRung eingeräumt, als sie nach den mit ihnen geschlossenen Dienstverträgen nur beim Vorliegen besonderer Voraussetzungen entlassen werden können. Die Kündigung des Dienstverhältnisses hat zur Voraussetzung, daß einer der Gründe vorliegt, aus welchen nach § 22 der SchtrO. das Ausscheiden eines Angehörigen der Ksl. Schutztruppe vor dem Ablauf der übernommenen Dienstverpflichtung verfügt werden kann. Auch dann noch ist die Kündigung nur unter Einhaltung einer dreimonatigen Frist statthaft. - Über die Uniform der Angehörigen der Landespolizei ist in einer vom Gouverneur erlassenen Bekleidungsvorschrift vom 28. Sept. 1907 (KolBl. 1908, 11) Bestimmung getroffen. Sie besteht aus braunem weichen Haarfilzhut, auf der hochgeschlagenen rechten Seite befindet sieh eine 5 cm hohe und 5 cm breite Kaiserkrone aus vergoldetem Metall, Mütze aus braunem Sergestoff mit grünem Mützenband und Vorstoß, brauner Sergelitewka mit Kragen aus grünem Tuch, Achselklappen aus graugrünem Tuch und vergoldeten Kaiserkronenknöpfen, Beinkleid aus brauner Serge mit graugrünem Vorstoß. - Nach dem Etatsentwurf 1913 beträgt bei einem Personalbestand von 1 Stabsoffizier, 2 Hauptleuten, 4 Oberleutnants, 1 Zahlmeister, 2 Unterzahlmeistern, 5 Assistenten, 1 Büchsenmacher, 68 Polizeiwachtmeistern, 432 Polizeisergeanten, 50 im Vertragsverhältnis stehenden Polizisten der Gesamta wand für die Landespolizei 3 811 620 M gegenüber 13 826 773 M Aufwand für die 1 967 Köpfe zählende Schutztruppe.

6. Deutsch-Ostafrika. In Deutsch-Ostafrika wurde durch Gouvernementsbefehl vom 1. Febr. 1892 die Schutztruppe in eine eigentliche Schutztruppe und eine P. geteilt, nachdem schon vorher durch Gouvernementsbefehl vom 21. Nov. 1891 den damals bestehenden Bezirksämtern "Polizeisoldaten" aus der Schutztruppe zugeteilt worden waren. Wie die "Distriktstruppe" in Deutsch - Südwestafrika blieb auch diese P. ein Teil der Schutztruppe. Sie sollte in erster Linie für den Dienst an der Küste bestimmt sein, während den. übrigen 6 Kompagnien der Schutztruppe als Feldtruppe die Sicherung der Karawanenstraßen und der Missionen sowie die allmähliche Aufschließung des Innern als Aufgabe zugewiesen wurde. 1892 betrug die Stärke der P. 6 Offiziere, 14 weißes Unterpersonal, 398 Farbige. Die Kopfstärke der Schutztruppe betrug gleichzeitig 1678 Mann. 1894/95 ging man dazu über, die bis dahin im Verbande der Schutztruppe geführte P. der Zivilverwaltung unmittelbar zu unterstellen. Sie sollte von der Schutztruppe mit der Maßgabe getrennt werden, daß das europäische Personal der P., 1 Polizeioffizier und 10 Polizeiunteroffizere, unter Übernahme der Besoldung auf Fonds der Zivilverwaltung von der Schutztruppe abkommandiert wurden. Die Schutztruppe wurde gleichzeitig von 6 auf 12 Kompagmen gebracht, die farbige Polizeitruppe auf 6 farbige Offiziere, 12 farbige Unteroffiziere und 240 Askaris verringert. Die Übernahme neuer Bezirke in die Zivilverwaltung brachte die Vermehrung der Polizei mit sich. 1905 war ihre Stärke 24 europäische, 48 farbige Unteroffiziere, 620 Askaris, 2 Maschinengewehre, 2 Revolverkanonen. Während des Aufstandes (s. Deutsch - Ostafrika, 17. Geschichte) wurde sie auf 63 farbige Unteroffiziere und 1057 Askaris gebracht. Mit dem 1. Sept. 1906 setzte wieder eine Neuorganisation ein. Die sämtlichen Polizeiabteilungen wurden mit dem 1. Sept. 1906 von der Schutztruppe losgelöst. Die Leitung des gesamten Polizeiwesens des Schutzgebietes übernahm ein von der Schutztruppe abkommandierter Offizier als Polizeiinspekteur. In Daressalam entstand ein Polizeirekrutendepot mit einem zweiten Offizier als Depotführer. Die aus der Schutztruppe abkommandierten weißen Unteroffiziere wurden allmählich durch ausschließlich im Zivilbeamtenverhältnis stehende Polizeiwachtmeister ersetzt. Der neuorganisierten P. gehörten 2 farbige Offiziere (Effendi), 120 farbige Unteoffiziere und 1578 Askaris an. Nach dem Etat 1913 ist der Bestand der P. in Deutsch-Ostafrika folgender: 1 Polizeiinspekteur, 3 Polizeioffiziere, 1 Sekretär, 1 Oberfeuerwerker, 2 Waffenmeister und 57 Polizeiwachtmeister. An Farbigen weist die P. auf 12 Unteroffiziere und 108 Askaris bei dem Depot, 135 Unteroffiziere und 1785 Askaris verteilt in den Verwaltungsbezirken. Farbige Offiziere werden bei der P. nicht mehr verwendet. Die P. besteht sonach aus:

Über die Uniform der Polizeiwachtmeister ist durch Erl. des RKA. vom 27. Okt. 1906 und 16. März 1912 Bestimmung getroffen. Sie besteht aus Tropenhelm mit Kakibezug, schwarzweißroter Kordel, fächerartiger deutscher Kokarde und darüber kleinem vergoldeten Reichsadler, grauer Dienstmütze mit rotem Tuchbesatzstreifen, gegeschlossenem Jakett aus weißem baumwollenen Köper bzw. Kakidrell mit roten Schulterklappen und Knöpfen aus gelbem Metall mit dem Reichsadler, Beinkleider aus weißem Köper oder Kaki, Säbel wie für die Portepeeunteroffiziere der Ksl. Schutztruppe vorgeschrieben, Überschnallkoppel, braunem Faustriemen mit goldener Quaste. Die Lohnverhältnisse, Verpflegung und Unterbringung der farbigen Mannschaften regelt eine Löhnungs- und Verpflegungsordnung, die für die Schutztruppe wie für die P. gilt, vom 1. Jan. 1904 (KolGG. VIII, 7). Die Uniform der farbigen Angehörigen der Polizeitruppe ist dieselbe wie bei der Schutztruppe, jedoch sind die Knöpfe von gelbem Metall. Auf dem linken Ärmel wird ein rotes P in weißem Feld angebracht und auf dem Tarbusch ein messingner Adler, etwas größer als bei der Schutztruppe. Bezüglich der militärischen Ausbildung der P. gelten die gleichen Bestimmungen wie für die Schutztruppe. Am 19. Okt. 1912 ist auf Grund der V. des. RK. vom 5. Febr. 1912 eine neue Verordnung betr. die strafrechtlichen und Disziplinarverhältnisse der farbigen Angehörigen der P. erlassen worden (KolBl. 1913, 80), die mit dem 1. Jan. 1913 in Kraft getreten ist. Die Verordnung erklärt die deutsche Militärstrafgerichtsordnung, das Militärstrafgesetzbuch und die Disziplinarstrafordnung. Für das Heer unter Anpassung an die besonderen Verhältnisse auf die Eingeborenen der P. für anwendbar. Neben der P. gibt es bei den größeren Bezirksämtern noch farbige Polizisten (Knüppel - Askaris), die von den betreffenden Verwaltungsstellen direkt angeworben werden und keine militärische Ausbildung erhalten.

