| Rinder (s. Tafel 110, 170, 171). Über die in
unseren Kolonien
einheimischen R. ist noch nicht überall hinreichende Kenntnis verbreitet.
Überwiegend sind es Buckelrinder von der kleinsten bis zur schwersten Form
und auch in Farbe stark variierend, die mit Bos indicus Zebu verwandt sind
das, aus Asien stammend, mit den verschiedenen Völkerströmen nach dem
tropischen
Afrika gelangte. Einen besonderen Typ bilden die der Sangarasse
nahestehenden
Großhornrinder, als deren Vertreter das Watussirind, das Herero- oder Damararind und das Betschuanenrind anzusehen
sind.
Die in Deutsch-
Südwestafrika
einheimischen R., die immer mehr verschwinden, werden als Ovambo-, Damara-
oder Hererorind und Namarind
unterschieden.
Das Ovamborind ist ein kleines R. von kurzem und
gedrungenem
Körperbau und höckerartigem Widerrist, mit großen, lyraförmig nach oben
stehenden Hörnern, meist grau oder braun mit weißer Sprenkelung. Als
Zugtier
nicht geeignet. Milchergiebigkeit gering. Das R. brachten die aus
Innerafrika
zugewanderten Ovambos (s.d.) ins Land. Das Damara- oder Hererorind (s. Tafel
170) ist ein mittleres Steppenrind mit kräftigerem Knochenbau,
hochgestellten,
schlanken Gliedmaßen, ziemlich großem, nach vorn zugespitztem Kopf,
gewaltig
entwickelten und breitgestellten oder auch losen Hörnern und beim Bullen
stark ausgebildetem Höcker. Zugleistung ausgezeichnet, auch als Reittier
benutzt. Milchleistung ganz gering, auch als Schlachttier von geringem
Nutzen.
Ochsen, die erst mit 7 Jahren ausgewachsen sind, liefern 200 - 250 kg
Schlachtgewicht.
Das Namarind ist in gleicher Weise wie das Afrikanerrind in Britisch - Südafrika aus den
Langhornrindern Südafrikas unter Zuführung von Blut europäischer Rassen,
insbesondere des Holländerbluts herangezüchtet, mit langem und tiefem
Körperbau,
vielfach kürzeren und weniger schweren Hörnern und gut entwickeltem
Höcker.
Farbe rotbraun, schwarz, grau oder rot- und schwarzbunt. Ausgewachsene
Ochsen
geben 300350 kg Schlachtgewicht. Die Milchergiebigkeit ist besser als bei
den Ovambound Damararindern, a ußer der Milch für das Kalb täglich 3 - 5 l. Als Zugtiere auf
guten Wegen besonders für schwere Lasten geeignet. Dem Namarind steht das von den Bastards (s.d.) im Bezirk Rehoboth gezüchtete Rind, das sog. Bastardrind nahe, das durch bessere Zuchtwahl,
Haltung und Pflege schwerere und bessere Körperformen zeigt. Aus dem
Betschuanaland
ist das Betschuanenrind nach
Deutsch
- Südwestafrika gelangt, das als Zugtier gut ist, sonst aber in seinen
wirtschaftlichen
Leistungen viel zu wünschen übrig läßt. In Deutsch-Ostafrika überwiegen unter den
einheimischen R. die Buckelrinder von meist ziemlich kleinem Körperbau mit
feinem Kopf, einem oft recht starken Höcker und kurzen Hörnern. Die Farbe
ist rot, schwarz, gescheckt, weiß und auch falb. An einigen Stellen
(Usukuma)
sind besonders große Formen, an anderen (Mafia)
sehr kleine anzutreffen. Im Zwischenseengebiet wird von den Wahuma
- Watussivölkern (s. Wahuma) das
Watussirind gehalten, mittelgroß, von roter
und brauner Farbe, mit schwach ausgebildetem Buckel, schlanken
Extremitäten,
auffallend leerer Hosenpartie. Charakteristisch ist der breitstirnige,
nach
der Schnauze spitz zulaufende, häufig geramste Kopf mit stark entwickelten
Hörnern, die besonders bei alten sterilen Kühen oft riesenhafte
Dimensionen
annehmen. Das größte, bisher gemessene, im Besitz der landwirtschaftlichen
Abteilung des hamburgischen Kolonialinstituts befindliche Gehörn einer
Watussikuh
hat eine Länge von 133 cm, der Umfang der Hornwurzel macht 48,1 cm, der
Abstand der Hornspitzen von einander 155,7 cm aus; der Inhalt des Horns
beträgt 11,5 1. Die enorme Entwicklung der Hörner
ist von manchen Reisenden für eine krankhafte Erscheinung erklärt, nach
Stuhlmann werden sie aber von den Watussi mit Bewußtsein gezüchtet. Die
wirtschaftliche
Nutzung dieser R. ist äußerst gering, das Fleisch ist grobfaserig und von
fadem Geschmack. In den Grenzgebieten der Wahuma - Watussivölker wird das
Watussirind viel mit dem
leistungsfähigeren
und widerstandsfähigeren Buckelrind gekreuzt. In Kamerun wird von den Waldlandnegern (Bakwiri, Bakossi
[s.d.]) ein kleines Rind von leichtem Körperbau gehalten, Waldlandrind oder Urwaldrind, genannt. Die im Innern vorkommenden
Buckelrinder wechseln von kleinen bis zu großen Formen je nach Boden,
Klima, Ernährung
und Haltung, mit vorwiegend langen, aber auch kurzen und schlappen
Hörnern.
Am wertvollsten ist das Fulbe-Buckelvieh, mittelhoch gestellt,
verhältnismäßig
feinknochig, mit halblangen Hörnern. Fleisch- und Milchleistung
befriedigend.
Ferner werden als von untergeordneter Bedeutung das Borororind
und das kleine buckellose Durrurind genannt, das dem Waldlandrind gleicht.
Die in Togo vorkommenden R. sind Buckelrinder von kleinerem Schlag, meist nicht
über 1 - 1,1 m Schulterhöhe, von schwarzweißer und brauner Farbe. Das von
den Fulbe (s.d.) gezüchtete Buckelvieh ist
größer, am meisten wird unter diesem das Tschaudjorind
wegen seiner Leistungen geschätzt. Über die nach den Kolonien eingeführten
Rinderrassen s. Rindviehzucht.
Literatur: C. Keller, Das afrikanische Zeburind und seine
Beziehungen zum
europäischen Brachycerosrind. Zürich 1896. - H. Mollhuysen, Untersuchungen über
die südafrikanischen Rinder mit besonderer Berücksichtigung des Transvaalrindes.
Zürich 1911 - L. Adametz, Das Watussirind. Anhang zu O. Baumannis Werk: Durch
Massailand zur Nilquelle. Berl. 1894 - C.
Keller, Das Rind und seine Formen in Afrika. Braunschweig 1894. - J. Neumann,
Der Schädel des Watussirindes in Mitt. a. d. d. Schutzgebieten, Ergänzungsheft
6, Berl. 1913. Neumann.
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