Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 83 ff.

Ponape (s. Tafel 162/63).

1. Lage und Bodengestaltung. 2. Klima. 3. Pflanzenwelt. 4. Tierwelt. 5. Eingeborenenbevölkerung. 6. Bevölkerungsstatistik. 7. Europäische Unternehmungen, Verwaltung und Mission.

1. Lage und Bodengestaltung. P., auch Faunupei, Falope, William - IV. - Insel u. a. genannt, zwischen 6° 47' und 7° 1' n. Br. und 158° 9' - 24'ö. L. gelegen, ist die größte Karolineninsel ( Deutsch-Neuguinea) und umfasst mit ihren zahlreichen Randinseln 347 qkm. Das Ganze umgibt ein Riff, das nur den Bachmündungen gegenüber durchbrochen ist. 4 Einfahrten führen zu der Wasserstraße zwischen Wallriff und Inseln. Die Haupt- wie ein Teil der Nebeninseln sind gebirgig; die höchste Erhebung, der zentrale Tolokole, erreicht 872 m Höhe. Die oft steilen Berge bestehen aus Basalt, dessen Säulen oft senkrechte Abstürze schaffen. Außerdem beteiligt sich Korallenkalk in den Randpartien am Aufbau der Insel. Eine Reihe von Buchten ist in den Inselkörper eingeschnitten. Die Bewässerung der Insel ist ausgiebig; schiffbar für flache Boote sind nur die Flüßchen Pilap en Lätau und Tau en Sokola. Ein Taifun hat 1905 die Insel schwer geschädigt. Das Bezirksamt für die Ostkarolinen hat seinen Sitz auf P. (im Norden der Insel). Die Insel wurde 1828 von Lütke entdeckt.

Sapper.

2. Klima s. Karolinen.

3.Pflanzenwelt. Über die Strand- und Mangrovenformation usw. s. Karolinen und Tafel 163. Auf den Bergen des Innern, welche botanisch noch nicht durchforscht sind, finden sich in den Schluchten noch Reste von Urwald. Sehr verbreitet ist daselbst Cananga odorata. Die Hänge tragen nur mannshohe Gräser und niederen Busch. Wichtig ist die Steinnußpalme, Coelococcus. Manilahanf, Musa textills, scheint gut zu gedeihen.

Lauterbach.

4. Tierwelt. Die Landtierfauna von P. ist, wie die Fauna aller ozeanischen Inseln sehr arm an Arten. Immerhin kommen einige der dort vorhandenen Arten nur auf P. oder nur noch auf den zunächstliegenden Inseln der Karolinen (s. d.) vor. Wir ersehen das namentlich aus der Verbreitung der Vögel, da diese am besten erforscht sind. - Die Meeresfauna an den Küsten von P. ist im Gegensatz zur Landfauna sehr reich an Arten. Die Arten sind aber wenig verschieden von denen anderer Teile der Südsee (s. Deutsch - Neuguinea).

Dahl.

