Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 171

Richthofen, Ferdinand Freiherr von, geb. 5. Mai 1833 zu Karlsruhe in Schlesien, studierte in Breslau und Berlin Naturwissenschaften, insbesondere Geologie, machte 1856 nach seiner Promotion in Berlin geologische Aufnahmen in Südtirol und arbeitete dann an der k. k. geologischen Reichsanstalt zu Wien. 1860 begleitete er als Geologe die preußische Gesandtschaft unter Graf Friedrich Eulenburg nach China, Japan und Siam, bereiste dann Indonesien und Kalifornien und führte 1868 bis 1872 sieben große Reisen in China aus, die ihn später in den Stand setzten, in meisterhafter Darstellung eine leider nie ganz vollendete Schilderung dieses Riesenreiches zu geben und durch zahlreiche bedeutsame Schlüsse allgemeiner Art die verschiedensten Zweige der Geographie und Geologie, insbesondere aber deren Grenzgebiet, die Geomorphologie, zu befruchten. Der praktischen deutschen Kolonialpolitik erwies sein Hinweis auf die mögliche Bedeutung von Kiautschou einen großen und folgenreichen Dienst (s. Kiautschou). Nach Deutschland zurückgekehrt, wurde er im Nov. 1875 als ordentl. Professor der Geographie nach Bonn berufen, wo er 1879 seine Tätigkeit auszuüben begann. 1883/86 wirkte er in Leipzig, von 1886 bis zu seinem am 6. Okt. 1905 erfolgten Tode in Berlin, wo er neben einer höchst erfolgreichen akademischen Wirksamkeit eine wichtige und befruchtende Tätigkeit als langjähriger erster Vorsitzender der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin (s.d.) entfaltete. Wichtigste Schriften: China, Berl. 1877/83, Bd. 1, 2 und 4 und Atlas 1885; Führer für Forschungsreisende, Berl. 1886.