Post- und Telegraphenwesen (hierzu Übersichtskarten
über die
einzelnen
Schutzgebiete). 1. Organisation. 2. Post- und Telegraphenanstalten. 3.
Personal.
4. Postverbindungen. 5. Statistik.
1. Organisation. Das P. T. in den Schutzgebieten untersteht dem
Reichspostamt
und wird örtlich geleitet von den Postämtern in Lome (Togo), Duala (Kamerun), Windhuk (Deutsch-Südwestafrika), Daressalam
(Deutsch-Ostafrika), Rabaul (Deutsch-Neuguinea) für die Postanstalten
in Kaiser-Wilhelmsland und im Bismarckarchipel, Apia (Samoa), Tsingtau
(Kiautschou), letzteres unter der Oberleitung der deutschen
Postdirektion
in Schanghai. Die Postanstalten auf den Karolinen, Marianen,
Marshallinseln
und den Palauinseln sind in allen Betriebsangelegenheitein der
Oberpostdirektion
in Bremen zugewiesen. Den leitenden Postanstalien untersteht das gesamte
Personal in den einzelnen Schutzgebieten, sie üben die Aufsicht über den
Dienstbetrieb bei den anderen Postanstalten, unterbreiten dem
Reichspostamt
die Vorschläge über Neueinrichtungen, führen die Abrechnungen für das
gesamte Schutzgebiet und sind im allgemeinen mit Verwaltungsbefugnissen
ausgestattet, die denen der heimischen Provinzialpostbehörden, der
Oberpostdirektionen,
nahe kommen. Obschon nur dem Reichspostamt unterstellte selbständige Reichsbehörden in den Schutzgebieten,
müssen
sich die leitenden Postanstalten, um ihren Zweck zu erfüllen -namentlich
bei der Ergründung der Bedürfnisse des Verkehrs, sowie bei ihren
Vorschlägen
an das Reichspostamt hinsichtlich der Ausdehnung des P. u. T., - in
ständiger
Fühlung mit der obersten Landesbehörde, dem Gouvernement, halten. Die
Einnahmen und Ausgaben der Post und Telegraphie in den Schutzgebieten
erscheinen im Postetat; die recht erheblichen Zuschüsse, die zurzeit
noch
nötig sind, trägt daher die Postverwaltung.
2. Post- und Telegraphenanstalten. In den Mitte der achtziger Jahre des
vorigen Jahrhunderts erworbenen deutschen Schutzgebieten in der Südsee
und in Afrika wurden die ersten Postanstalten in den Jahren 1886
(Samoa),
und von 1887 ab (Afrika, Marshallinseln und Deutsch - Neuguinea)
eingerichtet;
1898 und 1900 traten hinzu die Posteinrichtungen in dem neugewonnenen
Schutzgebiete Kiautschou, sowie auf den durch Kauf von Spanien auf
Deutschland
übergegangenen Karolinen, Marianen und
Palauinseln.
Klein waren die Anfänge, verhältnismäßig gering war in dem ersten
Jahrzehnt
und auch noch im zweiten der Zuwachs der Post- und Telegraphenanstalten,
wenn deren Zahl sich bis Ende 1905 auch schon auf 122 gehoben hatte.
Erst
seitdem im letzten Lustrum die wirtschaftliche Entwicklung der
Schutzgebiete
kräftiger eingesetzt hatte, in den afrikanischen Schutzgebieten
insbesondere
die Bahnhauten das Land erschlossen, in Deutsch - Südwestafrika weiter
auch die Diamanten, in der Südsee die
großen Phosphatlager entdeckt worden waren, macht sich auch ein
rascheres
Tempo in dem Ausbau der Post- und Telegrapheneinrichtungen bemerkbar.
Gegenüber Ende 1905 ist die Zahl der Verkehrsanstalten in den
Schutzgebieten
von 122 auf 276 gestiegen (Stand vom 1. Juli 1914). Hiervon entfallen
auf Deutsch-Ostafrika 55, Deutsch-Südwestafrika 109, Kamerun 48, Togo
23, Deutsch-Neuguinea (Kaiser-Wilhelmsland und Bismarckarchipel) 15,
Marshallinseln
2, Karolinen, Marianen, Palauinseln 6, Samoa 8 und Kiautschou 10. Im
allgemeinen
werden die Postanstalten in den Schutzgebieten als Postagenturen
bezeichnet;
nur die leitenden Postanstalten und einige, wenige Postanstalten
größeren
Umfangs wie Tanga (Deutsch-Ostafrika), Keetmanshoop, Lüderitzbucht und Swakopmund (Deutsch -Südwestafrika) führen die
Bezeichnung Postamt. Dabei besteht in den Geschäftsbefugnissen der
Postämter
und einer großen Anzahl der Postagenturen, namentlich der von
Fachbeamten
verwalteten, kein Unterschied. Sie nehmen gleichmäßig an allen
Dienstzweigen
des Weltpostvereins (Brief-, Paket-, Postanweisungs-, Nachnahme-,
Wertund
Zeitungsdienst) teil; nur der Postauftragsdienst ist bisher nirgends
eingeführt.
