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Ponape (s. Tafel 162/63).
1. Lage und Bodengestaltung. 2. Klima. 3. Pflanzenwelt. 4. Tierwelt. 5.
Eingeborenenbevölkerung. 6. Bevölkerungsstatistik. 7. Europäische
Unternehmungen, Verwaltung und Mission.
1. Lage und Bodengestaltung. P., auch Faunupei, Falope,
William - IV. - Insel u. a. genannt, zwischen 6° 47' und 7° 1' n. Br.
und 158° 9' - 24'ö. L. gelegen, ist die größte Karolineninsel ( Deutsch-Neuguinea)
und umfasst mit ihren zahlreichen Randinseln 347 qkm. Das Ganze umgibt
ein Riff, das nur den Bachmündungen gegenüber durchbrochen ist. 4
Einfahrten
führen zu der Wasserstraße zwischen Wallriff und Inseln. Die Haupt- wie
ein Teil der Nebeninseln sind gebirgig; die höchste Erhebung, der
zentrale
Tolokole, erreicht 872 m Höhe. Die oft
steilen Berge bestehen aus Basalt, dessen Säulen oft senkrechte Abstürze
schaffen.
Außerdem beteiligt sich Korallenkalk in den Randpartien am Aufbau der
Insel. Eine Reihe von Buchten ist in den Inselkörper eingeschnitten. Die
Bewässerung der Insel ist ausgiebig; schiffbar für flache Boote sind nur
die Flüßchen Pilap en Lätau und Tau en Sokola. Ein Taifun hat 1905 die
Insel schwer geschädigt. Das Bezirksamt für die Ostkarolinen hat seinen
Sitz auf P. (im Norden der Insel). Die Insel wurde 1828 von Lütke entdeckt.
Sapper.
2. Klima s. Karolinen.
3.Pflanzenwelt. Über die Strand- und Mangrovenformation usw. s.
Karolinen und
Tafel 163. Auf den
Bergen des Innern, welche botanisch noch nicht durchforscht
sind, finden sich in den Schluchten noch Reste von Urwald. Sehr verbreitet ist daselbst Cananga
odorata.
Die Hänge tragen nur mannshohe Gräser
und niederen Busch. Wichtig ist die Steinnußpalme, Coelococcus. Manilahanf, Musa textills, scheint gut zu
gedeihen.
Lauterbach.
4. Tierwelt. Die Landtierfauna von P. ist, wie die Fauna aller ozeanischen Inseln sehr arm an Arten.
Immerhin
kommen einige der dort vorhandenen Arten nur auf P. oder nur noch auf
den zunächstliegenden Inseln der Karolinen (s. d.) vor. Wir ersehen das
namentlich aus der Verbreitung der Vögel, da diese am besten erforscht
sind. - Die Meeresfauna an den Küsten von P. ist im Gegensatz zur
Landfauna
sehr reich an Arten. Die Arten sind aber wenig verschieden von denen
anderer
Teile der Südsee (s. Deutsch -
Neuguinea).
Dahl.
5. Eingeborenenbevölkerung (s.Tafel 28,29,30, 33). P. wird von
den
Eingeborenen der Zentralkarolifien fanupe, das Land der (heiligen)
Steinbetzungen genannt; der Name selbst besagt soviel wie pon'pe: "auf den
(heiligen) Steinsetzungen". Die heimische Kultur der Insel ist in der Auflösung
begriffen. Eine innige Berührung mit den Weißen hat seit 70 Jahren eine
erhebliche Veränderung und Umgestaltung der alten Verhältnisse zur Folge gehabt,
die in vielen Fällen nicht gebessert, sondern eher verschlechtert wurden. Mit
Ausnahme Samoas ist P. in der deutschen Südsee die einzige Insel, welche den
Bestrebungen weißer Kulturträger mehrfach nachdrücklichen, bewaffneten
Widerstand leistete: den Spaniern und den Deutschen. (S. Aufstand 5 u. Karolinen
6.) P. war in früheren Jahrhunderten ein einheitlicher Staat, der sich einem
Oberhaupte, dem Schautelur in Matolenim (Metalanim), unterordnete. Nach der Eroberung der
Insel durch Kusaieleute unter der Führung des Ischokalakal löste sich das Reich
auf und zerfiel in die heute noch bestehenden' voneinander unabhängigen fünf
Staaten: Matolenim, Kitti, Dschokadsch,
Ne'ott und U. Kitti wurde vor 150 Jahren von dem Priesterstaate Nan Uonna
unterworfen, der fortan den Namen Kitti behielt. Dschokadsch (s. Tafel 162)
besitzt einen Vasallenstaat Palikir; beide haben heute nur mehr topographische
Bedeutung; denn die Einwohner sind nach dem Aufstande 1910 nach den Palauinseln verbannt worden.
