Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 148

Reichs - Kolonialamt. Das R. ist aus der Kolonialabteilung (s.d.) des Auswärtigen Amts hervorgegangen. Ein Allerh. Erl. vom 17. Mai 1907 (RGBl. S. 239) bestimmte, "daß die bisher mit dem Auswärtigen Amte verbundene Kolonialabteilung nebst dem OberKommando der Schutztruppen fortan eine besondere, dem RK. unmittelbar unterstellte Zentralbehörde unter der Benennung, Reichs - Kolonialamt zu bilden hat". Eine Allerh. Order vom 23. Juni 1907 (KolBl. S. 705) bestimmte ferner, daß der Staatssekretär des R. im Zuständigkeitsbereiche dieser Behörde durch den Unterstaatssekretär vertreten wird. Für den Fall, daß auch dieser behindert ist, hat der RK. die Vertretung besonders zu regeln. Der erste Staatssekretär des R. war Dernburg (s.d.), der bis zum Juni 1910 die Geschäfte führte. Ihm folgte v. Lindequist (s.d.) bis Nov. 1911, dann wurde Solf (s.d.) zum Staatssekretär ernannt, der gegenwärtig an der Spitze des R. steht. Das R. ist in vier Abteilungen gegliedert, von denen drei die Geschäfte der Zivilverwaltung der Sc utzgebiete bearbeiten, und zwar Abteilung A die politischen, allgemeinen Verwaltungsangelegenheiten, Abt. B die Finanzen, Verkehrs- und technischen Angelegenheiten, Abt. C die Personalangelegenheiten. Als vierte Abteilung (M) tritt die Militärverwaltung - Kommando der Schutztruppen (s.d.) - hinzu. Näheres über die Geschäftsverteilung enthält das alljährlich erscheinende amtliche "Handbuch für das Deutsche Reich" (Berl., C. Heymann), das auch die Namen der Mitglieder des R. aufführt. Die Kassenangelegenheiten werden von der "Kolonialhauptkasse" (KolBl. 1907 S. 508) wahrgenommen. Die Ausführung von Beschaffungen und Vergebung von Lieferungen liegt der von Abt. B. ressortierenden "Beschaffungsstelle für die Schutzgebiete" (s.d.) ob (s. KolBl. 1909 S. 935, KolGG. 1909 S. 412 ff, ZKolPol. 1909 S. 769). - An Stelle des durch Allerh. Erl. vom 17. Febr. 1908, RGBl. S. 28 aufgehobenen Kolonialrats (s. d.) werden beim R. unter Zuziehung von Sachverständigen Kommissionen gebildet. Zurzeit besteht die noch unter Mitwirkung des Kolonialrats gebildete "Landeskundliche Kommission" für geographische Zwecke und die am 30. Juni 1911 (KolBl. S. 654) errichtete "Ständige Wirtschaftliche Kommission" (s. V. V. des RK. v. 30. Juni 1911 und 24. Mai 1913, KolBl. 1911 S. 654, 1913 S. 466). S. a. Zivilverwaltung. Zur Beratung des R. wurden ferner gebildet die kolonialen Kommissionen des Deutschen Landwirtschaftsrats und der Deutschen Landwirtschafts - Gesellschaft.

v. König.

Literatur: Die dem deutschen Reichstag unter dem 9. Februar 1914 vorgelegte Denkschrift "Die Kolonialverwaltung der europäischen Staaten", Nr. 1356 der Drucksachen.