7. Kamerun. Die P. von Kamerun wurde im Okt. 1891 geschaffen, und zwar bildeten den Stamm 2 Gefreite und 13 Soldaten, die von der P. in Togo abgegeben wurden. Dazu kam insbesondere noch eine größere Anzahl Dahoméleute, freigekaufte frühere Sklaven des Häuptlings Behazin von Dahomé, die später durch die Revolte vom Dez. 1893 (s. Leist) die Ordnung in der Kolonie vorübergehend schwer gefährdeten. Im Jahre 1894 wurde die bis dahin als P. bezeichnete Truppe zur Schutztruppe, gleichzeitig sonderte man jedoch von den 300 Köpfe zählenden farbigen Mannschaften 100 Mann zur Errichtung einer Landespolizei aus. Mit der Ausdehnung der Zivilverwaltung wurchs dann die P. von Jahr zu Jahr, bis im Jahre 1908 eine Stärke von 11 Polizeimeistern und 550 Mann erreicht war. Hatte in Deutsch - Ostafrika die Verbindung der den Verwaltungsstellen zugeteilten Polizeiabteilungen mit der Schütztruppe, die die Außenbehörde in der Verfügung über die Mannschaft zu sehr beengte, die Reform vom Jahre 1906 notwendig gemacht, so war es in Kamerun umgekehrt der Umstand, daß die Polizeiabteilungen die Fühlung mit der Schutztruppe verloren hatten, und ihre militärische Verwendbarkeit mit der Zeit fraglich geworden war, der eine neue Organisation nahelegte. Die Denkschrift zum Etat 1909 stellt deshalb als Ziel der Reform den Grundsatz auf, daß Schutztruppe und P. auf derselben Basis aufzubauen seien, indem man den Polizeisoldaten aus der Schutztruppe hervorgehen läßt. Zu diesem Zwecke wurde die Polizeiinspektion in engste Fühlung mit der Schutztruppe gebracht und neben der Stammkompagnie der Schutztruppe eine Stammkompagnie der P. in der Weise gebildet, daß die Offiziere und Unteroffiziere der Polizeikompagnie züm Gouvernement abkommandierte Schutztruppenangehörige sind. Die bei der Stammkompagnie ausgebildeten Mannschaften werden seitens der Polizeiinspektion terminmäßig an die Bezirksämter und Stationen verteilt, nach einer gewissen Zeit treten sie wieder zur Stammkompagnie zurück, um eine Zeitlang rein militärischen Dienst zu tun und auf der Höhe der Ausbildung erhalten zu bleiben. Mit der Versetzung aus der Stammkompagnie an ein Bezirksamt oder eine Station treten die Polizeisoldaten aus dem Verbände der Stammkompagnie und zugleich aus dem Verbände der Schutztruppe in den lokalen Verwaltungsdienst über. Im Interesse der Gewährleistung der militärischen Disziplin und Ausbildung wurde für je 60 Polizeisoldaten 1 Exerziermeister auf den Amtsstellen angestellt. Auch steht dem Polizeiinspekteur das Inspizierungsrecht über die Polizeiabteilungen auf den Amtsstellen nach Anordnung des Gouverneurs zu. Alle Angelegenheiten der Polizei gehören zu dem Ressort des Polizeiinspekteurs. Die Rekrutierung der Stammkompagnie der P. wie die der Schutztruppe erfolgt in der Hauptsache im Lande selbst. Bekleidung, Ausrüstung, Bewaffnung und Ausbildung sind die gleiche wie bei der Schutztruppe. Die Uniform unterscheidet sich von der der Schutztruppe nur durch die Verwendung gelben Metalls statt des weißen für Adler und Knöpfe. Auf Grund der V. des RK. vom 5. Febr. 1912 ist eine GouvV. vom 30. Juni 1912 (KolBl. 1077) betr. Straf- und Disziplinarrecht der farbigen Mannschaften der P. erlassen. Der Bestand der P. nach den Etat 1913 ist: 1 Hauptmann als Polizeiinspekteur, 3 Oberleutnants und Leutnants, 1 Zahlmeister, 36 weißes Unterpersonal, 1255 Farbige Mannschaften einschl. Dienstchargen. Der Personalaufwand beträgt insgesamt rund 840 000 gegenüber 1 570 000 Mark Personalaufwand bei der Schutztruppe. Auch die eingeborenen Zollwächter des Schutzgebiets sind nach dem Muster der P. organisiert, ausgebildet und bewaffnet. (Vf. des Gouv. vom 18. Juli 1912, Amtsbl. 218).