Im Äußeren unterscheidet sich der P.mann wesentlich von den übrigen Bewohnern
der Karolinen. Er ist mittelgroß, von untersetzter Gestalt und besitzt eine
kräftige Muskulatur ohne den sonst üblichen starken Fettansatz der Karoliner.
Die Hautfarbe ist hellbraun, doch kommen auch oft dunkelbraune Hauttönungen vor.
Von solaren Wirkungen abgesehen findet sich diese Hautfarbe vielfach bei
Negerbastarden und deren Abkömmlingen; wie diese denn auch oft krauses Haar
besitzen, während es sonst für gewöhnlich schwarz und schlicht ist. Die Männer
schneiden es heute kurz ab, während die Frauen es halblang oder lang, in einen
Knoten geschlungen, tragen. Der Kopf ist lang, mäßig breit, das Gesicht ist
gleichfalls lang. Bartwachs ist spärlich. Meist rasiert man ihn wie das übrige K
örperhaar, mit Ausnahme der Scham. Die Frauen sind kleiner und zierlicher gebaut
als die Männer; ihre Glieder sind feiner und abgerundeter. In der Jugend haben
manche hübsche, ansprechende Züge. Früher rieb man den Körper mit Gelbwurz ein; heute kommt dieser Brauch immer mehr
ab, wie auch die Tatauierung langsam zu
verschwinden scheint. Jede Familie hat eine nach Geschlechten und dem Range
verschiedene Tatauierung, die sich aus kleinen Abweichungen im Muster ergibt.
Sie beruht auf religiöser Grundlage. Beim Manne werden Hände, Arme und Beine,
bei den Frauen außerdem Scham und Gesäß tatauiert. Außerdem bürgert sich heute
die Narbentatauierung ein. Beim Eintritt der Pubertät wird der Jüngling halbseitig kastriert,
bei vielen Männern wird auch die volle Kastration durchgeführt. - Die P.leute sind
ihren Überlieferungen nach eine Mischbevölkerung aus eingewanderten Polynesiern,
die über die Guilbert-, Marshallinseln
und Kusaie her ihren Einzug hielten, und der
ansässig gewesenen melanesischen Bevölkerungsschicht, die bei ihrer
Inbesitznahme noch eine andere Bevölkerung vorfand. Denn ehemals gab es in P.
noch ein anderes Bevölkerungselement, das sich durch seine Kleinheit, seine
Haartracht (Haarwolke) und anders geartete Sprache auszeichnete. Die letzten
Vertreter wohnten in der Landschaft Palang. - Die Bevölkerungszahl ist niedrig.
Sie beträgt rund 2 Köpfe und ist jetzt durch Einführung von zahlreichen Familien
aus den Mortlockinseln, Mokil und Pingelap
erheblich erhöht worden. - Krankheiten wie Pocken, Masern, Syphilis räumten einst stark unter den Leuten auf;
heute fordern Tuberkulose, Influenza und
Dysenterie ihre Opfer trotz der großen Reinlichkeit, die man an den Eingeborenen
gewohnt ist. Täglich wird gebadet; Haus und Hof werden sauber gehalten. - Der Charakter der Eingeborenen ist
nicht mehr der alte, wie er früher beschrieben wurde. Die alte
Liebenswürdigkeit, Zutraulichkeit, Offenheit findet man nicht häufig; sie haben
mürrisches Wesen, Hinterlist, Verschlagenheit Platz gemacht. Passiver Widerstand
allen Wünschen und Neuerungen der Weißen gegenüber ist der Hauptzug. - Die
Bevölkerung zerfällt in 22 verschiedene Sippen,
die in den genannten Staaten durcheinander leben. Jede Sippe (tip) hat ihr
besonderes Totem und ihren Schutzgott; sie
zerfällt in mehrere Familien (kainak), deren jede noch einen Sondernamen fährt
und vielfach im Besitze besonderer Totems und Schutzgottheiten ist. Heirat im
selben tip und kainak ist verboten. Das Mutterrecht herrscht. In jedem Staate findet
sich eine straffe Ständegliederung und Organisation in Adel, Volk und Unfreie.
