Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 89 ff.

Post- und Telegraphenwesen (hierzu Übersichtskarten über die einzelnen Schutzgebiete). 1. Organisation. 2. Post- und Telegraphenanstalten. 3. Personal. 4. Postverbindungen. 5. Statistik.

1. Organisation. Das P. T. in den Schutzgebieten untersteht dem Reichspostamt und wird örtlich geleitet von den Postämtern in Lome (Togo), Duala (Kamerun), Windhuk (Deutsch-Südwestafrika), Daressalam (Deutsch-Ostafrika), Rabaul (Deutsch-Neuguinea) für die Postanstalten in Kaiser-Wilhelmsland und im Bismarckarchipel, Apia (Samoa), Tsingtau (Kiautschou), letzteres unter der Oberleitung der deutschen Postdirektion in Schanghai. Die Postanstalten auf den Karolinen, Marianen, Marshallinseln und den Palauinseln sind in allen Betriebsangelegenheitein der Oberpostdirektion in Bremen zugewiesen. Den leitenden Postanstalien untersteht das gesamte Personal in den einzelnen Schutzgebieten, sie üben die Aufsicht über den Dienstbetrieb bei den anderen Postanstalten, unterbreiten dem Reichspostamt die Vorschläge über Neueinrichtungen, führen die Abrechnungen für das gesamte Schutzgebiet und sind im allgemeinen mit Verwaltungsbefugnissen ausgestattet, die denen der heimischen Provinzialpostbehörden, der Oberpostdirektionen, nahe kommen. Obschon nur dem Reichspostamt unterstellte selbständige Reichsbehörden in den Schutzgebieten, müssen sich die leitenden Postanstalten, um ihren Zweck zu erfüllen -namentlich bei der Ergründung der Bedürfnisse des Verkehrs, sowie bei ihren Vorschlägen an das Reichspostamt hinsichtlich der Ausdehnung des P. u. T., - in ständiger Fühlung mit der obersten Landesbehörde, dem Gouvernement, halten. Die Einnahmen und Ausgaben der Post und Telegraphie in den Schutzgebieten erscheinen im Postetat; die recht erheblichen Zuschüsse, die zurzeit noch nötig sind, trägt daher die Postverwaltung.