8. Togo. Ein Erl. des RK. vom 30. Okt. 1885 ordnete die Errichtung einer P. in Togo in einer vorläufigen Stärke von 10 Haussasoldaten an. Die Truppe, die anfangs in Bagida, später in Sebe bei Anocho stationiert war, sich allmählich vergrößerte und seit 1889 eine Abteilung von 20 Mann an den Zollbeamten in Anecho abstellte, war zunächst nur für den örtlichen Sicherheitsdienst bestimmt und sollte zu Zügen in das Innere nicht versendet werden. Die Aufgabe, das deutsche Ansehen zu festigen und die unter deutschem Schutz stehenden Eingeborenen gegen räuberische Einfälle anderer Negerstämme zu schützen, sollte vielmehr den zeitweise auf der Reede von Togo erscheinenden deutschen Kriegsschiffen zufallen. Da sich dies jedoch in der Folgezeit als undurchführbar erwies, wurde die P. durch den Landeshauptmann von Puttkamer im Jahre 1894 mit Genehmigung des Reichskanzlers neuorganisiert. Mit einem Bestand von 6 farbigen U nteroffizieren, 6 Gefreiten und 144 Soldaten wurde sie der Leitung eines Offiziers unterstellt, dem ein weißer Unteroffizier beigegeben war. Zugleich mit dem Sitz des Landeshauptmanns wurde im Jahre 1897 die Hauptabteilung der Truppe nach Lome verlegt. Mit der weiteren Entwicklung der Innenbezirke wurden die dort stationierten Truppen vermehrt. Der gegenwärtige Bestand und die Verteilung der Truppe ergeben folgendes Bild: Das Polizeiwesen des Schutzgebietes untersteht einem Hauptmann als erstem Polizeiinspekteur, dem ein Oberleutnant als zweiter Polizeiinspekteur und Führer, der P. in Lome beigegeben ist. Die farbigen Soldaten zählen 550 Köpfe. Die P. führt 4 Maschinengewehre. Die Truppe bestand in den ersten Jahren ausschließlich aus Haussaleuten, welche in Lagos angeworben wurden. Als dann mit der Zeit die Anwerbung in Lagos schwieriger wurde, begann man Haussaleute im Togogebiet anzuwerben. Dies wurde wesentlich durch Gründung der Station Kete-Kratschi im Jahre 1894, die inmitten einer zahlreichen Haussabevölkerung und an einer vielbegangenen Handelsstraße zu den großen Haussastaaten des westlichen Süden liegt, erleichtert. Mit der Zeit wurden auch Angehörige des weiter im Norden von Kate - Kratschi im Hinterland der englischen Goldküstenkolonie ansässigen Grussi- und Mossistammes eingestellt. Diese Leute eigneten sich ihres großen und schönen Wuchses wegen besonders zu Soldaten. Auch Eingeborene aus dem französischen Dahomé und Weyleute aus Liberia lieferten, wenn auch in geringer Anzahl, brauchbare Soldaten. In später in Jahren meldeten sich dann Eingeborene aus der Kolonie freiwillig so zahlreich, daß von einer Anwerbung abgesehen werden konnte. Von den Stämmen innerhalb des Schutzgebietes stellen die brauchbarsten Soldaten jetzt die kriegsgewohnten Dagomba, Konkomba, Tschokossai und die Stämme des Transkaragebietes (Losso, Kabure). Aber auch die Landschaften Mittel- und Südtogos liefern gute Rekruten. Seit dem Jahre 1908 ist die erste Dienstverpflichtung auf mindestens fünf Jahre erhöht worden Die Uniform der Polizeimeister bei der P. ist nach den Erl. des RKA. vom 31. Aug. 1908 und 4. Sept. 1912 folgende: Tropenhelm mit der Reichskokarde oder Mütze wie für Unteroffiziere der Schutztruppe in Kamerun, geschlossener Rock oder Kaki ohne Vorstoß mit Umlegkragen oder niedrigem gesteppten Stehkragen, Achselschnüre von vierfach aneinandergenähter schwarz - weiß-roter Mohairschnur, versilberte Metallknöpfe mit Reichsadler, Beinkleider aus weißem Köper oder Kaki ohne Vorstoß, Offiziersseitengewehr mit goldenem Portepee, soweit nicht der betreffende Beamte vermöge seines militärischen Dienstgrades zum Tragen des