Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 78

Polynesien, das "Vielinselland", wie der Name besagen will, nennt man die ungeheuer weit gedehnte Inselflur Ozeaniens (s.d.), die östlich von Melanesien und Mikronesien (s.d.) nach Amerika zu in die größte Meeresfläche der Erde, den Großen Ozean, verstreut ist. Es ist das Gebiet, das uns erst durch die drei großen Entdeckungsfahrten des großen James Cook im 18. Jahrhundert genauer bekannt wurde. Im Gegensatz zu Melanesien (s.d.) besteht diese Inselwelt aus verhältnismäßig recht kleinen Inseln und Inselgruppen, die entweder Gebirgsinseln vulkanischen Ursprungs ("hohe" Inseln) oder Koralleninseln ("niedere" Inseln; s. Koralleninseln) sind. P. und das von den sog. Polynesiern (s.d.) bewohnte Gebiet decken sich nicht genau. So gehört Neu - Seeland in geographischer Hinsicht näher zu Melanesien, während es in ethnologischer Hinsicht zu P. gerechnet wird, da die einheimische Bevölkerung Polynesier sind. Auch an andern Stellen greifen die Polynesier über P. hinaus, so nach Melanesien und Mikronesien (S. Polynesische Exklaven und Karolinen). Anteil an P. haben wir durch unser Schutzgebiet Samoa (s.d.), das im zentralen P. gelegen ist.

Sarfert.