2. Post- und Telegraphenanstalten. In den Mitte der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts erworbenen deutschen Schutzgebieten in der Südsee und in Afrika wurden die ersten Postanstalten in den Jahren 1886 (Samoa), und von 1887 ab (Afrika, Marshallinseln und Deutsch - Neuguinea) eingerichtet; 1898 und 1900 traten hinzu die Posteinrichtungen in dem neugewonnenen Schutzgebiete Kiautschou, sowie auf den durch Kauf von Spanien auf Deutschland übergegangenen Karolinen, Marianen und Palauinseln. Klein waren die Anfänge, verhältnismäßig gering war in dem ersten Jahrzehnt und auch noch im zweiten der Zuwachs der Post- und Telegraphenanstalten, wenn deren Zahl sich bis Ende 1905 auch schon auf 122 gehoben hatte. Erst seitdem im letzten Lustrum die wirtschaftliche Entwicklung der Schutzgebiete kräftiger eingesetzt hatte, in den afrikanischen Schutzgebieten insbesondere die Bahnhauten das Land erschlossen, in Deutsch - Südwestafrika weiter auch die Diamanten, in der Südsee die großen Phosphatlager entdeckt worden waren, macht sich auch ein rascheres Tempo in dem Ausbau der Post- und Telegrapheneinrichtungen bemerkbar. Gegenüber Ende 1905 ist die Zahl der Verkehrsanstalten in den Schutzgebieten von 122 auf 276 gestiegen (Stand vom 1. Juli 1914). Hiervon entfallen auf Deutsch-Ostafrika 55, Deutsch-Südwestafrika 109, Kamerun 48, Togo 23, Deutsch-Neuguinea (Kaiser-Wilhelmsland und Bismarckarchipel) 15, Marshallinseln 2, Karolinen, Marianen, Palauinseln 6, Samoa 8 und Kiautschou 10. Im allgemeinen werden die Postanstalten in den Schutzgebieten als Postagenturen bezeichnet; nur die leitenden Postanstalten und einige, wenige Postanstalten größeren Umfangs wie Tanga (Deutsch-Ostafrika), Keetmanshoop, Lüderitzbucht und Swakopmund (Deutsch -Südwestafrika) führen die Bezeichnung Postamt. Dabei besteht in den Geschäftsbefugnissen der Postämter und einer großen Anzahl der Postagenturen, namentlich der von Fachbeamten verwalteten, kein Unterschied. Sie nehmen gleichmäßig an allen Dienstzweigen des Weltpostvereins (Brief-, Paket-, Postanweisungs-, Nachnahme-, Wertund Zeitungsdienst) teil; nur der Postauftragsdienst ist bisher nirgends eingeführt. Etwas geringere Geschäftsbefugnisse haben die nach heimischem Muster von Nichtfachbeamten verwalteten Postagenturen an kleineren Orten in den Schutzgebieten. Endlich bestehen, namentlich in Deutsch - Südwestafrika und in Samoa, noch Posthilfstellen, die fast ausschließlich nur der Vermittlung des reinen Briefverkehrs (Briefe, Postkarten, Drucksachen, Warenproben) dienen. Daneben sind in Deutsch - Südwestafrika und in einigen anderen afrikanischen Kolonien Telegraphenanstalten ohne Postbetrieb, die sog. Telegraphenhilfstellen vorhanden. Sämtliche Schutzgebiete und die in ihnen bestehenden Postund Telegraphenanstalten gehören dem Weltpostverein und dem internationalen Telegraphenverein an. S.a. Telegraphen, Fernsprechanlagen, Telefunkenstationen und Funkentelegraphie. Es bestehen zurzeit in Deutsch-Ostafrika die Postämter in Daressalam* (die mit einem * versehenen Postanstalten sind gleichzeitig Telegraphenanstalten) und Tanga*, sowie die Postagenturen in Amani*, Aruscha*, Bagamojo*, Bismarckburg*, Buiko*, Bukoba*, Dodoma*, Handeni, Iringa*, Kigoma*, Kihmatinde*, Kilossa*, Kilwa*, Kissenji, Kondoa - Irangi, Korogwe*, Leganga, Lindi*, Mahenge, Mikindani*, Mkalama, Mkumbara*, Mnyussi, Mohoro*, Mombo*, Morogoro*, Moschi*, Mpapua*, Muaja, Muansa*, Muhesa*, Musoma, Neu - Langenburg, Ngomeni*, Pangani*, Ruanda, Sadani*, Salale, Schirati, Soga, Ssongea, Tabora*, Tschole, Udjidji*, Umbulu, Urundi, Usumbura, Utete* und Wilhelmstal*, sowie die Telegraphenanstalten ohne Postbetrieb in Maurui, Mtingi, Mwule und Wugiri; in Deutsch - Südwestafrika die Postämter in Windhuk*, Keetmanshoop*, Lüderitzbucht* und Swakopmundt die Postagenturen in Aroab, Aus*, Bethanien*, Gibeon*, Gobabis*, Grootfontein*, Johann - Albrechtshöhe*, Kanus*, Karibjb*, Kolmannskuppet Kub*, Kuibis*, Maltahöhe*, Okahandja*, Omaruru*, Otavi*, Otjiwarongo*, Outjo*, Pomonahügel*, Rehoboth*, Seeheim*, Tsumeb*, Ukamas*, Usakos*, Warmbad*, die Posthilfstellen in Aris*, Barby, Bergland*, Berseba*, Bogenfels*, Brackwasser*, Brackwater* (Bz. Windhuk), Chairos, Ekuja, Empfängnisbucht, Epukiro, Fahlgras (Bz. Windhuk), Gochas, Groß - Witvley*, Gründorn*, Guchab*, Haris*, Hatsamas*, Hoachanas, Hohewarte*, Kalkfeld*, Kalkfontein (Süd)*, Khan*, Klein - Nauas, Koes*, Kubas*, Mariental, Nauchas, Neudamm, Neuheusis*, Okasise*, Okatjombva, Okaukwejo, Okombahe, Olukonda, Onguati*, Osona*, Otjihawera, Otjimbingwe, Otjosazu, Otjosonjati, Otjundaura, Ramansdrift*, Seeis*, Waldau*, Waterberg* und Wilhelmstal*; außerdem folgende Telegraphenanstalten ohne Postbetrieb: Angras Juntas, Aninus, Dawignab, Elisabethbucht, Farm Hoffnung, Farm Voigtland, Friedrichsfelde, Frohe Hoffnung, Geitsabis, Ginnestal, Granitberg, Groß - Barmen, Hasuur, Kabus, Kappsfarm, Klipdam, Kuis, Kupferberg, Lüderitzfelder, Narubis, Nonidas, Okanjande, Omitara, Otjiwero, Pomonapforte, Rohrbachfold, Spitzkoppe, Stolzenfels, Tses, Tsumis, Uchanaris, Unverhofft und Wittenhorst; - in Kamerun das Postamt in Duala*; die Postagenturen in Abong -Mbang*, Akoafim, Akonolinga*, Ambam, Bamenda, Banjo, Bare, Bibundi*, Bipindihof, Bonaberi*, Bonambasi*, Buar, Buea*, Dschang, Dume*, Ebolowa*, Edea*, Garua, Jabassi*, Jaunde*, Joko, Jukaduma, Kampo*, Kribi*, Lobetal*, Lolodorf*, Lomie, Longji, Marienberg, Molundu, Mora, Mundeck*, Ngaundere, Njassi*, Nola, Nyanga*, Ossidinge, Plantation*, Rio del Rey, Sangmelima, Ukoko und Vietoria*, sowie Telegraphenanstalten ohne Postbetrieb in Groß - Batanga, Isongo, Malimba und Nkongsamba; -in Togo das Postamt in Lome*, die Postagenturen in Agbeluvhoe*, Agome - Palime*, Agu*, Anecho*, Assahun*, Atakpame*, Ho*, KeteKratschi*, Kpandu*, Moepe*, Nuatjä*, PortoSeguro*, Sausane - Manga, Sokode*, Tokpli* und Tsewie*, sowie Telegraphenanstalten ohne Postbetrieb in Agome - Klossu, Agome-Sewa, Aklaku, Awewe, Bimbila, Jendi; - in Deutsch -Neuguinea das Postamt in Rabaul* sowie die Postagenturen in Deulon, Eitape, Finschhafen, Friedrich - Wilhelmshafen, Herbertshöhe *, Käwieng, Kieta, Manus, Maron, Marobe, Namatanai und Stephansort und die Posthilfstelle in Buka, sowie die Telegraphenanstalt ohne Postbetrieb in Bitapaka; -auf den Marshallinseln die Postagenturen in Jaluit und auf der Insel Nauru*; - auf den Karolinen, Marianen und Palauinseln die Postagenturen auf den Inseln Jap, Ponape, Trugk (Karolinen), Saipan (Marianen) und Angaur* sowie Palau (Palauinseln); -auf Samoa das Postamt in Apia sowie die Posthilfstellen in Aleipata, Fagamalo, Malua, Mulifanua, Palauli, Salailua und Salelavalu; - in Kiautschou das Postamt in Tsingtau*, die Postagenturen in Litsun*, Taitungtschen* und Tsangkou*; sowie die Posthiltstellen inMecklenburghaus*, Schatsykou, Syfang* und Taputou.