silbernen Portepees berechtigt ist. Die Bekleidung der farbigen Mannschaften besteht aus einer Schirmmütze aus Kakistoff mit ponceaurotem Besatzstreifen und deutscher Kokarde, Jacke und Kniehose aus Kakistoff, erstere mit roten Litzen besetzt. Die Schußwaffe ist die Jägerbüchse Mod. 71. Dazu wird das Seitengewehr Mod. 71/84 geführt. Seit dem Jahre 1910 ist im Schutzgebiet nach heimischem Vorbild eine Reserve organisiert. Sie setzt sich zusammen aus den ehrenvoll entlassenen Soldaten, die in der Kolonie ihren Wohnsitz haben, und aus den mit der Waffe ausgebildeten Häuptlingspolizisten. Die nach Ablauf ihrer Dienstverpflichtung entlassenen Soldaten werden den Bezirksämtern und Stationen, in deren Bezirk sie sich niederlassen, überwiesen und, soweit. sie hierzu als geeignet bezeichnet sind, in die Reserve der betreffenden Bezirke aufgenommen und von ihnen unter Kontrolle gehalten. Die Einreihung anderer Eingeborener in die Bezirksreserven geschieht nach Auswahl der Bezirksleiter. Alljährlich werden die Reservisten bei den einzelnen Dienststellen zu einer vierwöchigen Übung eingezogen. Zur Handhabung des örtlichen Sicherheitsdienstes verfügen die Lokalverwaltungen über farbige Polizisten, welche eine selbständige Organisation bilden und zur P. und den Bezirkstruppen in keiner Beziehung stehen.

9. Deutsch-Neuguinea. Die Landeshoheit in Deutsch-Neuguinea wurde bis zum 1. April 1899 von der Neuguinea- Kompagnie (s.d.) ausgeübt. Der von ihr eingesetzte Landeshauptmann verfügte über eine kleine bewaffnete Macht. Ebenso wurde eine solche von der Neuguinea - Kompapie dem seit 1893 im Bismarckarchipel amtierenden Ksl. Richter zur Verfügung gestellt. Der erste Etat des Schutzgebietes nach der Übernahme der Verwaltung durch das Reich im Jahre 1899 sah 2 Polizeimeister und eine aus 90 Eingeborenen bestehende P. vor. Mit der Errichtung neuer Stationen wurde die Truppe allmählich vermehrt. Das anfangs mit dem alten Schutzgebiet nur in loser Verbindung stehende Inselgebiet der Karolinen, Marianen, Palau- und Marshallinseln wurde der Entwicklung der Verkehrsverhältnisse folgend, enger angegliedert. Die P. für Naurn, Jaluit, Ponape und Truk wurden aus dem alten Schutzgebiet rekrutiert. So war die Schutzgebietsverwaltung im Jahre 1910 bei einem Etat von etwa 16 Polizeimeistern und 670 farbigen Polizisten angelangt. Die Truppe am Sitz des Gouvernements in Rabaul dient für den größten Teil der Außenstationen als Stammtruppe. Die dem Etat für 1913 beigegebene Denkschrift über die Ausgestaltung der Verwaltungsorganisation in Deutsch - Neuguinea nimmt einen weiteren Ausbau der Polizeitruppe in dieser Richtung nach dem Muster von Togo in Aussicht. Die Zahl der farbigen Mannschaften beträgt nach dem gleichen Etat 839 Mann. Die farbigen Mannschaften rekrutieren sich ausschließlich aus dem Schutzgebiet selbst. Die Versuche mit der Verwendung von Makassarleuten und Amboinesen (s.d.) führten zu keinen günstigen Ergebnissen. Die klimatischen Verschiedenheiten zwingen bereits zur Vorsicht bei der Verwendung von Eingeborenen des Inselgebietes in anderen Teilen des Schutzgebietes. Eine solche fand deshalb bisher nur in geringem Umfange statt. Bei der Verwendung während des Aufstandes in Ponape 1910/11 (s. Aufstand) hat sich die Eingeborenentruppe aus Deutsch - Neuguinea auch einer kulturell höher stehenden Eingeborenenbevölkerung gegenüber gut bewährt. Den besten Ruf als Soldaten genossen früher die Bukas. Die Insel Buka (Salomoninseln) wurde als Arbeiteranwerbegebiet längere Zeit zu sehr in Anspruch genommen und kam deshalb als Rekrutierungsgebiet für die Truppe in letzter Zeit wenig mehr in Betracht. Ähnlich liegen die Verhältnisse in Neumecklenburg. Eines der ersten Rekrutierungsgebiete ist jetzt die westliche Hälfte von Neupommern, das einen gut entwickelten kräftigen Menschenschlag aufweist. Das Dienstverhältnis des Polizeisoldaten in bezug auf Dienstesdisziplin, Löhnungs-, und Verpflegungsverhältnisse untersteht den für eingeborene Plantagenarbeiter geltenden Bestimmungen (GouvV. betr. die Ausführung und Anwerbung von Eingeborenen vom 4. März 1909, Amtsbl. 