Etwas geringere Geschäftsbefugnisse haben die nach heimischem Muster von
Nichtfachbeamten verwalteten Postagenturen an kleineren Orten in den
Schutzgebieten.
Endlich bestehen, namentlich in Deutsch - Südwestafrika und in Samoa,
noch Posthilfstellen, die fast ausschließlich nur der Vermittlung des
reinen Briefverkehrs (Briefe, Postkarten, Drucksachen, Warenproben) dienen. Daneben sind in Deutsch
- Südwestafrika und in einigen anderen afrikanischen Kolonien Telegraphenanstalten ohne Postbetrieb,
die sog. Telegraphenhilfstellen vorhanden. Sämtliche Schutzgebiete und
die in ihnen bestehenden Postund Telegraphenanstalten gehören dem
Weltpostverein
und dem internationalen Telegraphenverein an. S.a. Telegraphen, Fernsprechanlagen, Telefunkenstationen und Funkentelegraphie. Es bestehen zurzeit
in Deutsch-Ostafrika die Postämter in Daressalam* (die mit einem *
versehenen
Postanstalten sind gleichzeitig Telegraphenanstalten) und Tanga*, sowie
die Postagenturen in Amani*, Aruscha*, Bagamojo*, Bismarckburg*, Buiko*, Bukoba*, Dodoma*, Handeni,
Iringa*, Kigoma*,
Kihmatinde*,
Kilossa*, Kilwa*, Kissenji,
Kondoa - Irangi, Korogwe*, Leganga,
Lindi*, Mahenge,
Mikindani*, Mkalama, Mkumbara*, Mnyussi, Mohoro*, Mombo*,
Morogoro*,
Moschi*, Mpapua*, Muaja, Muansa*, Muhesa*, Musoma, Neu - Langenburg, Ngomeni*, Pangani*,
Ruanda, Sadani*,
Salale, Schirati, Soga, Ssongea, Tabora*,
Tschole, Udjidji*,
Umbulu, Urundi,
Usumbura, Utete* und
Wilhelmstal*, sowie die Telegraphenanstalten ohne Postbetrieb in Maurui,
Mtingi, Mwule und Wugiri; in Deutsch -
Südwestafrika
die Postämter in Windhuk*,
Keetmanshoop*,
Lüderitzbucht* und Swakopmundt die Postagenturen in Aroab, Aus*, Bethanien*, Gibeon*, Gobabis*,
Grootfontein*, Johann -
Albrechtshöhe*,
Kanus*, Karibjb*, Kolmannskuppet Kub*, Kuibis*,
Maltahöhe*, Okahandja*, Omaruru*, Otavi*, Otjiwarongo*, Outjo*, Pomonahügel*, Rehoboth*, Seeheim*, Tsumeb*,
Ukamas*, Usakos*,
Warmbad*, die Posthilfstellen in Aris*,
Barby, Bergland*, Berseba*, Bogenfels*,
Brackwasser*, Brackwater* (Bz. Windhuk),
Chairos,
Ekuja, Empfängnisbucht, Epukiro, Fahlgras (Bz. Windhuk), Gochas, Groß -
Witvley*,
Gründorn*, Guchab*, Haris*, Hatsamas*, Hoachanas, Hohewarte*, Kalkfeld*, Kalkfontein (Süd)*, Khan*, Klein - Nauas, Koes*, Kubas*, Mariental, Nauchas, Neudamm,
Neuheusis*, Okasise*, Okatjombva, Okaukwejo,
Okombahe, Olukonda, Onguati*, Osona*, Otjihawera, Otjimbingwe, Otjosazu, Otjosonjati, Otjundaura, Ramansdrift*, Seeis*, Waldau*, Waterberg* und Wilhelmstal*; außerdem folgende
Telegraphenanstalten
ohne Postbetrieb: Angras Juntas, Aninus, Dawignab, Elisabethbucht, Farm Hoffnung, Farm Voigtland, Friedrichsfelde, Frohe
Hoffnung, Geitsabis, Ginnestal, Granitberg, Groß - Barmen, Hasuur, Kabus, Kappsfarm, Klipdam, Kuis, Kupferberg,
Lüderitzfelder, Narubis, Nonidas, Okanjande, Omitara, Otjiwero,
Pomonapforte,
Rohrbachfold, Spitzkoppe, Stolzenfels, Tses, Tsumis, Uchanaris,
Unverhofft
und Wittenhorst; - in Kamerun das
Postamt
in Duala*; die Postagenturen in Abong -Mbang*, Akoafim, Akonolinga*, Ambam, Bamenda, Banjo, Bare, Bibundi*,
Bipindihof,
Bonaberi*, Bonambasi*, Buar, Buea*, Dschang, Dume*, Ebolowa*, Edea*, Garua, Jabassi*, Jaunde*, Joko, Jukaduma, Kampo*,
Kribi*, Lobetal*, Lolodorf*, Lomie, Longji, Marienberg, Molundu, Mora,
Mundeck*,
Ngaundere, Njassi*, Nola, Nyanga*, Ossidinge, Plantation*, Rio del Rey, Sangmelima,
