Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 147

Reichskanzler. Da dem Kaiser die Ausübung der Schutzgewalt bezüglich der Kolonien durch gesetzliche Delegation als Inhaber des Bundespräsidiums im Reiche übertragen ist, so erstreckt sich die verfassungsmäßige Zuständigkeit des R. als des höchsten Beamten und verantwortlichen Ministers des Reichs auch auf die Verwaltung der Kolonien. Wie die Reichsgesetze, so bedürfen auch die für die Kolonien ergehenden Ksl. V. der Gegenzeichnung des R. Dem R. steht auch nach § 15 SchGG. ein weitgehendes Verordnungsrecht auf dem Gebiete der Polizei und sonstigen Verwaltung zu (v. König in der Ztschr. f. Kol. Pol. usw., Mai 1912). Das gleiche gilt hinsichtlich der afrikanischen und Südseeschutzgebiete für die Einrichtung der Verwaltung und die Eingeborenenrechtspflege (Ksl. V. vom 3. Juni 1908; RGBl. S. 397). Auch die Schutztruppen sind dem R. unterstellt, dem die Disziplinargewalt eines kommandierenden Generals zusteht. Es kann ein Stellvertreter allgemein für den gesamten Umfang der Geschäfte des R. ernannt werden; auch können, mit der Stellvertretung des R. die Vorstände der ihm untergeordneten Reichsbehörden in ihrem Geschäftsbereich nach Maßstabe des G. vom 17. März 1878 (RGBl. S. 7) vom Kaiser beauftragt werden. Dies ist für die Person der gegenwärtigen Staatssekretäre des RKA. und RMA. geschehen (bezüglich des RKA. vgl. Ksl. V. vom 6. Nov. 1911, KolBl. S. 919). S. Reichs-Kolonialamt und Reichs-Marineamt.

v. König.