3. Personal. Das Beamtenpersonal in den Schutzgebieten besteht zum größeren Teil aus deutschen Fachbearnten und Fachunterbeamten, zum kleineren Teil aus Nichtfachbeamten. Letztere versehen die Postdienstgeschäfte bei den Postagenturen geringeren Geschäftsumfangs, den Posthilfstellen und Telegraphenhilfstellen und setzen sich aus Kolonialbeamten, Angehörigen der Schutztruppe, Eisenbahnangestellten, Missionaren und sonstigen Privatpersonen zusammen. Die in die Schutzgebiete entsandten Fachbeamten erhalten eine besondere technische und sprachliche Ausbildung, letztere zum Teil auf dem Seminar für orientalische Sprachen in, Berlin. Gegenwärtig (Ende 1913) sind insgesamt 115 Fachbeamte und 56 Fachunterbeamte in den Schutzgebieten tätig. Soweit intelligente Eingeborene vorhanden sind, insbesondere in Togo, Kamerun, Deutsch-Ostafrika und Kiautschou, werden sie zur Hilfeleistung in den Beamtendienstgeschäften (Post-, Telegraphen- und Fernsprechdienst) ausgebildet und als Hilfsbeamte beschäftigt. Den Unterbeamtendienst (innerhalb der Postanstalten), Boten- und Leitungsaufseherdienst (auf den Postkursen über Land und auf den Strecken der Telegraphenlinien) versehen überall Eingeborene.

4. Postverbindungen. Die Bahnen in den Schutzgebieten werden überall zur Postbeförderung benutzt. Die Küstenplätze sind zum größten Teil durch Dampfschifflinien verbunden (s. Küstenfahrt und Postverbindungen). Im Innern nicht an Bahnen gelegene Postanstalten werden durch regelmäßige Botenposten, in Deutsch-Südwestaftika auch durch die landesüblichen Karrenposten und durch Reitposten versorgt.

5. Statistik. Der Verkehr bei den Post-, Telegraphenund Fernsprechaustalten in den Schutzgebieten ergibt sich aus der Statistik für das Kalenderjahr 1912 (S. 90, 91).

Literatur: Archiv für Post und Telegraphie, Jahrgang 1903, 33 ff und 65 ff. - Bericht über die Ergebnisse der Reichpost und Telegraphenvertwaltung während der Rechnungsjahre 1906/10.

Puche.