Die Priesterschaft bildet eine Sonderklasse, die sich auf Adel und Volk
verteilt. An der Spitze eines Staates stehen 2 Sippen, die den Adel bilden. Die
beiden ältesten Männer sind die Familienund gleichzeitig Staatsoberhäupter.
Beide Familien heiraten stets untereinander: die Frau der einen den Mann der
anderen und umgekehrt. Die Familionangehörigen der ersten Staatshäupter
(nanamariki) heißen joupe'iti, die der zweiten, im Range ein wenig niedriger
stehenden Staatsoberen, der Kriegshäuptlinge (naneken) führen den Namen
scherischo. So findet man auch hier die altpolynesische Staatsorganisation
wieder. Die aramas bilden das Volk, und unter diesen stehen die aramas mual, die
Unfreien. - Der nanamariki nahm in den Staaten gleichzeitig die Stellung eines
geistigen Oberhauptes ein. - Besonders charakteristisch ist für P. das
Titelwesen. Mit Ausnahme der 17 höchsten Titel der
beiden Adelsfamilien, die dem Alter nach auf die Familienmitglieder übertragen
worden, kann jeder Titel durch Kauf erworben werden. Die adeligen Frauen führen
besondere Titel. Nur mit diesem Titel darf ein Eingeborener genannt werden,
seinen Namen darf man nicht aussprechen. Im übrigen regelt ein ausgezeichneter
Sitten- und Anstandskodex den Verkehr der
Eingeborenen untereinander. Auch gibt es besondere Standessprachen. - Das Land
gehört dem Adel, der es als Lehen oder in zu jeder Zeit kündbare Pacht abgibt.
Jeder Lehensträger und Pächter hat dafür seinem Herrn Abgaben in Naturalien und
unentgeltliche Arbeit zu
leisten, auch einen Anteil an seinem Geldverdienst zu geben., 1909/1910 ist
diese Lehnsherrschaft, die oft zu großen Unzuträglichkeiten führte, aufgehoben;
trotzdem wird sie in vielen Fällen heute noch freiwillig anerkannt. Außer dem
Lehnsland, das in kauschap eingeteilt wird, hat jeder Staat noch Kronland (nanue), das zur freien Nutznießung und
Verfügung des nanamariki steht. - Der Kult ist heute ein Talmichristentum, unter
dessen Firnis die alten religiösen Anschauungen kräftig fortleben. Sie bauen
sich vornehmlich auf dem Animismus auf, dem
ein gut Teil manistischer Vorstellungen beigefügt sind. Den Göttern und Dämonen
brachte man ehemals Opfer dar, Erstlingsfrüchte, Kawa und Hunde. Jeder Staat besaß ein Staatsheiligtum,
eine Steinsetzung (pung scharaui), in dem der. Staats- oder Sippengottheit
geopfert wurde. Das größte und vornehmste ist das von Nan Matol, der heutigen
Ruinenstadt. Einer besonderen, in Kolle organisierten Priesterklasse Schanoro
(Schau en Oro = Familie des Oro) lag die Kultpflege ob. Die Priester waren gleichzeitig als Zauberer und Ärzte sehr gesucht; mit Heilmitteln
und namentlich Zaubersprüchen versuchten sie die Genesung des Kranken zu
erwirken. - Die Ehe wird heute nach christlichem Ritus geschlossen, daneben bestehen die alten Formen
noch ungeschwächt weiter. Kinder werden oft schon in frühester Jugend einander
verlobt und halten gelegentlich vom 5. Jahre ab Probenächte ab. Auch kümmert man
sich sonst wenig um das Leben der beiden Geschlechter vor der Ehe, dann
allerdings verlangt man von der Frau unbedingte Treue. Sobald die Tatauierung
vollendet, der Jüngling einen Titel erworben hat und mit Land belehnt ist,
heiratet er. Die Form der Ehe ist eine Wahlehe. Die Zeremonien sind einfach. Die