5. Eingeborenenbevölkerung (s.Tafel 28,29,30, 33). P. wird von den Eingeborenen der Zentralkarolifien fanupe, das Land der (heiligen) Steinbetzungen genannt; der Name selbst besagt soviel wie pon'pe: "auf den (heiligen) Steinsetzungen". Die heimische Kultur der Insel ist in der Auflösung begriffen. Eine innige Berührung mit den Weißen hat seit 70 Jahren eine erhebliche Veränderung und Umgestaltung der alten Verhältnisse zur Folge gehabt, die in vielen Fällen nicht gebessert, sondern eher verschlechtert wurden. Mit Ausnahme Samoas ist P. in der deutschen Südsee die einzige Insel, welche den Bestrebungen weißer Kulturträger mehrfach nachdrücklichen, bewaffneten Widerstand leistete: den Spaniern und den Deutschen. (S. Aufstand 5 u. Karolinen 6.) P. war in früheren Jahrhunderten ein einheitlicher Staat, der sich einem Oberhaupte, dem Schautelur in Matolenim (Metalanim), unterordnete. Nach der Eroberung der Insel durch Kusaieleute unter der Führung des Ischokalakal löste sich das Reich auf und zerfiel in die heute noch bestehenden' voneinander unabhängigen fünf Staaten: Matolenim, Kitti, Dschokadsch, Ne'ott und U. Kitti wurde vor 150 Jahren von dem Priesterstaate Nan Uonna unterworfen, der fortan den Namen Kitti behielt. Dschokadsch (s. Tafel 162) besitzt einen Vasallenstaat Palikir; beide haben heute nur mehr topographische Bedeutung; denn die Einwohner sind nach dem Aufstande 1910 nach den Palauinseln verbannt worden. Im Äußeren unterscheidet sich der P.mann wesentlich von den übrigen Bewohnern der Karolinen. Er ist mittelgroß, von untersetzter Gestalt und besitzt eine kräftige Muskulatur ohne den sonst üblichen starken Fettansatz der Karoliner. Die Hautfarbe ist hellbraun, doch kommen auch oft dunkelbraune Hauttönungen vor. Von solaren Wirkungen abgesehen findet sich diese Hautfarbe vielfach bei Negerbastarden und deren Abkömmlingen; wie diese denn auch oft krauses Haar besitzen, während es sonst für gewöhnlich schwarz und schlicht ist. Die Männer schneiden es heute kurz ab, während die Frauen es halblang oder lang, in einen Knoten geschlungen, tragen. Der Kopf ist lang, mäßig breit, das Gesicht ist gleichfalls lang. Bartwachs ist spärlich. Meist rasiert man ihn wie das übrige K örperhaar, mit Ausnahme der Scham. Die Frauen sind kleiner und zierlicher gebaut als die Männer; ihre Glieder sind feiner und abgerundeter. In der Jugend haben manche hübsche, ansprechende Züge. Früher rieb man den Körper mit Gelbwurz ein; heute kommt dieser Brauch immer mehr ab, wie auch die Tatauierung langsam zu verschwinden scheint. Jede Familie hat eine nach Geschlechten und dem Range verschiedene Tatauierung, die sich aus kleinen Abweichungen im Muster ergibt. Sie beruht auf religiöser Grundlage. Beim Manne werden Hände, Arme und Beine, bei den Frauen außerdem Scham und Gesäß tatauiert. Außerdem bürgert sich heute die Narbentatauierung ein. Beim Eintritt der Pubertät wird der Jüngling halbseitig kastriert, bei vielen Männern wird auch die volle Kastration durchgeführt. - Die P.leute sind ihren Überlieferungen nach eine Mischbevölkerung aus eingewanderten Polynesiern, die über die Guilbert-, Marshallinseln und Kusaie her ihren Einzug hielten, und der ansässig gewesenen melanesischen Bevölkerungsschicht, die bei ihrer Inbesitznahme noch eine andere Bevölkerung vorfand. Denn ehemals gab es in P. noch ein anderes Bevölkerungselement, das sich durch seine Kleinheit, seine Haartracht (Haarwolke) und anders geartete Sprache auszeichnete. Die letzten Vertreter wohnten in der Landschaft Palang. - Die Bevölkerungszahl ist niedrig. Sie beträgt rund 2 Köpfe und ist jetzt durch Einführung von zahlreichen Familien aus den Mortlockinseln, Mokil und Pingelap erheblich erhöht worden. - Krankheiten wie Pocken, Masern, Syphilis räumten einst stark unter den Leuten auf; heute fordern Tuberkulose, Influenza und Dysenterie ihre Opfer trotz der großen Reinlichkeit, die man an den Eingeborenen gewohnt ist. Täglich wird gebadet; Haus und Hof werden sauber gehalten. - Der Charakter