38, KolBl. 719, V. betr. die Erhaltung der Disziplin unter den farbigen Arbeitern vom 20. Juni 1900, KolGG. VI, 248). Ein besonderes militärisches Disziplinar- und Strafrecht ist für die Angehörigen der P. bisher nicht eingeführt. - Die Uniform für die Unterbeamten der P. ist nach Erl. des RK. vom 13. April 1912 die gleiche wie die der Polizei:. wachtmeister in Deutsch - Ostafrika, jedoch sind die Besatzstreifen, Vorstöße und Schulterklappen grün. Die Bekleidung der farbigen Mannschaften besteht aus einem roten Lendentuch, das von der Seitengewehrkoppel gehalten wird, und einer Kakimütze mit rotem Band, Lederschirm und Reichskokarde. Für Paradezwecke, ferner bei Nachtdienst und bei kalter Witterung wird ein Anzug aus Kakistoff mit roten Litzen, bestehend aus Bluse im Matrosenschnitt und Kniehosen, getragen. Die Waffe ist das Gewehr Mod. 88 und Seitengewehr Mod. 71/84. Die P. von Deutsch - Neuguinea hat vor denen der übrigen Schutzgebiete den Vorzug, daß sie verhältnismäßig die billigste ist. Die Kosten der Löhnung, Verpflegung und Anwerbung werden auf 230 M, die der Ausrüstung und Bewaffnung auf 55 M pro Mann und pro Jahr berechnet. Die Funktion ortspolizeilicher Vollziehungsorgane und Gehilfen der Häuptlinge versehen die Häuptlingsboten "Tultuls". Die Funktion ist ehrenamtlich. Als Zeichen seiner Würde trägt der Tultul eine Kakimütze mit blauem Band und Vorstoß und Reichskokarde. Bewaffnet ist er nicht. Einem jeden Häuptling sind zwei oder auch mehrere solcher Würdenträger beigegeben.

10. Samoa. In Samoa besteht seit der Flaggenhissung eine kleine eingeborene P. von etwa 30 Mann, geführt von einem weißen Polizeimeister, die Fitafita. Sie rekrutiert sich aus den Söhnen der Häuptlinge. Die Verwendung der Truppe ist weniger kriegerisch. Die Leute tun Dienst als Ehrenposten, Bootsmannschaften, Ordonnanzen der verschiedenen Dienststellen, Hilfspolizisten und Postboten. Die Bekleidung besteht aus weißer Mütze mit blauem Band, weißer Jacke, weißem Lendentuch mit blauen Streifen. Die Bewaffnung ist die gleiche wie in Deutsch -Neuguinea. Neben den Fitafita sind als polizeiliche Vollzugs- und Sicherheitsorgane noch 20-25 Landespolizisten in Verwendung. Sie sind nicht militärisch organisiert und finden außer in den Dorfschaften der Eingeborenen auch als Besatzung, der Polizeiposten Cana und Saluafata Verwendung, die mit Rücksicht auf die zunehmende Zahl der chinesischen Plantagenarbeiter errichtet wurden.

11. Kiautschou. Auch das Schutzgebiet Kiautschou besitzt einen Stab von europäischen Polizeibeamten, denen eine chinesische P. von etwa 60 Mann unterstellt ist. Die im Jahre 1901 eingeführte Versuchsformation einer Chinesentruppe im Dienste der Landespolizei hat sich mit der Zeit als unentbehrlich erwiesen. Sie ist unter der Bezeichnung chinesische P. zu einer dauernden Einrichtung der Zivilverwaltung des Schutzgebiets geworden. S.a. Befestigungen und Ersatz, der farbige. Full. Über die Standorte der Polizeitruppen in den Schutzgebieten Deutsch - Südwestafrika, Deutsch - Ostafrika und Kamerun s. die beigegebenen Karten.