Mutter salbt den Brautleuten das Haar mit Kokosöl und verbindet sie dadurch
miteinander. Nur bei der Hochzeit eines Adligen finden lärmende Feste statt, an
denen die ganze Landschaft teilnimmt. Die K inderzahl der einzelnen Familien ist
meist gering; gern adoptiert man Kinder aus gesegneteren Familien. Der Tod hat
für die Eingeborenen nichts Schreckhaftes. Stirbt jemand, so schneiden sich die
weiblichen Angehörigen die Haare kurz, stimmen ein Klagegeschrei an und
beschmieren sich mit Erde und Kot. Der Leichnam wird geschmückt, mit Beigaben
versehen, in Matten gehüllt und wahllos im Busche
bestattet. Nur Nan Uonna besitzt einen Friedhof. Die Seelen, deren nach
Eingeborenenglauben jeder zwei hat, leben nach dem Tode weiter. Die eine Seele
begibt sich ins unterseeische Totenreich, die andere geht in Tiere, vor allem
Vögel über, die in dieser Gestalt die Angehörigen und das Grab besuchen. Die
adligen Toten erhalten außerdem einen besonderen Totennamen. -Besonders
erwähnenswert ist die hohe Stellung der Frau im Lande; sie sorgt für die Ordnung
im Hause, besorgt die Herstellung der Matten, webt die Gürtel und betreibt
gelegentlich den Kleinfischfang auf dem Riffe. -
Der Mann besorgt die übrigen Geschäfte; ihm liegt die Zubereitung der täglichen
Nahrung ob, auch hat er die Nahrungsmittel herbeizuschaffen.Gegessen werden
Hund, Schwein, Huhn, Fisch, Schildkröte; Brotfrucht, Yams,
Kokosnuß, Banane, Plantane. Als Genußmittel dienen Tabak und Kawa, die beide angebaut werden. - Vom
Landbau ist nicht viel die Rede. Feldmäßig gebaut werden: Yams, Banane, Plantane
und Kawa. Alles übrige ist Sammelwirtschaft. - Festlichkeiten, Spiel und Tanz
war man ehemals nicht abgeneigt. Heute
sind sie fast verschwunden. Zur Zeit des Erscheinens der Erstlingsfrüchte werden
für den Lehnsherrn von den Pächtern große Eßfeste (kamatip) abgehalten, die mit
Kawagelagen verbunden sind. Die Wurzel wird auf breiten Steinen unter
Liederbegleitung mit rhythmischen Steinschlägen zerstampft, ausgepreßt und mit
Wasser vermischt getrunken. Die Tänze sind einfach. Sie werden unter Lieder- und
Trommelbegleitung ausgeführt und zerfallen in Figuren-, Sitz- und
Stäbehentänze. Bei den heiligen Bootbaufesten wurden sie auf Kanus getanzt.
Sport und Spiel sind fast gänzlich verschwunden. - Die Lieder enthalten die
Erzählungen des schriftlosen Volkes. In ihnen werden die Überlieferungen der
Leute, zum Teil in heute nicht mehr verstandener Sprache, erhalten.
Scherzlieder, Arbeitsgesänge treten hinzu. Ungemein reich sind die reiz- und
phantasievollen Geschichten von Zwergen, Drachen, Riesen usw., die vielfach an
euro. päische Märchen erinnern. - Berühmt ist P. durch seine sog."Ruinen". Diese
Bauwerke bestehen aus 92 Steingehegen, die im Staate Matolenim ("zwischen den
Häusern") im Osten der Insel auf dem breiten Innenriff errichtet sind
(s.Tafell63). Sie bedecken eine Fläche von 1 1/2 - 2 km und bestehen aus
Korallensteinplattformen, die mit Basaltmauem eingefaßt sind. Im Durchschnitt
beträgt ihre Höhe 3-4 in. Bei den wichtigeren Bauten sind diese Mauern bis zu 10
m hoch. Die Anlage ist eine heilige Stadt, die nur vom Adel und den Priestern
betreten werden durfte. Allen
anderen war der Zutritt nur zu Zeiten erlaubt, sonst aber bei Todesstrafe verboten.