der Eingeborenen ist nicht mehr der alte, wie er früher beschrieben wurde. Die alte Liebenswürdigkeit, Zutraulichkeit, Offenheit findet man nicht häufig; sie haben mürrisches Wesen, Hinterlist, Verschlagenheit Platz gemacht. Passiver Widerstand allen Wünschen und Neuerungen der Weißen gegenüber ist der Hauptzug. - Die Bevölkerung zerfällt in 22 verschiedene Sippen, die in den genannten Staaten durcheinander leben. Jede Sippe (tip) hat ihr besonderes Totem und ihren Schutzgott; sie zerfällt in mehrere Familien (kainak), deren jede noch einen Sondernamen fährt und vielfach im Besitze besonderer Totems und Schutzgottheiten ist. Heirat im selben tip und kainak ist verboten. Das Mutterrecht herrscht. In jedem Staate findet sich eine straffe Ständegliederung und Organisation in Adel, Volk und Unfreie. Die Priesterschaft bildet eine Sonderklasse, die sich auf Adel und Volk verteilt. An der Spitze eines Staates stehen 2 Sippen, die den Adel bilden. Die beiden ältesten Männer sind die Familienund gleichzeitig Staatsoberhäupter. Beide Familien heiraten stets untereinander: die Frau der einen den Mann der anderen und umgekehrt. Die Familionangehörigen der ersten Staatshäupter (nanamariki) heißen joupe'iti, die der zweiten, im Range ein wenig niedriger stehenden Staatsoberen, der Kriegshäuptlinge (naneken) führen den Namen scherischo. So findet man auch hier die altpolynesische Staatsorganisation wieder. Die aramas bilden das Volk, und unter diesen stehen die aramas mual, die Unfreien. - Der nanamariki nahm in den Staaten gleichzeitig die Stellung eines geistigen Oberhauptes ein. - Besonders charakteristisch ist für P. das Titelwesen. Mit Ausnahme der 17 höchsten Titel der beiden Adelsfamilien, die dem Alter nach auf die Familienmitglieder übertragen worden, kann jeder Titel durch Kauf erworben werden. Die adeligen Frauen führen besondere Titel. Nur mit diesem Titel darf ein Eingeborener genannt werden, seinen Namen darf man nicht aussprechen. Im übrigen regelt ein ausgezeichneter Sitten- und Anstandskodex den Verkehr der Eingeborenen untereinander. Auch gibt es besondere Standessprachen. - Das Land gehört dem Adel, der es als Lehen oder in zu jeder Zeit kündbare Pacht abgibt. Jeder Lehensträger und Pächter hat dafür seinem Herrn Abgaben in Naturalien und unentgeltliche Arbeit zu leisten, auch einen Anteil an seinem Geldverdienst zu geben., 1909/1910 ist diese Lehnsherrschaft, die oft zu großen Unzuträglichkeiten führte, aufgehoben; trotzdem wird sie in vielen Fällen heute noch freiwillig anerkannt. Außer dem Lehnsland, das in kauschap eingeteilt wird, hat jeder Staat noch Kronland (nanue), das zur freien Nutznießung und Verfügung des nanamariki steht. - Der Kult ist heute ein Talmichristentum, unter dessen Firnis die alten religiösen Anschauungen kräftig fortleben. Sie bauen sich vornehmlich auf dem Animismus auf, dem ein gut Teil manistischer Vorstellungen beigefügt sind. Den Göttern und Dämonen brachte man ehemals Opfer dar, Erstlingsfrüchte, Kawa und Hunde. Jeder Staat besaß ein Staatsheiligtum, eine Steinsetzung (pung scharaui), in dem der. Staats- oder Sippengottheit geopfert wurde. Das größte und vornehmste ist das von Nan Matol, der heutigen Ruinenstadt. Einer besonderen, in Kolle organisierten Priesterklasse Schanoro (Schau en Oro = Familie des Oro) lag die Kultpflege ob. Die Priester waren gleichzeitig als Zauberer und Ärzte sehr gesucht; mit Heilmitteln und namentlich Zaubersprüchen versuchten sie die Genesung des Kranken zu erwirken. - Die Ehe wird heute nach christlichem Ritus geschlossen, daneben bestehen die alten Formen noch ungeschwächt weiter. Kinder werden oft schon in frühester Jugend einander verlobt und halten gelegentlich vom 5. Jahre ab Probenächte ab. Auch kümmert man sich sonst wenig um das Leben der beiden Geschlechter vor der Ehe, dann allerdings verlangt man von der Frau unbedingte Treue. Sobald die Tatauierung vollendet, der Jüngling einen Titel erworben hat und mit Land belehnt ist, heiratet er. Die Form der Ehe