Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 103

Propaganda, römische Missionsbehörde, von Papst Gregor XV. 1622 unter dem Namen "Congregatio de propaganda fide (Kongregation von der Glaubensverbreitung)" eingesetzt, bestehend aus Mitgliedern (Kardinälen) und Konsultoren, mit allwöchentlichen Konferenzen und allmonatlichen Plenarversammlungen. Dieses päpstliche "Missionsministerium" hat die einzelnen Missionsbezirke zu errichten und zu umgrenzen, die Missionsgenossenschaften dafür zu bestimmen, die Missionsobern (Bischöfe, Vikare, Präfekten) einzusetzen, die kirchliche Oberleitung in den sog. Missionsländern zu führen, die Missionsberichte und Missionsanfragen entgegenzunehmen, die allgemeineren Missionsentscheidungen zu treffen. Doch ist die P. nicht ausschließliche Zentrale für das katholische Missionswesen, da z.B. die spanischen und portugiesischen Kolonialgebiete ihrer Jurisdiktion entzogen sind. Durch die Reorganisation der römischen Kurie von 1908 ist die Kompetenz der P. mannigfach beschränkt und reduziert worden: territorial durch Entlassung aller zu fertiger kirchlicher Organisation und bischöflicher Hierarchie gelangter Sprengel aus dem Propagandaverband, persönlich durch die Entziehung der Missionsgenossenschaften und Missionare in ihrer Eigenschaft als Ordensleute, sachlich durch Übertragung der speziellen Angelegenheiten (Glauben, Riten, Ehe usw.) an die übrigen zuständigen Kongregationen. Mit der P. ist seit 1627 verbunden ein Kolleg (Collegium de Propaganda fide), das Missionare heranbildet, für unsere Kolonien aber nicht in Betracht kommt.

Literatur: Mejer, Die Propaganda, ihre Provinzen u. ihr Recht, 2 Bde. Göttingen 1852. - Baumgarten, Das Wirken der Kath. Kirche auf dem Erdenrund, 123 ff., München 1906. - Schwager, Die, kath. Heidenmission der Gegenwart 1, 17 ff. Steyl 1907. - Krose, Katholische Missionsstatistik, 11. Freiburg 1908. - Hilling, Die rechtliche Stellung der Propagandakongregation, Zeitschr. f. Missionswissensch. (1911), 147 ff.

Schmidlin