Diese Ausnahmen landen gelegentlich der großen Feste statt, der Opferfeste der
Erstlingsfrüchte, der heiligen Bootbaufeste, Spiele usw. Die Stadt zerfällt in 3
Hauptteile: 1. die Königsstadt, in der der Oberhäuptling mit seiner Sippe
wohnte; 2. die Priesterstadt, wo sich die Totenstadt, das vielbeschriebene Nan
Tauasch (s. Tafel 33),
befindet, und 3. die Stadt- und Mausoleumsmauer, welche
die gesamte Stadtanlage einfaßt, in der sich die Grabkammern und Opferplätze
ausgezeichneter Häuptlinge und Priester
befinden. Die Stadt ist von den P.leuten in den letzten 400 Jahren erbaut
worden. Das Baumaterial wurde oft meilenweit von der Insel her auf Flößen
herbeigeschleept. Solche heilige Stadtanlagen (kanim) und befestigte
Herrscherplätze besaß im Kleinen jeder Staat mit Ausnahme von Neott und Jokasch. In der Nähe von Nan Matol wurden auf dem
Festlande bei Kitam Bildersteine mit rätselhaften Menschen- und Schwerterfiguren
aufgefunden. - Dörfer fehlen in P. Die Eingeborenen wohnen auf Höfen, die jeder
einen eigenen Namen haben; diese Höfe liegen im Busch und am Meeresufer
verstreut, oft nahe
beieinander, dann auch wieder stundenweit voneinander entfernt.. Die Häuser (im)
(s. Tafel 29) sind sorgfältig
auf Steinwerften erbaute Rahmenhäuser, die mit
einem spitzwinkligen Dach aus Palmblättern mit geradem First gedeckt sind. Die
Wände bestehen aus zusammengebundenem Röhricht, ebenso der Fußboden, der in der
Mitte die viereckige Herdstelle besitzt. Außer diesen Wohnbäusern gibt es noch
Wirtschaftsgebäude. Jeder Staat und größere Gau besitzt ein großes
Versammlungshaus (nasch). Die Häuser sind sehr geräumig und auf der einen
Giebelseite offen. Sie haben u-förmigen Grundriß; das Fundament besteht aus
einer gleichfalls u-förmigen Steinwerft. Hierauf nimmt der Adel Platz - jeder
Titelinhaber hat einen ihm bestimmten Sitz -, während dem Volk der Hallenraum
zur ebenen Erde angewiesen wird. - Die materielle Kultur ist einfach. Die Frauen
tragen heute durchweg europäische Kleidung; Hüfttuch und Hängekleid. Die Männer
dagegen legen meist den bequemen Rüftschurz aus zerschlitzten Palmblättern an.
Schmuck ist gering. Bis auf den täglich erneuerten Blumenkranz im Haar trägt man
im durchbohrten Ohrläppchen Blüten oder goldene Ohrringe. - Das Hausgerät besteht vorwiegend aus
europäischem und japanischem Geschirr; das alte Holzgerät ist nahezu
verschwunden. Schüsseln, Kokosschaber, Körbe haben die üblichen Formen der
Südsee. Typisch sind für P. die rollwandähnlichen Schlafmatten. (losch), die in
Jokasch und Palikir aus einzelnen Pandanusblättern zusammengenäht werden. Als
Handwerksgerät ist europäisches Werkzeug schon lange im Gebrauch. - Die
Streitigkeiten zwischen den Männern führten bis vor kurzem zu erbitterten
Kriegen, in denen man neben Feuerwaffen die
alten Kriegswaffen: Schleudern,
Rochenstachel- und Holzspeer, Pfeil und Bogen
brauchte. Die Kriege wurden durch Kawafeste, bei denen Schildkröten und Hunde in feierlich zeremonieller Weise geröstet und
zerlegt wurden, beendet. An Musikinstrumenten kennt P. zweierlei Arten von Flöten: eine Mund- und eine Nasenflöte; ferner verwendet man die
sanduhrförmige, mit Haihaut bespannte Trommel, die gleichzeitig die Stelle eines
Feldzeichens vertritt. - P. besaß 3 Industriestaaten-. In Kitti wurde die Weberei betrieben (1912 ausgestorben). Aus
naturfarbenen und rotgefärbten Bananenfasern wurden für die Männer Gürtel,
verschiedenartig gemustert, hergestellt; für Frauen webte man Kleidmatten. Die
Gürtel wurden außerdem mit sorgfältig geschliffenen Muschelscheibchen benäht. -
Jokasch und Palikir betrieben die Fabrikation der obengenannten Schlafmatten
(losch), und in Matolenim befand sich in Matup der Herstellungsort der
ornamentierten Tridacnaringe. - Die Form des Handels bestand in einer Art
Tauschverkehr; begehrte Gegenstände schenkte man einander; der Anstand
erforderte jedoch ein Gegengeschenk. Deutsches Geld
ist erst jetzt in Aufnahme gekommen. - Das Boot bildet das Hauptverkehrsmittel;
die Wege im Innern der Insel wurden wenig benutzt und sind seit dem Taifun im Jahre 1905 fast ganz in Vergessenheit
geraten. Das Boot ist ein Auslegereinbaum mit sehr langem Schwimmer und schmalen
Querhölzern. Es ist rot bemalt, führt ein dreieckiges Segel, Paddel und
Stoßstangen. Noch vor 100 Jahren wurden von P. aus weite Reisen unternommen.
