Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band III, S. 183 f.

Rotan, vielfach fälschlich Rotang geschrieben, ist das malaiische Wort für solche Palmen, die von uns nach ihrer hauptsächlichsten Verwendung gewöhnlich als Stuhlrohrpalmen oder Spanisches Rohr bezeichnet werden. Ihr wesentlicher Unterschied anderen Palmen gegenüber besteht darin, daß sie schlingen, d.h. also Lianen (s.d.) sind. Nur selten mehr als daumenstarke Stämme entwickelnd, lehnen sie sich den Bäumen ihrer Umgebung an und klettern an ihnen mit Hilfe rückwärts gerichteter, angelhakenartiger Dornen empor, die entweder die geißelförmige Verlängerung ihrer gefiederten Blätter oder besondere, aus dem Stamm entspringende, einer Peitsche vergleichbare Organe dicht besetzen. In Zusammenhang mit ihrer Lebensweise steht, daß die Blätter nicht wie sonst bei den Palmen einen Schopf am Gipfel des Stammes bilden, sondern einzeln am ganzen Stamm verteilt sind. Ihre Früchte ähneln kleinen Tannenzapfen. Man kennt gegen 200 verschiedene R.palmen, von denen die ganz überwiegende Menge dem indisch -malaiischen Gebiet und Neuguinea angehört, nur wenige, vielleicht ein Dutzend Arten, sind im tropischen Westafrika verbreitet. In den Urwäldern Sumatras, Borneos und Neuguineas kommen sie besonders massenhaft vor, erreichen Längen von über 100 in und verursachen es. dort, daß der Wald für den Europäer, in dessen Kleidern sich ihre Dornen festhaken, stellenweis fast undurchdringlich wird. Ihre von den Blättern befreiten, geglätteten und gewaschenen Stämme sind zu einem bedeutenden Handelsartikel geworden, für den der Markt Singapore ist. In ganzen Schiffsladungen gehen sie von hier zum größten Teil nach London, um von da aus weiter über die Welt verbreitet zu werden. Ihre Verwendung zu Stuhlrohrgeflechten und sog. Peddigrohrmöbeln verdanken sie ihrer großen Elastizität, Festigkeit und Spaltbarkeit. Die Bestände, die wir an R. in Neuguinea haben, sind auf ihre Verwendbarkeit noch nicht untersucht worden, die Kameruner Arten, die den Gattungen Calamus und Ancistrophyllum angehören,. hat die Industrie bisher abgelehnt, wohl aber nur, weil ihr das Rohmaterial ungenügend aufbereitet dargeboten wurde. In einigen Missionsschulen Kameruns und auch Samoas verarbeitet man das heimische Material (Bushrope) zu Korbmöbeln aller Art und deckt damit den Inlandverbrauch.

Literatur: M. Koernicke, Über die Kulturmöglichkeit des Rotan, Tropenpflanzer, 1908. A. Preyer, Rotan, Tropenpflanzer, 1902

Volkens.