Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 145

Rehoboth, wichtiger Ort im nördlichen Groß -Namalande in Deutsch - Südwestafrika, nahe der Nordsüdbahn. R. ist die Hauptniederlassung der im Schutzgebiet ansässigen Bastards (s.d.) und des gleichnamigen Verwaltungsbezirks. Es befinden sich daselbst Post- und Telegraphenstation und ein Zollamt. Auch ist R. Station der Rheinischen Missionsgesellschaft (s.d.). Bekannt sind die heißen Quellen. Wirtschaftlich hat R. von jeher große Bedeutung besessen. Als Mittelpunkt des wohlhabenden Bastardvolkes an und für sich begünstigt, hat es zugleich infolge der Nähe des Hauptortes Windhuk (s.d.) manche Vorteile genossen. Besonders die Frachtfahrerei brachte den Rehoboth Bastards nicht geringen Gewinn. Für die Entwicklung der Hauptstadt selbst war diese Nachbarschaft ebenfalls von Wichtigkeit, namentlich während unruhiger Zeiten, in denen das Bastardland im kleinen verschiedentlich die, Rolle eines Pufferstaates gespielt hat. - In der Geschichte des Schutzgebiets tritt uns der Ort bereits im Jahre 1845 entgegen. Damals gründete die Rheinische Missionsgesellschaft (s.d.) hier eine Station unter den dort ansässigen Hottentotten (s.d.). Diese ging aber infolge der Kämpfe unter der gelben Rasse ein, und die ehemaligen Besitzer des Gebiets, die Swartbois, verließen es um die Mitte der sechziger Jahre. Einige Jahre vergingen, ohne daß der Platz wieder besetzt wurde. Dann aber wurde er von den aus der Kapkolonie 1868 ausgewanderten Bastards von de Tuin als geeignete Stelle für ihre Niederlassung gewählt. Zugleich mit ihrem Missionar Heidmann, einem um die Entwicklung von R. hochverdienten Manne, sammelten sich die neuen Einwanderer hier, und das Jahr 1871 kann als das Gründungsjahr des heutigen R. gelten. Auch dieser Punkt ist, wie die meisten älteren Siedlungen im Schutzgebiet, nicht von Unruhen verschont geblieben. In Gestalt der befestigten Gebäude einer hier tätigen Handelsgesellschaft besaß er indessen schon vor Beginn der deutschen Herrschaft eine Art von Feste, die den Bastards verschiedentlich gute Dienste leistete, so namentlich im Jahre 1882 während eines Angriffs Jonkerscher und Swartboischer Hottentotten. Der Krieg mit den Witbois (s.d.) sah die Bastards auf deutscher Seite, und dem Orte wurde damals durch die Gelben mancher Abbruch getan. Er erholte sich indessen immer wieder und gehört heute zu den wichtigsten Siedlungen des Schutzgebiets, zumal er den einzigen Mittelpunkt einer landwirtschaftlich tätigen Eingeborenenbevölkerung bildet. Niederschlagstabellen s. Deutsch-Südwestafrika.

Literatur: K. Dove, Südwestafrika, Kriegs- und Friedensbilder aus der ersten deutschen Kolonie. Berl. 1896. - K. Schwabe, Mit Schwert und Pflug in Deutsch-Südwestafrika. 2. Aufl., Berl. 1904.

Dove.