Die Leute besaßen vorzügliche nautische Kenntnisse, die jetzt vergessen sind.
Die Häuptlingsboote haben gabelartige Bug- und Heckaufsätze, die Querhölzer und
Bordleisten sind hier weiß bemalt und die Bindungen besonders prächtig
ausgeführt. In der Fischerei, die mit Haken,
Angel, Speer, Schlinge, Reuse, Schleppnetz und
Gift betrieben wird, findet das Boot seinen zweiten
Hauptzweck. Thilenius, Hambruch.
6. Bevölkerungsstatistik. Die weiße Bevölkerung auf P. setzt sich
zusammen aus den Beamten, den Missionaren der beiden dort tätigen Missionsgesellschaften sowie einigen
Händlern und sonstigen Ansiedlern und beträgt zurzeit ca. 30 Personen. Die Eingeborenenbevölkerung der Insel
wird auf rund 4000 Seelen geschätzt. Verwaltungsseitig gehört P. zu den Ostkarolinen.
7. Europäische Unternehmungen, Verwaltung und Mission. Größere
europäische
Unternehmungen, vor allen Dingen Plantagen,
bestehen auf P. noch nicht. Es sind vielmehr nur einige kleinere
Kokospflanzungen
angelegt worden, denen aber irgendeine Bedeutung für die Ausfuhr nicht
zukommt. Der Handel auf P. liegt in der Hauptsache, wie auf den
übrigen Inseln der Ostkarolinen, in den Händen der Jaluit-Gesellschaft (s.d.), die am
Langer
- Hafen (Santiago - Hafen), eine Zweigniederlassung errichtet hat. Außer
der Jaluit - Gesellschaft sind noch einige Händler auf der Insel tätig. Das
Hauptausfuhrprodukt
ist die Kopra, daneben gelangen in
geringem
Maße Muscheln und Schildpatt zur
Ausführung.
Der Anlage größerer Plantagen steht die ständige Taifungefahr besonders
hindernd, im Wege. So hat im Jahre 1905 ein Taifun fast die gesamten
Fruchtbäume
der Insel zerstört. -Der Bezirksamtmann dies es Bezirks hat seinen
Sitz auf P. selbst und zwar in Messenieng (s. Tafel 162) in der Nähe des
Santiago.hafens. Zu seiner Unterstützung ist ihm das nötige
Unterpersonal,
bestehend aus einem Sekretär, einem
Polizei- und Hafenmeister
beigegeben.
Auch ein Regierungsarzt ist auf P. zur Ausübung des Gesundheitsdienstes
stationiert. Eine aus Melanesen zusammengesetzte Polizeitruppe sorgt für
die Aufrechterhaltung der Ordnung auf der Insel. Außer dem Bezirksamt
befinden sich noch das Bezirksgericht, das Seemannsamt,
das Strandamt und das Standesamt für die Ostkarolinen in P. Der
Bezirksamtmann
nimmt die Geschäfte dieser Behörden im Nebenamt wahr. Das Obergericht
für P. befindet sich in Rabaul auf Neupommern im Bismarckarchipel. Der Hafen von P. ist für
den Auslandsverkehr geöffnet. Den Verkehr der Insel mit der Außenwelt
vermittelt der Reichspostdampfer "Germania" der Jaluit - Gesellschaft,
der hier jährlich sechsmal vorläuft. An das Welttelegraphennetz ist P.
noch nicht angeschlossen, dagegen besteht daselbst eine Postanstalt. Die
Missionierung der Insel erfolgt durch die protestantische Liebenzeller
Mission (s.d.), sowie die Rheinisch - Westfälische Ordensprovinz der
Kapuziner (s.d. u. Tafel 140). Beide Missionen
haben auf der Insel Stationen und im
Anschluß daran Kirchen und Eingeborenenschulen errichtet. Eine
Regierungsschule
besteht auf P. noch nicht.
Krauß. Literatur:
P. Hambruch, Ponape. Jahresber. d. Frankfurter
Vereins für Geogr. u. Statistik. 1912, S. 79-86. - Deutsche Seekarte Nr. 166. -
Ergebnisse der Südsee - Expedition der
Hamburgischen wissenschaftlichen Stiftung, 1914 ff. - E. Spiegel von und zu
Peckelsheim, Kriegsbilder aus Ponape. Stuttg. o. J.
Thilenius, Hambruch.
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