ist eine Wahlehe. Die Zeremonien sind einfach. Die Mutter salbt den Brautleuten das Haar mit Kokosöl und verbindet sie dadurch miteinander. Nur bei der Hochzeit eines Adligen finden lärmende Feste statt, an denen die ganze Landschaft teilnimmt. Die K inderzahl der einzelnen Familien ist meist gering; gern adoptiert man Kinder aus gesegneteren Familien. Der Tod hat für die Eingeborenen nichts Schreckhaftes. Stirbt jemand, so schneiden sich die weiblichen Angehörigen die Haare kurz, stimmen ein Klagegeschrei an und beschmieren sich mit Erde und Kot. Der Leichnam wird geschmückt, mit Beigaben versehen, in Matten gehüllt und wahllos im Busche bestattet. Nur Nan Uonna besitzt einen Friedhof. Die Seelen, deren nach Eingeborenenglauben jeder zwei hat, leben nach dem Tode weiter. Die eine Seele begibt sich ins unterseeische Totenreich, die andere geht in Tiere, vor allem Vögel über, die in dieser Gestalt die Angehörigen und das Grab besuchen. Die adligen Toten erhalten außerdem einen besonderen Totennamen. -Besonders erwähnenswert ist die hohe Stellung der Frau im Lande; sie sorgt für die Ordnung im Hause, besorgt die Herstellung der Matten, webt die Gürtel und betreibt gelegentlich den Kleinfischfang auf dem Riffe. - Der Mann besorgt die übrigen Geschäfte; ihm liegt die Zubereitung der täglichen Nahrung ob, auch hat er die Nahrungsmittel herbeizuschaffen.Gegessen werden Hund, Schwein, Huhn, Fisch, Schildkröte; Brotfrucht, Yams, Kokosnuß, Banane, Plantane. Als Genußmittel dienen Tabak und Kawa, die beide angebaut werden. - Vom Landbau ist nicht viel die Rede. Feldmäßig gebaut werden: Yams, Banane, Plantane und Kawa. Alles übrige ist Sammelwirtschaft. - Festlichkeiten, Spiel und Tanz war man ehemals nicht abgeneigt. Heute sind sie fast verschwunden. Zur Zeit des Erscheinens der Erstlingsfrüchte werden für den Lehnsherrn von den Pächtern große Eßfeste (kamatip) abgehalten, die mit Kawagelagen verbunden sind. Die Wurzel wird auf breiten Steinen unter Liederbegleitung mit rhythmischen Steinschlägen zerstampft, ausgepreßt und mit Wasser vermischt getrunken. Die Tänze sind einfach. Sie werden unter Lieder- und Trommelbegleitung ausgeführt und zerfallen in Figuren-, Sitz- und Stäbehentänze. Bei den heiligen Bootbaufesten wurden sie auf Kanus getanzt. Sport und Spiel sind fast gänzlich verschwunden. - Die Lieder enthalten die Erzählungen des schriftlosen Volkes. In ihnen werden die Überlieferungen der Leute, zum Teil in heute nicht mehr verstandener Sprache, erhalten. Scherzlieder, Arbeitsgesänge treten hinzu. Ungemein reich sind die reiz- und phantasievollen Geschichten von Zwergen, Drachen, Riesen usw., die vielfach an euro. päische Märchen erinnern. - Berühmt ist P. durch seine sog."Ruinen". Diese Bauwerke bestehen aus 92 Steingehegen, die im Staate Matolenim ("zwischen den Häusern") im Osten der Insel auf dem breiten Innenriff errichtet sind (s.Tafell63). Sie bedecken eine Fläche von 1 1/2 - 2 km und bestehen aus Korallensteinplattformen, die mit Basaltmauem eingefaßt sind. Im Durchschnitt beträgt ihre Höhe 3-4 in. Bei den wichtigeren Bauten sind diese Mauern bis zu 10 m hoch. Die Anlage ist eine heilige Stadt, die nur vom Adel und den Priestern betreten werden durfte. Allen anderen war der Zutritt nur zu Zeiten erlaubt, sonst aber bei Todesstrafe verboten. Diese Ausnahmen landen gelegentlich der großen Feste statt, der Opferfeste der Erstlingsfrüchte, der heiligen Bootbaufeste, Spiele usw. Die Stadt zerfällt in 3 Hauptteile: 1. die Königsstadt, in der der Oberhäuptling mit seiner Sippe wohnte; 2. die Priesterstadt, wo sich die Totenstadt, das vielbeschriebene Nan Tauasch (s. Tafel 33), befindet, und 3. die Stadt- und Mausoleumsmauer, welche die gesamte Stadtanlage einfaßt, in der sich die Grabkammern und Opferplätze ausgezeichneter Häuptlinge und Priester befinden. Die Stadt ist von den P.leuten in den letzten 400 Jahren erbaut worden. Das Baumaterial wurde oft meilenweit von der Insel her auf Flößen herbeigeschleept. Solche heilige Stadtanlagen (kanim) und befestigte Herrscherplätze besaß im Kleinen jeder Staat mit Ausnahme von Neott und Jokasch. In der Nähe von Nan Matol wurden auf dem Festlande bei Kitam Bildersteine mit rätselhaften Menschen- und Schwerterfiguren aufgefunden. - Dörfer fehlen in P. Die Eingeborenen wohnen auf Höfen, die jeder einen eigenen Namen haben; diese Höfe liegen im Busch und am Meeresufer verstreut, oft nahe beieinander, dann auch wieder stundenweit voneinander entfernt.. Die Häuser (im) (s. Tafel 29) sind sorgfältig auf Steinwerften erbaute Rahmenhäuser, die mit einem spitzwinkligen Dach aus Palmblättern mit geradem First gedeckt sind. Die Wände bestehen aus zusammengebundenem Röhricht, ebenso der Fußboden, der in der Mitte die viereckige Herdstelle besitzt. Außer diesen Wohnbäusern gibt es noch Wirtschaftsgebäude. Jeder Staat und größere Gau besitzt ein großes Versammlungshaus (nasch). Die Häuser sind sehr geräumig und auf der einen Giebelseite offen. Sie haben u-förmigen Grundriß; das Fundament besteht aus einer gleichfalls u-förmigen Steinwerft. Hierauf nimmt der Adel Platz - jeder Titelinhaber hat einen ihm bestimmten Sitz -, während dem Volk der Hallenraum zur ebenen Erde angewiesen wird. - Die materielle Kultur ist einfach. Die Frauen tragen heute durchweg europäische Kleidung; Hüfttuch und Hängekleid. Die Männer dagegen legen meist den bequemen Rüftschurz aus zerschlitzten Palmblättern an. Schmuck ist gering. Bis auf den täglich erneuerten Blumenkranz im Haar trägt man im durchbohrten Ohrläppchen Blüten oder goldene Ohrringe. - Das Hausgerät besteht vorwiegend aus europäischem und japanischem Geschirr; das alte Holzgerät ist nahezu verschwunden. Schüsseln, Kokosschaber, Körbe haben die üblichen Formen der Südsee. Typisch sind für P. die rollwandähnlichen Schlafmatten. (losch), die in Jokasch und Palikir aus einzelnen Pandanusblättern zusammengenäht werden. Als Handwerksgerät ist europäisches Werkzeug schon lange im Gebrauch. - Die Streitigkeiten zwischen den Männern führten bis vor kurzem zu erbitterten Kriegen, in denen man neben Feuerwaffen die alten Kriegswaffen: Schleudern, Rochenstachel- und Holzspeer, Pfeil und Bogen brauchte. Die Kriege wurden durch Kawafeste, bei denen Schildkröten und Hunde in feierlich zeremonieller Weise geröstet und zerlegt wurden, beendet. An Musikinstrumenten kennt P. zweierlei Arten von Flöten: eine Mund- und eine Nasenflöte; ferner verwendet man die sanduhrförmige, mit Haihaut bespannte Trommel, die gleichzeitig die Stelle eines Feldzeichens vertritt. - P. besaß 3 Industriestaaten-. In Kitti wurde die Weberei betrieben (1912 ausgestorben). Aus naturfarbenen und rotgefärbten Bananenfasern wurden für die Männer Gürtel, verschiedenartig gemustert, hergestellt; für Frauen webte man Kleidmatten. Die Gürtel wurden außerdem mit sorgfältig geschliffenen Muschelscheibchen benäht. - Jokasch und Palikir betrieben die Fabrikation der obengenannten Schlafmatten (losch), und in Matolenim befand sich in Matup der Herstellungsort der ornamentierten Tridacnaringe. - Die Form des Handels bestand in einer Art Tauschverkehr; begehrte Gegenstände schenkte man einander; der Anstand erforderte jedoch ein Gegengeschenk. Deutsches Geld ist erst jetzt in Aufnahme gekommen. - Das Boot bildet das Hauptverkehrsmittel; die Wege im Innern der Insel wurden wenig benutzt und sind seit dem Taifun im Jahre 1905 fast ganz in Vergessenheit geraten. Das Boot ist ein Auslegereinbaum mit sehr langem Schwimmer und schmalen Querhölzern. Es ist rot bemalt, führt ein dreieckiges Segel, Paddel und Stoßstangen. Noch vor 100 Jahren wurden von P. aus weite Reisen unternommen. Die Leute besaßen vorzügliche nautische Kenntnisse, die jetzt vergessen sind. Die Häuptlingsboote haben gabelartige Bug- und Heckaufsätze, die Querhölzer und Bordleisten sind hier weiß bemalt und die Bindungen besonders prächtig ausgeführt. In der Fischerei, die mit Haken, Angel, Speer, Schlinge, Reuse, Schleppnetz und Gift betrieben wird, findet das Boot seinen zweiten Hauptzweck.