Ukoko und Vietoria*, sowie Telegraphenanstalten ohne Postbetrieb in Groß
- Batanga, Isongo, Malimba und Nkongsamba; -in Togo das Postamt in Lome*, die Postagenturen in Agbeluvhoe*, Agome - Palime*, Agu*, Anecho*, Assahun*, Atakpame*, Ho*,
KeteKratschi*,
Kpandu*, Moepe*, Nuatjä*, PortoSeguro*, Sausane - Manga, Sokode*, Tokpli* und
Tsewie*, sowie Telegraphenanstalten ohne
Postbetrieb in Agome - Klossu, Agome-Sewa, Aklaku, Awewe, Bimbila, Jendi; - in Deutsch -Neuguinea das Postamt in Rabaul* sowie die Postagenturen in Deulon, Eitape, Finschhafen, Friedrich - Wilhelmshafen, Herbertshöhe *, Käwieng, Kieta, Manus, Maron, Marobe, Namatanai und Stephansort und die Posthilfstelle in Buka, sowie die Telegraphenanstalt ohne Postbetrieb
in Bitapaka; -auf den Marshallinseln
die Postagenturen in Jaluit und auf der
Insel Nauru*; - auf den Karolinen, Marianen und Palauinseln die Postagenturen auf den Inseln
Jap, Ponape, Trugk
(Karolinen),
Saipan (Marianen) und Angaur* sowie Palau (Palauinseln); -auf Samoa das Postamt in Apia sowie die Posthilfstellen in Aleipata, Fagamalo, Malua, Mulifanua, Palauli,
Salailua
und Salelavalu; - in Kiautschou das Postamt in Tsingtau*, die Postagenturen in Litsun*, Taitungtschen* und Tsangkou*; sowie die
Posthiltstellen
inMecklenburghaus*, Schatsykou, Syfang* und Taputou.
3. Personal. Das Beamtenpersonal in den Schutzgebieten besteht zum
größeren
Teil aus deutschen Fachbearnten und Fachunterbeamten, zum kleineren Teil
aus Nichtfachbeamten. Letztere versehen die Postdienstgeschäfte bei den
Postagenturen geringeren Geschäftsumfangs, den Posthilfstellen und
Telegraphenhilfstellen
und setzen sich aus Kolonialbeamten, Angehörigen der Schutztruppe,
Eisenbahnangestellten,
Missionaren und sonstigen Privatpersonen zusammen. Die in die
Schutzgebiete
entsandten Fachbeamten erhalten eine besondere technische und
sprachliche
Ausbildung, letztere zum Teil auf dem Seminar für orientalische
Sprachen in, Berlin. Gegenwärtig (Ende 1913) sind insgesamt 115
Fachbeamte
und 56 Fachunterbeamte in den Schutzgebieten tätig. Soweit intelligente
Eingeborene vorhanden sind, insbesondere in Togo,
Kamerun, Deutsch-Ostafrika und Kiautschou, werden sie zur Hilfeleistung
in den Beamtendienstgeschäften (Post-, Telegraphen- und
Fernsprechdienst)
ausgebildet und als Hilfsbeamte beschäftigt. Den Unterbeamtendienst
(innerhalb
der Postanstalten), Boten- und Leitungsaufseherdienst (auf den
Postkursen
über Land und auf den Strecken der Telegraphenlinien) versehen überall
Eingeborene.
4. Postverbindungen. Die Bahnen in den
Schutzgebieten werden überall zur Postbeförderung benutzt. Die
Küstenplätze
sind zum größten Teil durch Dampfschifflinien verbunden (s. Küstenfahrt und
Postverbindungen). Im Innern
nicht an Bahnen gelegene Postanstalten werden durch regelmäßige Botenposten, in Deutsch-Südwestaftika auch
durch
die landesüblichen Karrenposten und durch Reitposten versorgt.
5. Statistik. Der Verkehr bei den Post-, Telegraphenund
Fernsprechaustalten
in den Schutzgebieten ergibt sich aus der Statistik für das Kalenderjahr
1912 (S. 90, 91).
Literatur: Archiv für Post und Telegraphie,
Jahrgang 1903, 33 ff und 65 ff. - Bericht
über die Ergebnisse der Reichpost und
Telegraphenvertwaltung während der Rechnungsjahre
1906/10. Puche.
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