Reichard, Paul, Afrikareisender, geb. 2. Dez. 1854 zu Neuwied a. Rh. R. wurde 1880 mit Böhm und Kaiser
(s.d.)
von der Afrikanischen Gesellschaft zu einer wissenschaftlichen
Forschungsreise
nach Ostafrika geschickt. Nachdem die
Gründungen wissenschaftlicher Stationen in Kakoma und Igonda (beide südlich Tabora) fehlgeschlagen waren, zogen R. und Böhm zum
Tanganjika, während Kaiser sich nach
dem Rukwasee wandte und dort dem Fieber
erlag.
Die beiden ersteren hielten sich über ein halbes Jahr am Tanganjika auf,
teils in Karema, teils in Mpala
am Westufer, wo sie die Belgier bei ihrer Festsetzung am See
unterstützten.
Sie wandten sich dann nach SW, überschritten im Okt. 1883 den Luapula und
entdeckten den Upembasee, wo Böhm am Fieber starb. R. drang dann allein
bis Katanga vor und entdeckte dort die reichen Kupferminen. Nach schweren
Gefechten erreichte er im Nov. 1884 den Tanganjika wieder, trat von dort
unter mannigfachen neuen Kämpfen den Marsch zur Küste an und erreichte
erst
nach 5 1/2 jähriger Abwesenheit Sansibar wieder. Den nachgesuchten Reichsschutz
konnte R. für seine Erwerbungen westlich des Tanganjika, die als zum Kongostaat gehörig betrachtet wurden, leider
nicht
erreichen. R., der jetzt in Nizza lebt, schrieb zahlreiche Berichte über
seine Expedition in den Mitt. d. Afrik. Ges. in Deutschl. (Zusammenstell.
s. Bd. 5, 139f ) und anderen Zeitschriften.
Weitere Schriften: Dr. Emin Pascha,
ein Vorkämpfer der Kultur im Innern Afrikas, Lpz. 1891 u. 1895; Deutsch
- Ostafrika, das. 1892.