Thilenius, Hambruch.

6. Bevölkerungsstatistik. Die weiße Bevölkerung auf P. setzt sich zusammen aus den Beamten, den Missionaren der beiden dort tätigen Missionsgesellschaften sowie einigen Händlern und sonstigen Ansiedlern und beträgt zurzeit ca. 30 Personen. Die Eingeborenenbevölkerung der Insel wird auf rund 4000 Seelen geschätzt. Verwaltungsseitig gehört P. zu den Ostkarolinen.

7. Europäische Unternehmungen, Verwaltung und Mission. Größere europäische Unternehmungen, vor allen Dingen Plantagen, bestehen auf P. noch nicht. Es sind vielmehr nur einige kleinere Kokospflanzungen angelegt worden, denen aber irgendeine Bedeutung für die Ausfuhr nicht zukommt. Der Handel auf P. liegt in der Hauptsache, wie auf den übrigen Inseln der Ostkarolinen, in den Händen der Jaluit-Gesellschaft (s.d.), die am Langer - Hafen (Santiago - Hafen), eine Zweigniederlassung errichtet hat. Außer der Jaluit - Gesellschaft sind noch einige Händler auf der Insel tätig. Das Hauptausfuhrprodukt ist die Kopra, daneben gelangen in geringem Maße Muscheln und Schildpatt zur Ausführung. Der Anlage größerer Plantagen steht die ständige Taifungefahr besonders hindernd, im Wege. So hat im Jahre 1905 ein Taifun fast die gesamten Fruchtbäume der Insel zerstört. -Der Bezirksamtmann dies es Bezirks hat seinen Sitz auf P. selbst und zwar in Messenieng (s. Tafel 162) in der Nähe des Santiago.hafens. Zu seiner Unterstützung ist ihm das nötige Unterpersonal, bestehend aus einem Sekretär, einem Polizei- und Hafenmeister beigegeben. Auch ein Regierungsarzt ist auf P. zur Ausübung des Gesundheitsdienstes stationiert. Eine aus Melanesen zusammengesetzte Polizeitruppe sorgt für die Aufrechterhaltung der Ordnung auf der Insel. Außer dem Bezirksamt befinden sich noch das Bezirksgericht, das Seemannsamt, das Strandamt und das Standesamt für die Ostkarolinen in P. Der Bezirksamtmann nimmt die Geschäfte dieser Behörden im Nebenamt wahr. Das Obergericht für P. befindet sich in Rabaul auf Neupommern im Bismarckarchipel. Der Hafen von P. ist für den Auslandsverkehr geöffnet. Den Verkehr der Insel mit der Außenwelt vermittelt der Reichspostdampfer "Germania" der Jaluit - Gesellschaft, der hier jährlich sechsmal vorläuft. An das Welttelegraphennetz ist P. noch nicht angeschlossen, dagegen besteht daselbst eine Postanstalt. Die Missionierung der Insel erfolgt durch die protestantische Liebenzeller Mission (s.d.), sowie die Rheinisch - Westfälische Ordensprovinz der Kapuziner (s.d. u. Tafel 140). Beide Missionen haben auf der Insel Stationen und im Anschluß daran Kirchen und Eingeborenenschulen errichtet. Eine Regierungsschule besteht auf P. noch nicht.

Krauß.

Literatur: P. Hambruch, Ponape. Jahresber. d. Frankfurter Vereins für Geogr. u. Statistik. 1912, S. 79-86. - Deutsche Seekarte Nr. 166. - Ergebnisse der Südsee - Expedition der Hamburgischen wissenschaftlichen Stiftung, 1914 ff. - E. Spiegel von und zu Peckelsheim, Kriegsbilder aus Ponape. Stuttg. o. J.

Thilenius, Hambruch.